Adler auf Abwegen – eine Reise ins verbotene Land, oder ein Blick über den Tellerrand?

Der selbsternannte, beste Eintracht-Damenmannschaft-Fan von allen, ist nicht nur meine 22-jährige Tochter, sondern sehr gewitzt und stets in der Lage, ihrem Vater etwas aus den Rippen zu leiern.

Schon etwas länger ist ein gemeinsamer Trip nach München geplant – ein durch Corona ständig verschobenes Konzert ihrer Lieblingssängerin findet endlich statt und wir wollten mal wieder ein Tochter/Vater Wochenende erleben.

Nun hat sie während ihrer Spätschicht offenbar genügend lange Pausen, um sich über die wirklich wichtigen Dinge im Leben zu informieren und so erreicht mich plötzlich die Nachricht: „ Gibt noch Karten fürn Campus am Samstag Abend um 19:30 Uhr“

Für alle Unwissenden: Bei dem sog. Campus handelt es sich um die offizielle Spielstätte der Damenmannschaft des 1. FC Bayern München.

BAYERN MÜNCHEN! Ja liebe Leser – Feindesland sollte man meinen. Aber der beste Fan von allen ist halt nicht nur Fan der Eintracht-Damen, sondern des gesamten deutschen Frauenfußballs und wenn sie könnte, würde sie jedes einzelne Spiel besuchen. Sie kennt 95% aller Spielerinnen in der Flyeralarm Bundesliga mit Vornamen und möchte gerne von jeder Spielerin ein Trikot haben.

Mein innerer Widerstand zerbröckelte schon beim Lesen ihrer Textnachricht und nur Sekunden antwortete ich mit „na dann“ + „hau rein“.

Es wird sicher ein interessantes Spiel werden. Die Bayern spielen gegen Freiburg, also genau die Mannschaft, gegen die sich unsere SGE Mädels vergangene Woche sehr schwer getan haben. Als sich selbst der ( sehr parteiische ) Moderator von Magenta TV schon auf ein Unentschieden geeinigt hatte, legte unsere etatmäßige Nummer 10, also Laura Freigang, per Hacke ( sie will nicht sagen, ob Zufall oder nicht 🙂 ) für Lara Prašnikar zum 1:0 für uns auf – dem späteren Endstand.

Es war ein Spiel auf Augenhöhe und daher wird es für mich interessant sein zu sehen, wie sich die Spitzenmannschaft der Liga gegen den widerborstigen Vertreter aus dem Breisgau schlägt.

Die Bayern sind aktueller deutscher Meister und haben nach etlichen eintönigen Jahren die Mannschaft aus Wolfsburg an der Spitze abgelöst. Die Mannschaft ist gespickt mit deutschen, europäischen + internationalen Nationalspielerinnen. Eine derartige Ansammlung findet man sonst nur beim deutschen Serienmeister VFB Wolfsburg – und – tada – man höre und staune – bei Eintracht Frankfurt. Dazu gleich mehr.

So freue ich mich also auf folgende Nationalspielerinnen bei den Bayern: Laura Benkarth ( steht immer dann im Tor der Natio, wenn die #1, also unsere SGE Torfrau Merle Frohms, nicht spielt), Maximiliane Rall, Kristin Demann, Giulia Gwinn, Marina Hegering, Carolin Simon, Linda Dallmann, Sydney Lohmann, Lina Magull, Lea Schüller und Klara Bühl.

Übrigens steht seit dieser Saison auch eine ehemalige Spielerin der Frankfurter im Kader der Bayern Frauen: Saki Kumagai, die von 2011 – 2013 beim 1. FFC Frankfurt unter Vertrag stand und ebenso wie die weltbeste Nummer 10 (O-Ton des besten Fan von allen) Dzsenifer Marozsán, den Weg zum französischen Serienmeister Olympique Lyon ging.

Die Bayern haben also aufgerüstet und die ersten Spiele mit insgesamt 11:0 Toren zeigen, dass der Weg  in Sachen Meisterschaft auch in diesem Jahr nur über sie führen wird. Zumal sich Wolfsburg nach einem großen Umbruch (Spielerinnen und Trainer) erst einmal wieder finden müssen und längst nicht mehr so dominant auftreten, wie in den letzten Jahren.

Bevor ich nun endlich mal wieder zu unseren Mädels komme, muss ich eine Sache kurz ansprechen, die mich immer wieder ärgert: 

Die Damen der Bayern laufen im gleichen Trikot auf wie ihre Kollegen der Herrenmannschaft. Was aber die 5 Sterne auf der Brust bei den Damen zu suchen haben, frage sicherlich nicht nur ich mich. Im Vergleich dazu:

Das Frauentrikot der Wolfsburgerinnen zieren 2 Sterne, der 1. FFC Turbine Potsdam trägt einen Stern und selbstverständlich sind auch die 2 Sterne ( aus der Zeit des 1. FFC ) auf dem Trikot der Eintracht-Damen wohlverdient. Gut – hab ich das auch mal angesprochen.

