#SGESVW – Druckaufbau

Auch wenn die eigentliche Entscheidung, auf Grund der aktuell steigenden Infektionszahlen Zuschauer bei Sportveranstaltungen zu untersagen, von der Stadt Frankfurt schon vorletzte Woche verkündet wurde, sieht sich die Eintracht jetzt genötigt Klarheit einzufordern. Das auf der Homepage veröffentlichte deutlich formulierte Statement zeigt in meinen Augen zweierlei.

Auf der einen Seite eine dezente Nonchalance der Frankfurter Behörden, so nach dem Motto, die konnten das doch aus den Medien entnehmen, warum sollen wir die nochmal separat informieren. Für mich ein eigentlich unmögliches Vorgehen.

Und andererseits stehen die Aussagen von Axel Hellmann natürlich auch für die Verärgerung (ich weiß nicht, ob dass das richtige Wort ist) auf Seiten der AG, dass, nachdem man mit so viel Einsatz und Herzblut ein aufwendiges und wohl wirksames Konzept entwickelt hat, dieses beim ersten Anstieg sofort zu den Akten gelegt wird.

Ich weiß, man kann über den Zuschauer-Ausschluss diskutieren, und ich habe hierzu auch schon meine Meinung vertreten. Nichtsdestotrotz finde ich den Umgang der Behörden mit der Situation hier grenzwertig. Es scheint schon, dass das ein bisschen sehr Schaufensterpolitik ist, frei nach dem Motto, schaut her, auch den Fußball-Millionären können wir wehtun.

Vielleicht will die Frankfurter Stadtregierung und der OB damit aber auch nur von dem einen oder anderen (mehr hausgemachten) Problem ablenken. Wer weiß.

4 Kommentare

  1. Lieber Mitschreiber,

    da gehe ich nicht mit. Der (auch) Hobby-Rotkreuzler sagt das mal deutlich: Behörden haben in der jetzigen Situation definitiv andere Probleme wie “leicht gefüllte” Fußballstadien. Und mit welchem Recht lässt man 8000 Menschen zum Fußball wenn man gleichauf kurz davor steht, die komplette Gastronomie erneut in die komplette Umsatzlosigkeit zu schicken?

    Ablenkung sehe ich hier an dieser Stelle nicht, wehtun speziell den Fußballern auch nicht. Beispielsweise: man las ja, dass der Mietvertrag für Stadion und Co. auch Coronaklauseln enthält. Man schneidet sich also eins eigene Fleisch.

    Und eine (noch) fehlende Information seitens der Behörden: es gibt einfach gerade einmal wichtigere Dinge (Infektionsketten, etc.). Und eine Konferenz der Ministerpräsidenten morgen. Wer weiß, was da rauskommt. Was willst du also vorher informieren, wenn vielleicht alles ganz anders kommt und zweitens als man denkt?

    Deshalb: es geht verdammt nochmal um die Gesundheit. Aller Menschen. In einem Sozialstaat, in dem man bei allem Egoismus und aller Arroganz immernoch aneinander denken muss. Und das ist bei Fußballspielen derzeit einfach entweder schlichtweg nicht risikofrei möglich oder auch nicht argumentierbar, gegenüber ähnlichen Branchen, siehe oben. Die Zahlen in Frankfurt, in Frankfurts Umgebung, in Hessen, in Deutschland, in Europa, in der Welt (!) sprechen eine deutliche Sprache.

    Warum soll ein 8000-Mann-Spiel mit mutmaßlich gutem Hygienekonzept besser sein als wie ein Restaurant mit 10 Plätzen bei einem verantwortungsvollen Wirt, der auch ein gutes Hygienekonzept hat? Eben. Nichts. #alleoderkeiner, so einfach ist das hier im übertragenen Sinn. Für alles Andere fehlt die Zeit bei den Behörden / Gesundheitsämtern, so ehrlich muss man sein. Es ist nicht toll, es ist einfach so.

    Verhindert so gut es geht soziale Kontakte, so unsere Politik, Gesundheitsämter, Ärzte (!). #stayathome so weit es geht. Bleibt gesund. Ich für meinen Teil sehe die Corona-Einschläge näher kommen. Und ich möchte wegen so einem Mist niemanden (schwer) krank sehen oder gar noch Schlimmeres erleben müssen.

    Fußball ist zweitrangig. Da wäre mir das geliebte Schnitzel des Lieblingswirtes tatsächlich noch näher.

