United Colors of Bembeltown.

Dieser Claim ist mir dieser Tage wieder in den Kopf gekommen. Das kam, als ich den Artikel von Peppi Schmitt gelesen habe, der wieder in mehreren Blättern verbreitet wurde. Hier der Link zur FNP, bei der ich auch die Überschrift am zugespitztesten fand: Timothy Chandler kann als einziger deutscher Spieler auf einen Stammplatz hoffen.

Ich muss ganz ehrlich sagen, ich kann es wirklich nicht mehr hören bzw. lesen. Diese Aussagen, wie der Verein verliere seine Identität, wenn eine überwiegende Anzahl der Spieler nicht aus Deutschland komme. Diese Aussagen, es würden Identifikationsfiguren abgegeben und gegen Beliebigkeit eingetauscht. Diese Aussagen, das Multi-Kulti-Team stehe lediglich für Beliebigkeit.

Abgesehen davon, dass der Begriff Multi-Kulti in dieser Diskussion vollkommen gegenläufig zu seiner eigentlichen Bedeutung gebraucht wird, nämlich als negatives Attribut für eine internationalere Auswahl, während seine ursprüngliche Bedeutung doch war, die besten Dinge aus verschiedenen Kulturen in die Kultur des (deutschen) Gastlandes einfließen zulassen, geht das glaube ich dezent am Thema vorbei. Denn worauf kommt es denn an, wenn man von der ‘Kultur’ eines Vereins, einer Mannschaft spricht? Es kommt darauf an, dem Team einen gemeinsamen Spirit einzuhauchen, gemeinsame Ziele zu definieren und diese dann gemeinsam anzustreben. Wie bereits in der letzten Saison. In der es gar nicht so schlecht geklappt hat. Die meiste Zeit.

Natürlich sind in den letzten Jahren einige Spieler gegangen, die über lange Zeit das Gesicht der Mannschaft geprägt haben; und es sind auch Spieler in den Hintergrund getreten, die früher in vorderster Front ihre Leitungen für den Verein gebracht haben. Aber ist das nicht ein ganz normaler Prozess? Bastian Oczipka geht und wird (wahrscheinlich) durch den Niederländer Jetro Willems ersetzt. Kevin Trapp geht und wird durch den Finnen Lukas Hradecky ersetzt. Ganz nebenbei, Hradecky wird jetzt schon von denen, die gegen die Multi-Kulti-Truppe argumentieren, das Label Identifikationsfigur umgehängt. Nach zwei Jahren. Diese Wechsel gab es schon immer und wird es immer geben, warum werden sie auf einmal beklagt?

Wenn man den Kader ansieht, fehlt noch ein gestandener Innenverteidiger und eventuell ein Außenspieler in vorderster Front. Daneben gibt es sicher einige, die gewogen und für (noch) zu leicht befunden wurden. Also wird es sicherlich bis zum 31. August noch den einen oder anderen Transfer geben.

Und am Ende wird ein Team stehen, dass alles für die Eintracht aus Frankfurt geben wird. So wie auch letztes Jahr. Und wenn dann die Hinrunde ähnlich gut und die Rückrunde ein bisschen besser liefe…

Ach na ja, zum Träumen ist es noch zu früh.

7 Gedanken zu „United Colors of Bembeltown.

  1. 1

    Die Presselandschaft in Bembeltown ist zur Zeit wirklich schwer zu ertragen. Durstewitz fragte in der FR vor ein paar Tagen “Für was steht eigentlich die Eintracht”. So eine typische Phrasen-Frage auf die es keine positive Antwort gibt, sondern mit der suggeriert werden soll, dass irgendeine Art von Konzept oder Identifikation fehlt.
    Ein paar Tage später dann zitiert er Bobic
    <>.
    Man sollte weiter fragen – welche Antwort hat DUR denn erwartet?

  2. 2

    Das Bobic Zitat: “Die Frage, wofür die Eintracht stehe, findet Bobic etwas merkwürdig: Wir stehen für Bundesliga-Fußball”

  3. 3

    Nach wie vor wartet meiner Meinung nach die fast gesamte Presse auf einen kleinstmöglichen Fehler um dann ordentlich draufzuhauen. Das ist wirklich furchtbar dieser Tage.

    Wie ich schon sagte: die kommen nicht klar, abgekoppelt(er) als früher zu sein.

  4. 4

    Ja wofür stand die Eintracht nicht schon alles?

    Für attraktiven Offensivfußball zum Beispiel. Aber auch für wenig Kontinuität und Seriosität. Sie stand für Misswirtschaft. Sie stand für Tradition und tolle Atmosphäre aber auch für Randale. Sie stand für Geldnot und Demut für eingekehrte Bodenstandigkeit und Abitionslosigkeit und irgendwie auch für Herrenclubfeeling.

    Jetzt steht sie halt für Vielfalt. Damit kann ich sehr gut leben.

  5. 7

    Mir geht das Gesabbel über zu viele Ausländer, Kulturen, verlorengegangene bzw. -gehende Identität und ähnliche Kommentare ziemlich auf den Keks. Egal von wem sie kommen. Presse oder Fans.

    Jahrelang wurde sich über Stillstand beschwert. Nun weht halt ein neuer Wind. Hätten wir Heribert durch Heribert ersetzen sollen?
    Ich war auch kritisch gegenüber Bobic. Nur konnte ich erstens auch keinen anderen aus dem Hut zaubern und zweitens ist mir auch kein anderer eingefallen, welchen ich als “der is besser als de Bobic” in den Ring werfen konnte.
    Und meiner Meinung nach, hat Bobic und Konsorten dies in der letzten Saison gar nicht mal so schlecht gemacht. Zumindest unter der Kürze der Zeit (durch die Relegation) sowie das in ein einziges Sparschweinchen passende Geld, welches für Transfers zur Verfügung stand.

    Die Verpflichtung von Leihspielern war hier geradezu nötig, um eine Mannschaft zu bekommen.

    Und – um hier schon die Brücke für die kommende Saison zu schlagen – auch dieses Jahr Leihspieler. Aber nun halt alle mit Kaufoption. Oder fast alle? Ich bin mir nicht hundertprozentig sicher… 🙂
    Also meiner Meinung nach wieder ein Schritt in die richtige Richtung.
    Auch die getätigten Transfers finde ich sehr ansprechend. Natürlich haben wir noch kein “richtiges” Spiel gesehen. Aber ich denke und hoffe, dass wir diesmal den Begriff “Wundertüten”, welcher in der letzten Saison so gerne genommen worden ist, diesmal in der Schublade lassen können.

    Zitat vom Autor Uli Stein
    “Ganz nebenbei, Hradecky wird jetzt schon von denen, die gegen die Multi-Kulti-Truppe argumentieren, das Label Identifikationsfigur umgehängt. Nach zwei Jahren.”

    Bravo! Gut erkannt und schön geschrieben.
    Und viele, viele Eintracht-Stars, Ikonen oder Spieler, welche einem gleich in Sinn kommen, waren “Exoten”. Ob’s ein Sztani, Tscha oder Yeboah war, um nur einen Bruchteil derer zu nennen.
    Und diese Jungs haben ganz bestimmt nicht unsere Identität geklaut oder auch nur verwässert.

    Ich bin auf jeden Fall sehr gespannt auf die neue Saison und jeder Bub, der unser Trikot trägt wird angefeuert.

    Egal ob Hesse, Holländer, Franzos’, Mexikaner oder gar Marsianer…

    Schönes Wochenende allen zusammen!

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