Von gegenseitigem Respekt

Dieser Tage komme auch ich nicht umher, mir die Jungs vom Handball anzuschauen. In manchen Regionen ist Handball ganz ordentlich ausgeprägt, in manchen weniger – ich selbst wohne quasi kurz und knapp jenseits der Handballgrenze, wenige Meter nach (Nord-)Westen ist es ordentlich handballlastig. Meine Holde selbst hat früher, sellemols, damals, auch Handball gespielt, da gehören große Turniere oder auch mal nette Spiele der höheren Ligen zur Tagesordnung hier im Hause.

Von Beginn an fiel mir auch bei dieser aktuellen Handball-WM in Deutschland & Dänemark auf, dass die Spieler, Trainer, alle, mit einem großen Respekt miteinander umgehen. Vor dem Spiel, auf dem Platz, danach. Irgendwie, man möge mir verzeihen, wirkte das – erneut – schon manchmal ein bisschen unwirklich, fast schon anormal, auf mich. Obwohl es normal sein sollte. Und ich mir das auch von Fußballstadien, Fußballern und der dortigen Umgebung wünsche. Es ist, das wissen wir alle, nicht immer so. Grüppchenbildungen, Meinungsexklusivitäten, vieles mehr, auf und um den Platz.

Die Jungs und Mädels von Collinas Erben haben das dann dieser Tage auch einmal kurz auf Twitter aufgeworfen, in ihrer Rolle als Schiedsrichtererklärer vom Fach eben mit Blick auf den Platz und zu Spielern und Schiedsrichtern:

Wahre Worte lassen sie da, die Erben Collinas, finde ich – und das nicht erst seit gestern.

Meine Meinung dazu ist einfach: Respekt beginnt ganz vorne, ihr wisst bereits, was ich hier gebetsmühlenartig immer wieder loslasse. Ich wünsche mir Konsequenz von Fußballschiedsrichtern. Von Anpfiff bis Abpfiff. Eine gelbe Karte ist nach 3 Sekunden genauso eine gelbe Karte wie 3 Sekunden vor Abpfiff am Ende der Nachspielzeit. Und nicht “gelb so früh im Spiel, das muss nicht sein!” – doch, muss es.

Handballschiedsrichter scheinen mir, vielleicht ist das der Spielgeschwindigkeit geschuldet, wesentlich konsequenter zu sein. Von Beginn bis Ende. Was hindert also Fußballschiedsrichter daran, auch so zu sein? Ein gesundes, regelkonformes Durchgreifen, 3 Wochen, just my 2 cents!, und die Bundesliga berappelt sich. Nimmt Schiedsrichter ernst und beginnt sie zu respektieren.

Das geht nicht von heute auf morgen, das ist mir bewusst. Aber es wäre ein Anfang. Und wenn dann auch noch die Kurven Respekt voreinander lernen, dann kann es richtig toll werden. Ich beichte gern: ich bin kein Freund von “H….nsohn”-Gesängen oder Ähnlichem. Ich will mein Herzensteam nach vorne treiben. Ich will auf der Tribüne sitzen, gerne auch neben einem Fan der Fremden, ihn beschimpfen, beschimpft werden. Und nach dem Spiel einfach mit ihm ein Bier trinken und sagen: ätsch, gewonnen – oder auch scheiße, ihr wart einfach besser.

Respekt fängt überall an. Aber auf dem Platz, bei den Jungs in der Öffentlichkeit, bei denen, die Vorbilder sein sollten und könnten, da könnte es beginnen, zumindest als Zeichen. Und die Schiedsrichter, die könnten dabei helfen.

Miteinander statt gegeneinander. Im Fußball. Im Sport. Außerhalb vom Sport. In der Gesellschaft.

9 Gedanken zu „Von gegenseitigem Respekt

  1. 3

    Da bin ich aber mal genau deiner Meinung, Uli, bei den meisten Regeln würde es ja einfach reichen, sie konsequent anzuwenden, einige müsste man etwas modifizieren, so zB. dass jeder, also auch der Gegner, sofort dafür zu sorgen hat, dass der Ball am Ort des Freistoßes zur Ausführung bereit liegt und der vorgeschriebene Abstand eingehalten wird. Ansonsten Zeitstrafe. Ganz schnell hören die Mätzchen auf, und das Spiel wird auch wieder attraktiver, weil dann manchmal eine Kontersituation noch nicht vorbei ist. Ziel des Freistoßes war es ursprünglich ja mal, der ballbesitzenden Mannschaft den durch das Foul entgangenen Vorteil wieder herzustellen, und nicht, der foulenden Mannschaft zu ermöglichen, sich ganz in Ruhe wieder zu sortieren. Auch verstehe ich nicht, wieso man ohne Not die Regel aufgegeben hat, dass nur der Kapitän mit dem Schiri sprechen darf. Ruckzuck hat es ein Ende mit der Rudelbildung und der ewigen Reklamiererei. Dann noch hinterher alle Schwalben per Videobeweis raussuchen und die Schauspieler sperren, ganz schnell hört auch das auf.

  2. 4

    Da bin ich aber mal genau deiner Meinung, Korken!

    Der härteste Sport, bei dem sich noch nie jemand fallen gelassen hat, ist übrigens Wasserball.

    Bei der Gelegenheit fällt mir noch ‘ne interessante Freizeitbeschäftigung ein:
    Synchronschwimm-Hooligan!

    Bis Samstag im Waldstadion mit jedermans Lieblings- und Vorbildtrainer Streich, der bei jeder Kleinigkeit rumpöbelt und gestikuliert als ob es kein Morgen mehr gibt…

  3. 7

    Jetzt hab ich’s auch gemerkt: Der Beitrag war ja von Dir, korken, also bin ich natürlich mit Dir einer Meinung! Sorry, Uli! 🙂

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