Der DFB hat in der vergangenen Woche den Kader für die bevorstehenden WM-Qualifikationsspiele am 18. und 21. September bekanntgegeben. Gleich vier unserer Damen werden sich diese Woche auf die Reise zur Nationalmannschaft machen. Dies sind Merle Frohms – Tor, Sophia Kleinherne – Abwehr, Sjoeke Nüsken – Abwehr ( bisher 1 Tor in der Natio ) undLaura Freigang – Mittelfeld / Sturm ( bisher 7 Tore in der Natio). Nicole Anyomi ist leider immer noch verletzt, sonst wäre sie sicher auch noch im Kader mit dabei. Gespielt hat sie ja schon mehrfach im Nationaltrikot.

Das sind aber längst noch nicht alle Nationalspielerinnen, die sich bei unserer Eintracht tummeln. Wir haben einen großen „Ösi“-Block mit Virginia Kirchberger, Verena Hanshaw (vormals Aschauer), Laura Feiersinger und Barbara Dunst. Lara Prašnikar läuft für Slowenien auf und Alexandra Johannsdottir für die isländische Nationalmannschaft. Während Sandrine Mauron auf Abruf für die schweizer Nati steht, muss Géraldine Reuteler leider noch verletzt passen. 

Selbst aus der Regionalmannschaft der Eintracht Damen werden 2 Frauen für die  kosovarische Mannschaft und für den Fußballverband von Bosnien und Herzegowina nominiert.

Ganz sicher ( der beste Fan der Welt wird meckern), habe ich noch die ein oder andere der Mädels vergessen. Ich habe mich mal auf die aktuellen Nominierungen beschränkt.

In diesem Zusammenhang ärgere ich mich immer noch darüber, dass die Eintracht Webseite in ihrer Übersicht folgendes Bild anzeigt: „Profis“ und darunter dann „Frauen“. Erst mit einem Klick auf „Frauen“ eröffnet sich dann ein weiteres Auswahlfeld „Frauen Profis“. Da ich selbst Webseiten programmiere weiß ich, wie einfach man das ändern könnte – und vor allem – aus Respekt dem Frauenfußball gegenüber auch müsste.

Nach dem Gemecker kommen wir mal zum heutigen Spieltag: Das Bayern Campus Gelände ist schon recht imposant, trainiert der FC doch schon seit Jahren seine Junioren an der Ingolstädter Landstraße. Vorbildliche 3 G Kontrolle VOR der eigentlichen Einlasskontrolle, freundliche Menschen, so soll es sein.

Das Stadion bekommt von mir 4 von 5 möglichen Sternen. Eine Stadionbratwurst suche ich leider vergebens – der beste Fan von allen kommt mit einer armseligen Brühwurst zurück, die vermutlich das Licht der Welt in einer von Ulis Wurstfabriken erblickt hat. Gut gemeinte 1 Sterne-Bewertung. Die Preise sind auf ähnlichem Niveau wie in den mir bekannten Stadien.

Um die Szenerie aufzuhübschen, verteilen Mitarbeiter Fähnchen und Schals (die im Shop immerhin mal für knapp 18 Euro verkauft wurden). Verschämt packe ich das Präsent unter meinen Klappsitz. In dem rot/weißen Fahnen/Schal-Meer, gehen die zwei Handvoll Freiburg Fans optisch unter, zumal sie mit rot/schwarz ja ähnlich gewandet sind.

Die Bayern laufen in Starbesetzung auf, wobei Klara Bühl kurzfristig + verletzt ausfällt. Macht aber nix, denn die Ersatzbank quillt über vor top Ersatzspielerinnen.

Freiburg läuft ähnlich auf wie bei dem Spiel gegen uns und direkt nach dem Anpfiff wird klar, dass sie es auch ähnlich angehen wollen. Ob der 11:0 Tore der Bayern Frauen hätte man ja durchaus erwarten können, dass sich Freiburg komplett auf Abwehr + gelegentliche Konterversuche ihrer Sturmspitze Hasret Kayikçi einstellt. Nein, die Aufstellung ist durchaus offensiv aufgestellt. Gewundert hat mich, dass Freiburg die junge Cora Zicai nicht in die Startelf gestellt hat – die junge Dame hat (spät eingewechselt) unsere Abwehr letzte Woche ein ums andere mal alt aussehen lassen.

Aber so schön wie Pläne sind, bei den Bayern-Frauen wird man in dieser Saison schnell auf den Boden der Realität zurückgeholt. Schon in der 3. Spielminute trifft Lina Magull mit einem fulminanten Weitschuss zum 1:0 in den rechten Winkel. 

Die Bayern pressen, die Damen rennen, sie schnüren Freiburg in der eigenen Hälfte immer wieder ein. Erst nach dem 2:0 durch Schüller in der 17. Minute stellen die Freiburger um – das offensive Trio wird aufgelöst und nur noch die Kapitänin Hasret treibt sich am Mittelkreis herum. Der Rest versucht zu verteidigen, was gegen die unglaubliche Wucht der Angreiferinnen der Bayern eine echt undankbare Aufgabe ist. 

