Was Ihr wollt.

Aufbruch, Neubeginn, Identifikationsfiguren, Internationalisierung, lokale Spieler, Multi-Kulti-Truppe, Staff, Tradition versus Moderne, usw., usf…

Das ist nur eine Auswahl der Stichworte, die ich in den Diskussionen der letzten Wochen, eigentlich beginnend mit dem leider verlorenen Pokalfinale, aufgeschnappt und teilweise auch kommentiert habe. Und wenn man das oben stehende so liest, wirkt es wie die Zeichen eines Konflikts, eines Konflikts zwischen denen, denen die durch den neuen Sportvorstand angeregten Veränderungen zu weit gehen und denen, die sagen, ohne diese Veränderungen hätte der Weg der Eintracht über kurz oder lang, jedoch wahrscheinlich eher über kurz, zwangsläufig nach unten geführt.

Und ich oute mich. Ich bin ganz klar bei der zweiten Fraktion. Wenn man den Weg, den Heribert Bruchhagen und seine damaligen Mitstreiter zur Konsolidierung erfolgreich eingeschlagen hatten, weitergegangen wäre, hätte das meiner Meinung nach in sehr kurzer Zeit in Liga Zwo geendet.

Sicherlich kann man trefflich streiten. Kann sich gern darüber auseinander setzen, ob die Veränderungen in dieser Radikalität notwendig waren, ob man nun zum zweiten Mal hintereinander mindestens zehn Spieler austauschen musste, aber ich bleibe dabei: Grundsätzlich ist der jetzt eingeschlagene Weg alternativlos. Dass dabei nicht immer alles harmonisch abläuft, Stichwort Alex Meier, ist meiner Meinung nach leider nicht vermeidbar. Wenn ich Alex Meier wäre, seit vielen Jahren erfolgreich in einer Führungsposition tätig, und plötzlich käme ein neuer Chef, der meint, man muss vieles ändern, wäre ich auch nicht begeistert. Man kann sicherlich über manche seiner Aktionen und Kommentare streiten, ich denke aber auch hier, man sollte nicht alles so auf die Goldwaage legen.

Und wenn ich mir auf der anderen Seite die bei Youtube verfügbaren Videos von dem Vortrag ansehe, den Fredi Bobic im Rahmen einer Veranstaltung bei der Commerzbank gehalten hat, muss ich sagen ich bin wirklich hoffnungsvoll. Hoffnungsvoll dahin gehend, dass hier jemand neu im Vorstand ist, der Visionen hat. Der Ideen hat, wie man sich mit den beschränkten Mitteln von Eintracht Frankfurt auf den Weg zu neuen Ufern machen kann.

Wobei in meinen Augen die neuen Ufer nur heißen können, die Eintracht im oberen Mittelfeld der ersten Bundesliga zu etablieren, mit ab und an möglichen Ausschlägen nach oben, sei es Pokalfinale oder ein europäischer Wettbewerb. Selbstverständlich kann es auch bedeuten, neue Finanzquellen zu erschließen, wie es gerade der VfB Stuttgart vormacht. Bei denen hat mich allerdings die unfassbar offensive Kommunikation nach dem Motto wir wollen die dritte Kraft in der Liga werden, eher skeptisch gemacht. Abwarten.

Und das möchte ich auch den Traditionalisten an die Hand geben. Warten wir doch einfach mal ab und bleiben wir fair und offen. Als Bobic letztes Jahr bei der SGE angefangen hat, waren wir gerade dem Abstieg von der Schippe gehüpft und es musste nahezu ohne Geld ein neuer bzw. massiv überarbeiteter Kader auf die Beine gestellt werden. Und wenn man mir vor dem ersten Spieltag der letzten Saison gesagt hätte, wir werden nie etwas mit dem Abstieg zu tun haben, wäre ich schon zufrieden gewesen. Und dann noch der Trip nach Berlin, das war doch die Kirsche auf der Torte. Die gerade akute Transferperiode und Saisonvorbereitung ist für mich die erste echte Nagelprobe. Was bringen all die neuen Mitarbeiter, Kontakte usw. für die Zusammenstellung eines schlagkräftigen Kaders? Wir werden sehen. ich muss sagen, bisher bin ich verhalten optimistisch.

