#WOBSGE MMV – Sänk ju for choosing Bundesliga!

Frühmorgens, da steh ich, am herzlichen Europamittenbahnhof und warte auf die Ankunft des ICE 0815 nach Wolfsburg. Bereich F, ganz vorne also, es ist a$§&hkalt, regnet und stürmt und ich frage mich, ob die Sambaschläppchen, die dünne Hose und das Kurzarmtrikot nicht doch ein bisschen zu knapp gewählt waren.

“Information zu: ICE 0815 nach Berlin über Fulda, Kassel-Wilhelmshöhe, Göttingen, Abfahrt gleich, heute in umgekehrter Wagenreihung.” – na, welch große Freude, dann sortieren wir eben die Einstiegstabelle neu. 500 Menschen wühlen sich über den Bahnsteig. F nach A also.

So steige ich ein, Wagen 1, Platz 12. Ein Zeichen, 12. Mann, das geht mir durch den Kopf. Verträumt nehme ich Platz und denke mir: hättest du doch 1. Klasse gebucht, man würde dir das Bier an den Platz bringen.

“Guten Morgen und herzlich Willkommen im ICE 0815 nach Berlin. Ich grüße alle zugestiegenen Fahrgäste und besonders all die, die heute aus Wolfsburg 3 Punkte mitnehmen wollen! Bitte beachten Sie unser reichhaltiges Bier- und Schnapsangebot im Bordbistro.”. Guter Mann, denke ich, hilft aber nix. Selfservice.

Also rumpeln wir los. Durch Offenbach. “Wer nicht hüpft ist Offenbacher”, skandiert der ganze Zug. “Hey, wollt ihr, dass wir entgleisen? Und: nächster Halt: Hanau. Ausstieg links. Ausstieg, keine Raucherpause. Wir wollen pünktlich weiter. Zu den 3 Punkten.”, schalmeit der Zugchef durch die Zuglautsprecher.

Die Tür geht auf, eine Horde verkleideter Sänger mit Zigaretten verlässt den Zug. Ein Vogelkäfig steigt ein. Es wird doch nicht…? Noch ein Zeichen! Ein Adler begleitet die Fahrt, ist es gar… Atilla? Es wird immer besser, nur: Bier fehlt. Das lässt sich ändern.

“Ich hab gesagt, nicht rauchen! Einsteigen. Zurückbleiben bitte.”, also rollen wir weiter. Rumpelstrecke, Richtung Fulda. Ich mache mich auf Richtung Bordbistro, es wäre ja Zeit für einen Frühschoppen. Ich schaffe es genau einen Wagen weiter, “Fahrscheine, bitte!”, begrüßt mich ein Mitarbeiter des Bordpersonals. Verdammt. In der Jacke, vorne, am Platz, also zurück. Ich schaue auf die Plätze hinter mir, große Kopfhörer, alle mit gleichen Trainingsjacken, warum hat mir keiner gesagt, dass die Mannschaft an Bord ist? Ich staune. Der nette Herr des Bordpersonals klopft mir auf die Schulter: “Fahr-schein bit-te!”, oh, äh, ja, hier, bitte, danke. “Nächster Halt: Fulda. Nicht rauchen, hört ihr?”. Ich muss lachen.

Als alle wieder im Zug sind versuche ich es erneut und nehme ihn auf, den beschwerlichen Weg ins Bordbistro. Wagen 2, Wagen 3, Wagen 4, Bistro! “Morgen. Ein Bier bitte.” – “Ist aus! In Kassel gibt es Nachschub.” – “Ruf da an und sag, die sollen 10 Kästen mehr bringen. Sind genug an Bord, die noch was brauchen.” – Ein verwirrter Blick straft mich ab, ich wende und gehe zurück. In Wagen 3 fasse ich mir ein Herz: “Hat wer ein Bier für mich übrig? Hier gibt’s nix. Mal wieder.” und zack, halte ich ein Hülschen in der Hand. Danke. Der Zugchef, unweit in irgendwelche Fahrkartendiskussionen vertieft, räuspert sich: “Was? Kein Bier? Unfassbar. Nachher in Kassel geht eine Kiste auf mich.” – Lautes Johlen, danke, ICE 0815!

“Nächster Halt: Kassel-Wilhelmshöhe”, da erreiche ich meinen Platz. Ich neige nicht dazu, auffallend oder aufdringlich zu sein, aber durchaus fallen mir die Reservierungsschilder der Plätze 1 bis 11 auf. Da stimmt was nicht? Aber was? Ich setze mich. “NICHT RAUCHEN HAB ICH GESAGT!”.

Endlich, naja, endlich, aber was willst du machen in der Bundesliga, verlassen wir Hessen Richtung Göttingen. “An die Fahrgäste von vorhin: Freibier in Wagen 3.” Ich renne los, 100 kg Lebendgewicht bahnen sich ihren Weg durch den engen Gang, vorbei an Fußballverrückten, Omis mit Trolley und diversen Normaloverrückten, die tapfer vor ihren Laptops sitzen und die Dinger eher verstecken sollten, so eine Bierdusche macht sich nicht gut in so einem Gerät.

Ich erreiche Wagen 3 und ergaunere gerade so das letzte Freibier des Zugchefs, der sich natürlich auch eins genehmigt und nun herzlich anstimmt “Im Herzen von Europa…”. Wagen 3 bebt. Ich gehe zurück zum Platz. “Nächster Halt: Göttingen. Raucht einfach. Mir egal wann wir ankommen.”.

Wir rollen weiter, jetzt geht es ja Schlag auf Schlag, “Nächster Halt: Hildesheim”, ich laufe los um ausnahmsweise auch einmal auszutreten. “Nächster Halt, Braunschweig”. Ich komme zurück und schaue auf die Reservierungsschilder.

01 – Hradecky
02 – Salcedo
03 – Hasebe
04 – Falette
05 – Chandler
06 – Mascarell
07 – Wolf
08 – Boateng
09 – Gacinovic
10 – Rebic
11 – Haller

Das muss sie sein, die Startelf. Ich grinse in mich hinein und denke mir: Sänk ju for choosing Bundesliga. Ist doch schön hier. Auch wenn nicht alle Clubs meins sind. Immerhin habe ich keine Angst mehr. Vor niemandem. Danke, Eintracht.

“Nächster Halt: Wolfsburg.”, so der Zugchef. Ob wir anhalten und die 3 Punkte mitnehmen? Ich will hier nicht vorbeirauschen und damit auch in der Tabelle nach unten … … … Ich wache schweißgebadet auf. Schaue auf mein Handy. Es ist Freitag früh, ich muss gleich ins Büro. Hab ich das etwa alles geträumt? Verdammt. Auf den Halt in Wolfsburg und die drei Punkte morgen. 

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