#SGESCF – die Noten bitte. Und eine Reminiszenz

Ja, ja, ich weiß. Der jugendliche Held auf dem Bild spielt nicht mehr in Frankfurt. Leider. Aber ich glaube, ich gönne keinem anderen einen solchen Transfer so sehr wie ihm. Ich glaube, wir können ihm gar nicht genug danken, für Inspiration und Ballgefühl, für Tore und Grundsätze. Und – ich kann hier nur für mich sprechen – er ist der einzige Spieler, der für lange Zeit mein Trikot zieren wird. Er ist der Prince.

Aber zurück zum Tagesgeschäft. Es gab einen Heimsieg und es [...]  weiterlesen...

Umbruch die Dritte

Man hatte ja gehofft. Gehofft darauf, dass die Mannschaft des Pokalsiegers eine gute Basis für die nächsten Jahre sei. Aber dann. Ok, vielleicht geht es auch ohne Wolf. Na gut, Mascarells Abgang war ja vorhersehbar. Aber jetzt? Auch noch Boateng? Nach Sassuolo? Wo zum Teufel liegt das? Egal. Also langsam wird es dann doch sehr einschneidend. Und wenn jetzt noch die fast erwartbaren Angebote für Rebic eintreffen, dann ist der auch weg. Und dann? Mal wieder ein Neuaufbau, wie in den letzten zwei Sommern unter Kovac? Wahrscheinlich.

Übrigens ist dabei der Wechsel unserer Nummer 17 derjenige, der mich emotional am meisten trifft, aber trotzdem am wenigsten überrascht. Denn einerseits hat man schon die ganze letzte Saison gesehen, dass der Prince auf und (kolportierter Weise) neben dem Spielfeld seine Pausen brauchte. Und wie hätte das diese Saison mit der anstehenden Dreifachbelastung laufen sollen? Und zum anderen – wo sollte er eigentlich im Lieblingssystem unseres neuen Übungsleiters spielen? Hütter spielt in der Regel 4-2-2-2 mit sehr schnellen Spielern auf der 6 bzw. 8 und ohne echten 10er. Das passt leider nicht wirklich. Dass andererseits der Verlust des ‘Gesichts’ der Pokalsiegermannschaft 2018 extrem weh tut, ist klar. Aber leider – Business.

Apropos Business. Es scheint immer mehr so zu sein, neuer Trainer, neue Mannschaft. Auf und neben dem Feld. Denn wenn man jetzt in den Kader der Eintracht schaut, ist eigentlich nur die Defensive und (mit Abstrichen) der Sturm tauglich. Aber speziell im Mittelfeld klaffen noch ganz ansehnliche Lücken.

Wobei das auf der anderen Seite natürlich auch bedeutet, dass der Trainer seine Vorstellungen frei von Begrenzungen umsetzen kann. Und dass das bei Adi Hütter funktionieren kann, hat man ja bei seiner letzten Station in Bern gesehen, wo er direkt den zweiten Platz belegte.

Das werden spannende Wochen. lassen wir uns überraschen, wen die sportliche Leitung so aus dem Hut zaubert, über kurz oder (hoffentlich nicht zu) lang.

Versprechen

12. April 2018. Seit dem Tag ist nichts mehr wie zuvor im Kosmos der Frankfurter Eintracht und ihrer vielen zehntausend Fans. An diesem Tag wurde bekannt, dass der von den meisten hochgeschätzte Übungsleiter Niko Kovac am selben Morgen einen Anruf aus München bekommen habe und nach kurzer Überlegung natürlich zugesagt habe.

Gestern war dieser Tag genau einen Monat her und die Mannschaft, das Trainerteam, das Team um das Team, der Vorstand und die Fans stehen vor den Trümmern einer Saison, die noch vor einem Monat wie ein großes Versprechen schien. Das Team stand nach dem 1:1 gegen Hoffenheim auf Platz 5, lediglich zwei Punkte hinter dem vierten Leverkusen. Zwischenzeitlich hatte sich die Truppe von Trainer Kovac sogar schon einmal auf einem Champions-League-Platz befunden. Noch dazu hatte man das Pokal-Halbfinale gegen Schalke vor Augen.

Jedoch gab es bereits erste Stimmen, die sagten, Kovac sauge die Mannschaft aus, die Truppe ging in einigen Spielen schon sichtbar auf dem Zahnfleisch. Aber wenn der Trainer, der ja immer sehr auf Werte und solche Dinge abstellte, die Spannung weiter hochhalten würde, wäre ein sicherer Platz an der Tafel Europa schon machbar.

Dann hätte man aber den ganzen Wechsel der Kovacs nach München anders kommunizieren müssen. Denn so ist der Truppe meiner Meinung nach mental das Genick gebrochen worden. Warum soll sich die Mannschaft für einen Trainer zerreißen, der die von ihm so lange propagierten Werte mal eben elegant mit den Füßen getreten hat? Warum zeigen aktuell gerade die Stützen, die bis zu der verhängnisvollen Meldung als die größten Unterstützer von Kovac galten, seitdem unbekannte Schwächen? So wie Boateng und Wolf? Weil Sie nicht mehr wissen, wofür. Und ob sie jetzt 10% mehr oder weniger durch zusätzliche Prämien bekommen, das kann das (mentale) Ruder auch nicht rumreißen.

Und so hat eine schwächelnde Mannschaft, ausgelöst von einem amateurhaft kommunizierenden Trainer, das binnen fast eines Jahres mühevoll aufgebaute Gebäude binnen fünf Wochen fast eingerissen. Wäre die Mannschaft nach der Saison auf Platz fünf oder sechs, die problemlos möglich gewesen wären, eingelaufen, der Trip nach Berlin wäre die Kirsche auf dem Kuchen gewesen. So ist ein Sieg eigentlich nötig, um die Saison noch halbwegs zu retten.

Und um diesen Bayern einen Schlag dahin zu versetzen, wo es richtig wehtut, nachdem sie uns die Saison maßgeblich mit versaut haben. Nicht nur, dass sie durch eine absolut rücksichtslose Kommunikation alle Beteiligten beschissen haben aussehen lassen, nein, dann lässt sich diese Kirmestruppe am letzten Spieltag auch noch 1:4 vom Aufsteiger VfB Stuttgart abschlachten. Ohne wirklich ersichtliche Gegenwehr. Was für ein Willkommensgruß an Kovac.

Aber ein kurzer Blick noch in die Zukunft: Egal, wie dieser 19. Mai in Berlin ausgeht, es wird sehr wichtig sein, zeitnah eine überzeugende Lösung für den Trainerstuhl zu präsentieren, um wieder eine neue Aufbruchsstimmung zu erzeugen. Fredi Bobic, Bruno Hübner, Ihr seid am Zug.