Und noch eine Bemerkung zum Schluss: wie die sportliche Leitung den Abgang von Oczipka einerseits moderiert und andererseits kompensiert hat, das finde ich wirklich professionell. Das könnte wieder eine spannende Saison werden. Oder?

7 Gedanken zu „Was Ihr wollt.

  1. 1

    Schöner Beitrag. Die Arbeit unserer Verantwortlichen macht einen guten Eindruck, auch wenn natürlich nicht jeder Schuss sitzt. Das ist normal.
    Nervig finde ich die teils unfaire Kritik, die grundsätzlich negative Perspektive, die gerade von einigen (hier nicht genannten) Pressevertretern massiv geschürt wird.
    Wir sind weder besonders “Multi-Kulti” im Vergleich zur Konkurrenz, noch haben wir weniger “Identifikationsspieler”, was immer das überhaupt ist.
    Ja, man hat es gewagt, alternde Fußballgötter nach ihrer tatsächlichen Leistung zu bewerten. Oder man hat “neumodischen Firlefanz” wie Videoanalysen eingeführt, die man jahrelang nicht zu benötigen glaubte.
    Und nebenbei hat man einige Kanäle zur Presse veröden lassen, sodass nicht jeder Transfer wochenlang vorher in der Zeitung stand. Einige dieser Pressevertreter scheinen dies persönlich übel zu nehmen.
    Versucht man unvoreingenommen auf die Arbeit der SGE-Führung zu schauen, kann man nur den Hut ziehen. Der Kader wurde erheblich verstärkt, und um die Mannschaft herum haben professionelle Methoden Einzug gehalten. Ich persönlich bin auf die weitere Entwicklung sehr gespannt.

  2. 3

    Toller Beitrag,
    beschreibt meine Auffassung der aktuellen Lage fast zu 100%
    Zum Thema Identifikationsfiguren muss man auch einfach sagen dass es sowas im Modernen Fußball fast gar nicht mehr gibt.
    Gibt es da eine Definition dazu ? Sowas ist doch für jeden Unterschiedlich, kann ich mich mit einem AMFG als Vorbild Identifizierenen ? Für mich Persönlich nein…Das liegt an vielen Faktoren und zum Teil auch daran dass man immer Älter wird.
    Schlimmer finde ich was man immer häufiger auf allen Onlineplatformen beobachtet…Diese “hetze” gegen unsere Verantwortlichen wir würden uns nicht um Deutsche Spieler kümmern. Wir scouten nicht in Liga 2 und 3…und somit unsere Identifikation noch weiter verlieren.
    Mir ist das völlig wurscht wo ein Spieler herkommt. Ob gebohren im Apfelweinexpress auf der Theke oder in Spanien. Die Leistung muss stimmen und nicht der Pass.

    Zudem sehe ich gerade mit der “re-integration” des Riederwalds deutliche Verbesserungen in der Zukunft.

    Wir werden sehen. Ich halte den Momentanen Umbruch auch für richtig und bin froh das wir das so anpacken. Lieber 180° Wende als so ein langsamer Prozess.

  3. 4

    Ich verstehe es auch nicht so ganz was die Leute momentan gegen die sportliche Leitung haben. Für diese Sasion 17/18 wurden Mandela, Cetin, Knothe, und Dadashov mit einem Profi Vetrag ausgestattet. Letzte Saison 16/17 waren es Bätge, Zorba und Barkok. Weiterhin hat man aus der 2ten Liga Wolf und Besuschkow geholt (wenn auch Wolf nur geliehen) Blum kam von Nürnberg.

    Die Saison davor 15/16 ein Jugendspieler (Bunjaki) der einen Vertrag bekommen hat und niemand aus den unteren liegen und in der Sasion 14/15 waren es Zumak und Grezghier aus der Jugend und Chandler und Hasebe von Nürnberg.

    Bobic ist seit 01.06.2016 im Amt und Kovac kam im März 2016. Ich denke man kann sehen, dass man mehr in die Bereiche Jungendfußball und auch nationales Scouting investiert hat.

  4. 7

    Die Wahrheit liegt auf dem Platz – aber die Weichen scheinen tatsächlich sehr gut gestellt.
    Zumindest gefühlt hatte es doch schon in den 90ern eine sehr ähnliche Fluktuation, oder?

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