Überinterpretiert?

Als ich mir letzten Freitag die Pressekonferenz vor dem Auswärtsspiel in Berlin angesehen habe, bin ich bei folgendem Dialog zwischen Julian Franzke (Kicker) und Niko Kovac zu Makoto Hasebe hellhörig geworden:

F: “Nochmal nachgefragt bei Makoto, weil er hat mir jetzt unter der Woche in einem Gespräch gesagt, dass er bisher immer Schmerztabletten nehmen musste, bevor er in die Spiele gegangen ist. Das heißt dann ja, der Körper merkt dann nicht unbedingt, im Spiel wenn es zu viel wird. Inwieweit besteht denn da ein gesundheitliches Risiko mit seinem Knie? Er hat auch gesagt, dass man nicht genau weiß, warum jetzt diese Schmerzen auftreten.”

A: “Also ich möchte jetzt nicht ins Detail gehen, wie es jetzt bei ihm ausschaut. Aber Makoto ist ein Vollblutprofi, ein Spieler der zur Weltmeisterschaft fahren möchte, er ist Kapitän seines Landes, eines sehr stolzen Landes, und da möchte er dabei sein. Und er möchte auch dieser Mannschaft helfen. Das was sie erwähnt haben mit den Schmerztabletten ist so, jetzt diese Woche hat er keine genutzt, das heißt dann schon, dass es in die richtige Richtung geht, wir hoffen, dass das dann auch ohne [Schmerzmittel] geht, wir werden es sehen, was die nächsten Tage und auch die nächsten Wochen dann bis zur Winterpause bringen. Auf jeden Fall ist es für einen nicht so einfach, wenn man auch im Kopf nicht weiß, kann ich nur mit oder geht es auch ohne?”

F: “Aber ich gehe dann Recht in der Annahme, der Makoto ist dann jemand der dann immer spielen wollte? Er ist dann aus seiner Sicht immer viel früher fit als wenn Sie hinschauen?”

A: “Also Makoto ist im Kopf sehr klar. Natürlich möchte jeder Spieler spielen, und ich rede ja auch mit ihm, und er ist dann ja auch ehrlich und wir dann auch wirklich abwägen müssen, hauen wir dann richtig drauf, dass es dann in zwei Monaten komplett kaputt sein kann, oder versuchen wir es so ein bisschen zu tempieren, dass wir es noch bis zur Weltmeisterschaft irgendwo hinkriegen. Ich würde mir wünschen, dass das Knie soweit trocken bleibt, wenn man das so sagen kann, dass es keine Reaktion gibt, keine Entzündungen, denn wenn diese nicht da sind, dann ist Makoto für uns so wichtig wie er es im vergangenen Jahr gezeigt hat, dass er wichtig ist.”

Für mich hört sich das an, als ob ein Karriereende spätesten im Sommer für einen der wichtigsten Spieler im Kader der Eintracht unabwendbar sei. Ja, man sogar aufpassen müsste, dass nicht schon in zwei Monaten alles vorbei sei. Und das wäre – wie wir gerade wieder in Berlin gesehen haben – wirklich ein großer Verlust, denn mit Hasebes ordnender Hand wirkt unser Spiel einfach viel besser sortiert. Auch wenn er diese Saison bisher nicht so glänzen konnte wie im vergangenen Jahr. Dies war aber sicher dem mangelnden Spielrhythmus geschuldet.

Und wenn meine Interpretation des Gesagten stimmen würde, wäre das wirklich eine Zäsur. Denn damit würde nach aktuellem Stand eine der wichtigsten Identifikationsfiguren innerhalb des Teams und außerhalb wegfallen. Ich würde sogar annehmen, dass seine Bedeutung innerhalb der Mannschaft weitaus größer ist als der schon immense Verlust an spielerischer Qualität. Und da gleichzeitig mit Alexander Meier und Marco Russ zwei andere der alteingesessenen Spieler aus verschiedenen Gründen auf der Kippe stehen, könnte das kommende Saisonende durchaus als das Ende einer Ära gesehen werden.

Makoto Hasebe hat seit seinem Wechsel zum VfL Wolfsburg 2008 insgesamt 246 Bundesligaspiele, 18 Spiele im DFB-Pokal und diverse Auftritte in der Champions-League und der Europa-League für Wolfsburg, Nürnberg und Eintracht Frankfurt bestritten. Alleine für die Eintracht stand er seit seinem Wechsel 2014 in 107 Pflichtspielen (97 Bundesliga-. 2 Relegations- und 8 DFB-Pokal-Spielen) auf dem Feld. Hoffen wir für ihn und die Eintracht, dass noch möglichst viele dazukommen. Und natürlich, dass er sich seinen großen Traum, die japanische Nationalmannschaft als Kapitän zur WM 2018 aufs Feld führen zu dürfen, erfüllen möge.

Aber hoffentlich habe ich das alles nur überinterpretiert.