#SGEBSC – Fußballwochenende verrückt

Ein Perspektivwechsel war es ja für mich, das habt ihr in meinem kleinen Vorbericht gelesen. Ein Perspektivwechsel aus vielerlei Hinsicht. Denn mit einem knapp 5jährigen im Schlepptau, da wird doch vieles anders, ganz anders. Und trotzdem versuchte ich, so manche meiner Traditionen zu behalten.

So ging es also ins Stadion, nicht per öffentlichem Nahverkehr, sondern per Auto – auf den Waldparkplatz. Warum? Naja, man kennt ja sein Kind, übervolle S-Bahnen sind so seins nicht, und zu Fuß von Neu-Isenburg laufen, das würde im “Tragen auf den Schultern” enden – danke, sagte mein armes Kreuz, danke fürs Auto nehmen.

Also starteten wir um 13 Uhr, der Filius wollte alles sehen: wann kommen die raus? Wie wärmen die sich auf? Wie wird das Stadion voll? Und um 13.30 Uhr, mit fast als letzte vor Parkplatzschluß, da parkten wir ein. Ein saumäßig nervöser Papa mit seinem saumäßig nervösen Junior.

Ab ins Stadion. Schon allein die Schlange am Drehkreuz vermochte dem Filius massiven Eindruck ins Gesicht zu schreiben. Dann rein, erstmal – wie versprochen – eine Portion Pommes und eine Fanta. Stopp. Mein Kind so: nee, lieber Apfelschorle. Auch recht. Um bei den eigenen Traditionen zu bleiben: erstmal ins Museum. (Wer von euch kein Fördermitglied ist: werden. Danke, bitte.), auch erstmal rein. Weil: man genießt es mal drin solange man kann, das Unwetter war ja angekündigt.

Große Erkundung dann im Museum: boah, die Pokale hat die Eintracht? Papi, was ist das für ein Gartenstuhl? Und was ist das für ein buntes T-Shirt (United Colors of Bembeltown)? – erstaunlich, wie neugierig der Zwerg doch sogar mit dem Museum umging.

Einige bekannte Gesichter traf ich dann vor dem Museum, obwohl es ja für mich sehr früh war. Rechtzeitig aber für den Adlerbus.

Dennoch, umso früher ging es dann aufwärts in den für mich ja bis dato ungewöhnlichen Block, den Familienblock. 14.30 Uhr, Filius drängelte mich, er will mich ja nur erinnern, dass er nix verpassen will. Hinein also in den durchaus schon gut gefüllten Familienblock, okay, andere erleben das genauso wie ich – soll wohl so sein.

Hier mein kurzer Abriss dazu:
– die Turnen ja, Papi! (Berliner Torhüter dehnen sich beim Aufwärmen)
– boah, ist das laut hier (45 Minuten vor Anpfiff!)
– die spielen doch aber nachher nicht mit so vielen Bällen, oder?
und last, but not least, an alle Kindergarteneltern:
Die machen ja Morgenkreis!

Papis Fragen und Anmerkungen:
– spielen die schon immer die “A-Team-Musik”, wenn die Adler ins Stadion kommen zum aufwärmen?
– gibts die dämlichen Geburtstagsgrüße zum Selberlesen noch immer?
– ich brauche Bier.

Es ging also los, 15.15 Uhr, gegnerische Aufstellung, das übliche Tirili, “Im Herzen von Europa” – und neben mir fast 5jährige, strahlende Augen ob der allgemeinen Atmosphäre drumrum. Die Aufstellung, bäm. Er war geflasht. Und dann kam das Unwetter. Es goss, es wurde kalt, es wurde eklig.

Und ich finde, man hat gesehen, was die Gegner machen müssen, wenn sie die Eintracht ausschalten wollen: man flute einfach den Platz. Denn es war einfach grausam anzusehen, wenn ein Pass gespielt wurde, der Empfänger aber schlichtweg 3 m zu weit weg stand und der Ball im Nassen einfach liegenblieb.

Das Spiel so in Summe: ein Armutszeugnis. Irgendwer schrub oder sagte letzte Woche was von: die Eintracht fährt nicht auf der letzten Felge sondern ganz ohne. So wirkte das schon. Umso froher bin ich über das 0:0, und trotz der einen oder anderen Großchance (Man!!!), hmm, das war schwierig, das ganze Ding da unten aufm Platz.

Okay, mir fehlen die letzten 10 Minuten. Filius war durch, auch trotz ordentlicher Klamotte durchgekühlt. Aber das Risiko war es mir wert, ihm “meine” Welt der Eintracht zu zeigen. Er hat sich, zugegeben, nicht wirklich für das Spiel interessiert. Aber wer mag es einem Kind verdenken, die Eindrücke sind gewaltig.

Und als wir dann wieder zuhause saßen, am Abendessenstisch, und er in unermüdlicher Art “Im Herzen von Europa” summte und später auch versuchte nachzusingen, da war mir klar, dass an diesem Tag trotz 0:0 nicht so alles an meinem Fußballtag falsch gelaufen war.

Die Ergebnisse aller anderen, inklusive Sonntag, taten doch dann ihr Übriges. Es lief, für die Eintracht.

Und dann, jetzt so zum Abschluss, nahm ich mir den Kicker-Tabellenrechner vor. Oiwei. Ich behalte es besser für mich. Denn da hat der Pessimist getippt.

Und vielleicht sollte ich mich da an den Kommentar im letzten Blogbeitrag hier halten, den “Bruda, schlag den Ball lang”, hier hinterließ:

Wenn ich eins in dieser wunderbaren Saison zu lernen bereit bin, dann, dass ich nicht zu früh all die negativ belasteten Vorerfahrungen meines bisherigen Fandaseins als quasi Gesetz zur Anwendung bringen darf. Irgend etwas ist momentan anders.


Und die Spieler? Müde, Versagensdruck oder was auch immer, wenn sie CL spielen wollen, müssen sie zeigen, dass sie Champs sind. Der Druck ist da einfach Begleiterscheinung. Auch für uns Fans.
Von mir aus nachhaltig gerne mehr davon.

“Bruda, schlag den Ball lang”, Kommentar hier im Blog:
https://maintracht.blog/2019/04/26/sgebsc-spitze-gegen-graue-maus/#comment-589


Bruda, ich nehm dich beim Wort. Gegen Leverkusen gilt es in einer Woche. Davor, man möge mir verzeihen, ist Chelsea nur die Kür. Auf jetzt, Eintracht.