MVT

“Er ist wichtig für uns, tut uns gut. Er geht vorneweg, will jedes Spiel gewinnen. Das ist seine DNA. Deshalb hat er auch bei Topklubs gespielt. Und die Jungs folgen ihm. Er reißt die Mannschaft mit.”

So beantwortete Robert Kovac die Frage nach Kevin-Prince Boateng und seiner Position innerhalb der Mannschaft (nachzulesen in einem wirklich lesenswerten Interview hier in der FR). Finde ich eine sehr gute Charakterisierung dieses ‘Most Valuable Transfer’ der letzten Jahre gesagt.

Als kurz vor Beginn der Hinrunde die ersten Gerüchte aufkamen, KPB könnte seine Zelte zukünftig in Frankfurt aufschlagen, waren nicht nur zustimmende Kommentare zu lesen. Bei der Geschichte des Spielers verständlich, aber heute im Rückblick halt schlicht und einfach falsch. Beispielhaft nachzulesen hier im Blog-G. Wobei ich das bitte keinesfalls als Kritik an den Kommentatoren verstanden wissen will, dieser Transfer hätte (aus damaliger Sicht) genauso gut schief gehen können.

Und die Realität?

Da sind einerseits die reinen Leistungsdaten, die wirklich über alle Zweifel erhaben sind. In der Liga 26 Spiele, 22 mal in der Startelf, 6 Tore. Im Pokal drei Spiele über die volle Distanz. Kurz: seit der Prince in Frankfurt ist, hat er nur das Spiel in der Rückrunde gegen Stuttgart wegen einer Gelbsperre verpasst.

Für mich viel beeindruckender sind jedoch die Dinge, die man neudeutsch gern mit Soft Skills umschreibt. Einerseits hat man im Spiel nahezu immer das Gefühl, KPB hat eine Idee, was er mit dem Ball anfangen möchte. Daneben ist er jemand, der fast in jeder Situation anspielbar ist, und wenn er aus einer Situation spielerisch nicht rauszukommen scheint, zieht er (zumindest nach meiner Wahrnehmung) noch sehr oft einen Freistoß für sein Team.

Außerdem hat er nach meinem Gefühl eine sehr geringe Fehlerquote. Ich kann mich lediglich an zwei konkrete Situationen erinnern: ein Gegentor, dass aus einem Ballverlust im Mittelfeld resultierte (war das gegen Augsburg?) und natürlich der (überflüssig hastige) Einwurf in letzter Sekunde gegen Dortmund, der schlussendlich zum Gegentor zum 2:3 führte.

Daneben kann man meiner Meinung nach seine Bedeutung für das Team und (vor allem) die jungen Spieler gar nicht hoch genug einschätzen. Wie er zum Beispiel Marius Wolf unter seine Fittiche genommen hat, und welche Entwicklung dieser Spieler genommen hat, das ist einfach nur beeindruckend. Zu diesem Spieler hatte Korken ja etwas geschrieben. Bitte hier entlang.

Ich habe lange überlegt, aber mir ist nichts wirklich negatives eingefallen. Er erinnert mich in vielen Punkten, seiner Gradlinigkeit, seinem unerschütterlichen Selbstbewusstsein und seinem Auftreten auf dem Platz an Uli Stein, der damals aus Hamburg kam und – zumindest meiner Erinnerung nach – einer schwachen und unsicheren Mannschaft wieder Leben einhauchte. Heutzutage hat der Prince einer eher nicht so sensationell stark besetzten Mannschaft einen entscheidenden Tick gegeben. Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten, gepaart mit gestiegenem Respekt seitens der Gegenspieler.

Mal sehen, wohin uns die Reise mit Prince und den anderen diese Saison noch führt.

PS: Das soziale bzw. gesellschaftliche Engagement habe ich bewusst ausgelassen, das verdient einen eigenen Artikel.

PPS: Gerade gesehen – manche sehen das mit Boateng augenscheinlich ähnlich… Danke, MrBoccia.