    Es grüßt
    der Herr korken

  2. Dem widerspreche ich schon.
    Das was man mit gutem Gewissen verantworten kann sollte man auch bewilligen. Und es macht sehr wohl einen Unterschied ob sich x-Personen mit einem großen Sicherheitsabstand im freien treffen, oder ob sich x-Personen im Innenbereich eines Lokales bewegen.
    Es ist doch längst nachgewiesen worden, dass die Ansteckungsgefahr bei Fussballspielen unter strenger Einhaltung der Hygienebestimmungen extrem gering ist. Muss man jetzt alles aus symbolhaften Gründen verbieten?
    Ich denke nein.

    Und ich unterscheide Dinge voneinander. Beim Fussball erkennt man nämlich das man sich sehr wohl diszipliniert verhalten kann, während es in einem Lokal immer zu Bewegungen im Publikum kommt. Dort ist diese grosse räumliche Trennung von Personen doch gar nicht möglich.

    Auch so genannte Superspreader Ereignisse sind völlig ausgeschlossen.
    Ich habe die ersten beiden Heimspiele besucht und würde keine Befürwortung erteilen, wenn ich da auch nur die geringsten Zweifel hätte.
    Die Disziplin der Fans hatte mich selber überrascht.
    Ich akzeptiere natürlich die Entscheidungen. Kann sie aber in diesem Falle nur bedingt nachvollziehen.

  3. Walter Kolb,

    vielen Dank! Superspreader vielleicht nicht, aber die “Fan geht vor” berichtet eben auch Anderes in der Ausgabe http://fan-geht-vor.de/media/Fgv-Sondernummern%20komplett%20als%20pdf/Fgv%20Nr.%20S5.pdf – “Konsequenz Corona-TestDonnerstag nach dem Spiel gegen Hoppenheim – 17:15 Uhr Meine Freundin ruft mich an, ob ich auch einen relevanten Kontakt und eine rote Warnmeldung in der Corona-App für letz-ten Samstag bekommen habe. „Es war Feiertag. Das kann nur im Stadion gewe-sen sein.”, meint sie aufgeregt. Auf meinem Smartphone ist noch nichts zu sehen. Die Corona App wird nur einmal am Tag aktualisiert. Das geschieht bei mir zwischen 2 und 4 Uhr nachts. Nach einer unruhigen Nacht bekam auch ich Freitag-morgens die Nachricht in der Corona App angezeigt. „1 Risiko Begegnung – 6 Tage seit der letzten Begegnung – Begeben sie sich, wenn möglich nach Haus bzw. blei-ben sie zu Hause.” Das war definitiv am Samstag im oder rund-ums-Stadion.”

    Weiterhin hörte ich, dass in unserem Konzept von Inzidenzen bis 35 gesprochen wird. Also können wir uns die Debatte wahrlich schenken. Sicherheit geht vor, dabei bleibe ich persönlich.

  4. Leider sieht man an dem Beispiel wie entrückt der (Bundesliga-)Fußball inzwischen ist, wenig ist übrig von der “Demut” zu Beginn der Wiederzulassung der Fans.

    Die SGE AG geht selbstverständlich davon aus, dass sich das Amt bei ihnen meldet…Dabei sind die Allgemeinverfügungen für alle Bürger und Institutionen veröffentlicht & bindend. Auch wenn es nervig ist, die Verifizierung bzw. Auslegung der Informationen muss man selbst organisieren. Da geht es der Eintracht nicht besser als dem Bürger, dem Unternehmer, dem Künstler oder sonst wem. Und das die Verordnungen in der aktuellen Situation “Zwei Schritte vor- einen zurück” sind, ist nun mal dem Geschehen geschuldet.

    Spannender ist wirklich die Frage: wie kann das jetzt noch (sicherlich) ein Jahr funktionieren? Wird es nächstes Jahr noch Gastwirte, Kleinunternehmer, Künstler, Musiker, Schausteller, Profisport (Handball, Eishockey etc. ja auch Fußball) geben ?
    Jetzt können auch die Bayern niemand mehr retten, die (aus meiner Sicht arroganten) Benefizspiele/Retterspiele sind über Nacht wertlos geworden.

    Vielleicht Zeit für eine Umverteilung und Gesundung der Liga (Verteilung Fernsehgelder/ Insolvenzen). Nur hoffentlich nicht bei uns.

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