Ich bin ehrlich. Wenn ich die kraftstrotzende Lina Magull (Kapitänin) sehe, wie sie ihre pfeilschnellen Mitspielerinnen Linda Dallmann, Lineth Beerensteyn oder Lea Schüller antreibt, mit supergenauen Pässen füttert…. Da kann einem Angst und Bange werden.

Die Präzision auf dem Platz ist wirklich überwältigend. So etwas habe ich im Frauenfußball erst einmal gesehen. Als Wolfsburg Zuhause in der Champions League auf Lyon getroffen ist. Wolfsburg, in der deutschen Liga damals uneinholbar an der Spitze der Tabelle, wurde von den Damen aus Lyon regelrecht auseinander genommen.

So war es auch heute Abend. Wie eine Mit-Twitterin so treffend schrieb: Freiburg kann froh sein, dass es „nur“ 2:0 steht.

Das Abwehrbollwerk hat immerhin bis zur 66 Minute gehalten. Aus einem Gewühl vor dem Tor der Freiburger schob Viggósdóttir zum 3:0 ein. Kurz darauf wurde die langzeitverletzte Giulia Gwinn eingewechselt, hier sind wir sehr gespannt, ob sie zu alter Stärke zurückfindet. Sie war ja auch bis zu ihrer Verletzung Stammspielerin in der Nationalmannschaft.

Kurz vor Schluss hatte die Freiburger Torfrau noch einen Aussetzer, bedingt durch das permanente Pressing der Bayern. In höchster Not schob sie der anlaufenden Lea Schüller den Ball direkt vor die Füße, die den Ball nur noch ins Tor abprallen lassen musste.

So stehen die Freiburgerinnen nach 3 Spieltagen wieder mit leeren Händen da und belegen mit 0 Punkten den vorletzten Tabellenplatz.

Das Fazit dieses Abends: Der direkte Vergleich der beiden Spiele – also Freiburg gegen Eintracht Frankfurt und Bayern gegen Freiburg – zeigt deutlich, wie unterschiedlich beide Mannschaften Freiburg bespielt haben.

Auch unsere Mädels haben Pressing „probiert“ – so will ich das mal nennen. Aber längst nicht in der Konsequenz und der Güte, wie ich das bei den Bayern Damen bewundern musste.

Wie ich schon am ersten Spieltag vermutet habe: Bayern spielt nun auch bei den Frauen in einer eigenen Liga. Es ist nicht nur die pure Ansammlung von hochkarätigen, erfahrenen Spielerinnen, sie setzten das auch in einer Perfektion um, die ich lange nicht gesehen habe. Kaum Fehlpässe, kurze und schnelle Anspielstationen – und geht mal ein Ball verloren, wird er der Gegnerin möglichst sofort wieder abgeluchst.

Natürlich hoffe ich, dass unser Trainer Nico irgendein Rezept in der Tasche hat, damit wir bei der nächsten Begegnung wenigstens ein Pünktchen mit nach Hause nehmen können. Realistisch? 

Mut gemacht hat natürlich unser eigenes Spiel an diesem Tag gegen die Damen aus Köln. Eine schöne Zusammenfassung davon findet Ihr auf Eintracht TV. 3 Spiele, drei Siege zu Saisonstart, das haben wir im letzten Jahr nicht hinbekommen. Nach wie vor fehlen 2 etatmäßige Angreiferinnen. Ich habe die Hoffnung, dass zumindest Nicole Anyomi nach der Länderspielpause wieder an den Spielbetrieb herangeführt wird. Geraldine Reuteler erwarte ich in der ersten Hälfte der Saison nicht mehr.

Jetzt stehen für einige unserer Mädels erst einmal die Spiele ihrer jeweiligen Nationalmannschaften an, danach das Pokalspiel gegen Nürnberg. Gegen die heute schwachen Hoffenheimerinnen treten wir beim nächsten Ligaspiel an, die gegen unsere übernächsten Ligagegner aus Essen über ein 0:0 nicht hinauskamen. 

Und dann – am 17.10.2021 melde ich mich dann hoffentlich auch wieder aus dem Brentanobad. Dann, wenn die Bayern-Damen bei uns zu Gast sind.

Der beste Fan von allen, fragte mich übrigens nach dem Spiel, was ich denn mit dem geschenkten Bayernschal anstellen würde…. Ach weißt Du mein Kind, die Tür zur Speisekammer hat unten so einen großen Spalt, da zieht es im Winter immer unten durch… 🙂

2 Kommentare

  1. Schön, etwas über die Frauenmannschaft zu lesen. Aufgrund der aktuellen Flaute an möglichen Auswärtsspielen hier im Pott und Umgebung werde ich mich am 10. Oktober hier in Essen auch auf den Weg machen und unseren Frauen bei der SGS zuschauen. Freue mich drauf!

  2. Ich muss ja zu meiner Schande gestehen, Frauenfußball ist mangels Interesse meinerseits ein blinder Fleck. Interessierte mich halt bisher wirklich nicht. Aber deine Artikel gefallen mir. Vielleicht sollte ich mir doch mal ein Spiel im Stadion… 😉

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