Ein wildes Spiel da gestern Nachmittag in München-Fröttmanning. Ein Spiel, das Erkenntnisse liefert. Nach 16 Minuten habe ich, zugegebenermaßen, mit Schlimmem gerechnet. Die Bayern zu diesem Zeitpunkt turmhoch überlegen und gerade, begünstigt durch unseren Keeper, in Führung gegangen. Wir bis zu diesem Zeitpunkt ohne jegliche Entlastung nach vorne. Die beiden Fragen, die ich mir zu diesem Zeitpunkt stellte: 1. Wann nutzen die Bayern diese Überlegenheit gnadenloser und das Debakel nimmt seinen Lauf? 2. Ab welchem Spielstand schalte ich den Fernseher aus, weil ich “Yabba-Dabba-Doo!” nicht mehr hören kann?
Die erste Hälfte setzt sich genauso fort. Bereits in der 20. Minute vollendet Kane eine, offenbar einstudierte, Eckenvariante zum 2:0. Spätestens ab hier befürchte ich das Allerschlimmste. Überraschenderweise geht es aber mit “nur” diesem 2:0 in die Pause. Unser einziger Auftritt vor dem Tor datiert aus Minute 39. Ein harmloser Roller von Bahoya.
Der zweite Durchgang beginnt mit einem Lebenszeichen. Doan flankt auf den erneut als Stürmer aufgebotenen Dahoud, dessen Kopfball knapp am Tor vorbeistreicht. Danach alles wie gehabt. Bis zu jener 60. Minute, in welcher der Trainer einen Dreifachwechsel vornimmt. Götze, Kalimuendo und Burkardt kommen für Doan, Jupp und Dahoud.
Ab diesem Zeitpunkt nimmt das Spiel einen bemerkenswerten Verlauf. Nur zwei Minuten später hebt Burkardt eine Vorlage von Götze, etwas unglücklich, an den Pfosten. Da steht plötzlich eine mutige Mannschaft auf dem Platz, die versucht nach vorne zu spielen.
Meine Euphorie dauert genau sechs Minuten. In der 68. Minute tut Harry Kane wieder Harry-Kane-Dinge, indem er mit einem Schlenzer auf 3:0 erhöht. “Okay. Messe gelesen.” denke ich und ärgere mich über meine naive Zuversicht. Beim Stand von 3:0, in München, spricht nun natürlich so gar nichts mehr für die Unsrigen.
Die Mannschaft zeigt sich allerdings recht unbeeindruckt von diesem Nackenschlag und spielt weiter nach vorne. Belohnt wird sie mit einem Elfmeter, weil Kane, bei einem Klärungsversuch, Höjlund, recht plump, abräumt. Burkardt verwandelt sicher und trifft so doch noch bei seinem Comeback.
In Minute 86 schieben sich die Bayern den Ball vor dem eigenen Tor hin und her. Bedrängt von der weiterhin offensiv anlaufenden Eintracht. Kimmich hält es für eine gute Idee den Ball quer durch den Strafraum zu Kim zu spielen. Der während seines gesamten Auftritts sehr präsente Kalimuendo spritzt dazwischen und versenkt den Ball im Tor. Beschreibe diese Szene so detailliert, weil sie exemplarisch für die Mentalität steht, die die Mannschaft an den Tag gelegt hat. Am Ende reicht es leider nur noch zu einer weiteren Chance durch Götze, wodurch es beim 2:3 bleibt.
Meine, ganz persönlichen, Erkenntnisse aus diesem Spiel:
1. Skhiri als Innenverteidiger aufzubieten ist eine sinnvolle Idee. Kommt seiner Spielweise zu pass, wenn er das Spiel vor sich hat. Agierte als eine Art Libero.
2. Der Trainer hat sich etwas dabei gedacht die drei Offensiven zunächst auf der Bank zu lassen und den Bayern erstmal das Spiel zu überlassen, um dann mit dem Wechsel für eine ganz andere offensive Präsenz zu sorgen. Zumal wohl weder Burkardt noch Kalimuendo über 90 Minuten hätten gehen können.
3. Diese Offensive hat, wenn alle fit sind, sicherlich gehobenes Bundesliganiveau. Nicht zu vergessen, dass Uzun und Ebnoutalib noch fehlen.
4. Es gelingt dem Trainer offenbar der Mannschaft die richtige Mentalität zu vermitteln. Man darf, auch bei der Bewertung der ersten Halbzeit, nicht vergessen, dass eine halbe Mannschaft potenzieller Stammspieler gefehlt hat
5. Mo Dahoud als “falsche Neun” ist dauerhaft keine Option.
Im Nachhinein bin ich jedenfalls froh, dass ich nicht abgeschaltet habe. Trotz der Niederlage. Verlieren ist immer doof und man hatte natürlich auch Glück, dass die Bayern, vor allem in der ersten Halbzeit, nicht konsequenter waren und es hiernach nur 2:0 stand. Insgesamt überwiegt aber das Positive. Der Auftritt bei den Bayern macht mich zuversichtlich.
Titelbild: Leonhard Simon (Getty Images)
Unser Trainer hat es genau richtig gemacht mit seiner Einwechselung in der 60. Minute! Damit haben wir die Bayernspieler etwas verwirrt! Aber das hat funkioniert und wir haben 2 Tore geschossen. Leider kein 3. Tor! Schade. Trotzdem alles gut.
Reinhard Groß[Zitat] [Antwort]