Gestern Nachmittag gegen 16:30 Uhr ploppte plötzlich die Meldung auf, die Entscheidung über den Trainer Albert Riera und seinen Verbleib bei Eintracht Frankfurt sei gefallen. Im ersten Moment dachte man, sehr schön, nun herrscht Klarheit in die eine oder die andere Richtung.
Pustekuchen. Albert Riera bekommt noch ein Endspiel gegen den BVB, und danach wird entschieden, ob er gegen den VfB Stuttgart zum Saisonabschluss noch auf der Bank sitzt. Also nix mit Klarheit, der Eiertanz geht weiter. Ergänzend wurde noch kolportiert, dass sich das Team um Kapitän Robin Koch mit diesem Verfahren einverstanden erklärt habe. Zur neuen Saison käme dann ein neuer Trainer, derzeit sind angeblich Adi Hütter und Roger Schmidt in der Verlosung. Also Namen, die jeder Nutzer der Daten von transfermarkt.de sofort parat haben dürfte.
Für mich schlägt diese Entscheidung dem Fass die Krone mitten ins Gesicht und ist in meinen Augen die Fortsetzung einer seit mindestens einem halben Jahr andauernden Führungsschwäche, die weit über die Trainerposition hinaus und in den Vorstand hineingeht. Denn zum wiederholten Male gab es Ankündigungen, denen dann keine Konsequenzen folgten und zum wiederholten Male wird der Übungsleiter im Regen stehen gelassen.
Die fehlende Konsequenz sahen wir bereits in Vollendung, als Krösche aus den letzten beiden Spielen vor der Weihnachtspause sechs Punkte forderte und Toppmöller trotz des Verfehlens des Ziels bleiben durfte. Zur Erinnerung – am letzten Spieltag nach dem Spiel gegen Augsburg sagte Krösche, das Spiel gegen den HSV sei ein Pflichtsieg. Ergebnis bekannt. Konsequenzen? Keine.
Für mich ist das Ausdruck einer gnadenlosen Führungsschwäche, denn entweder ich kündige etwas nicht an oder ich muss es exekutieren. Das fügt sich aber leider nahtlos in das Bild der sportlichen Leitung in der Saison 2025/26 ein.
- Der Kader ist definitiv unrund zusammengestellt, nach wie vor fehlt ein guter zentral-defensiver Mittelfeldspieler.
- Die Vorbereitung wirkte von Anfang an eher weichgespült, man hatte nie das Gefühl, dass der Mannschaft und dem Trainerteam die Größe der Aufgabe dieser Saison bewusst war.
- Wohl intern wie auch teilweise extern geäußerte Kritik beider bisher verantwortlicher Übungsleiter an medizinischer und athletischer Abteilung verhallte ohne sichtbare Konsequenzen.
- Dino Toppmöller wurde zum falschest möglichen Zeitpunkt gefeuert ohne einen Plan B in der Tasche zu haben, die Interimslösung mit Schmitt und Meier wirkte noch dazu so, als sei den beiden gesagt worden, nur nichts zu ändern.
- Dann holt man in dieser schwierigen Phase einen Trainer, dessen toxisches kommunikatives Verhalten nachweislich bekannt war und hofft, dass der es intern besser hinbekommt.
- Diesem Trainer gibt man dann noch ein Endspiel, obwohl jetzt schon jedem klar sein muss, dass diese Konstellation nicht funktioniert. Intern hat man wohl keinen, dem man es zutraut und extern hat man wohl keinen gefunden. Was macht man eigentlich, wenn Riera nach dem BVB-Spiel dann doch gehen soll? Macht es dann der Sportvorstand?
- Schließlich und endlich macht man – dieser Eindruck beschleicht mich zumindest, wenn ich die Aussagen zum Verbleib von Albert Riera lese – das Schicksal des Trainers von der Mannschaft abhängig, also von dem gleichen Team, dass am vergangenen Samstag – sehr vorsichtig formuliert – keinerlei Argumente für den Trainer und für sich selbst als Team auf den Rasen gebracht hat.
Auf mich wirkt das alles nur noch beängstigend und ich habe derzeit keine Ahnung, ob und wie Team, Trainer und sportliche Leitung noch die Kurve kriegen um mit zwei dunkelblauen Augen aus dieser Katastrophensaison zu kommen.
Titelbild: Alex Grimm/Getty Images
Auf den Punkt Uli, es macht sich Ratlosigkeit breit, der Erfolg frisst seine Kinder wie mir scheint.
Nach diesem Husarenstück stehen wir vor einem zukunftsweisenden Sommer, bei dem jeder Stein umgedreht werden muss. Frage sich nur, wer dreht und welche Steine…
Invinoveritas[Zitat] [Antwort]
Hervorragend zusammengefasst das Dilemma. Hoffen wir mal, dass auf die zurück liegenden 10 erfolgreichen Jahre nicht ganz soviele negative Folgen mögen.
JG555Pflichtspiele[Zitat] [Antwort]