#WOBSGE – Verzagt verzockt

Manchmal genügen die neunzig plus x Minuten eines Spiels, um die Aussagen eines Trainers die im Rahmen einer Spieltags-Pressekonferenz getroffen werden als im freundlichsten Fall unbedacht zu bezeichnen. Denn wenn man sich besagte Aussagen ansieht und diese dann mit dem realen Spiel vergleicht, dann ergeben sich schon einige Fragen, die nahezu ausschließlich in Richtung des Trainers und seiner Arbeit zielen. Und dabei ist für mich die Kernfrage eine ganz einfache:

  • Warum wechselt man von dem System, mit dem man gegen den BVB das erste Mal seit langem mal wieder so etwas wie Spielkultur hinbekommen hat, wieder zurück zum defensiv geprägten Zerstörungsmodus?

Wenn man mit Aymen Barkok den offensiv stärksten Mittelfeldspieler auf die Bank beordert und diesen durch den defensiven Ilsanker ersetzt, dann darf man sich nicht wundern, dass man keinen Zugriff auf das Spiel bekommt. Wenn es dann dazu noch in den ersten zwanzig dreißig fünfundvierzig Minuten quasi im Minutentakt hinten brennt, man eine Standartsituation nach der anderen (Eckenverhältnis 8:1 für Wolfsburg) gegen sich hat, dann darf man diesen Systemwechsel schon zur Halbzeit mit Fug und Recht als gescheitert betrachten. Das führt dann stehenden Fußes zur nächsten Frage:

  • Warum wird in Zeiten, in denen fünf, ich wiederhole, fünf Spieler gewechselt werden könn(t)en nicht schon zur Halbzeit auf für jeden erkennbare Schwächen reagiert?

Erstaunlicherweise stand es zur Halbzeit 0:0. Also hätte man quasi von vorn beginnen können und der Mannschaft mit zwei, drei Wechseln eine neue Richtung und Struktur geben können. Meine Idee war schon in der Halbzeit, man bringt Barkok für Ilsanker, lässt Kamada etwas weiter vorn agieren und – auch wenn er normalerweise der Unterschiedsspieler ist – ersetzt Kostic durch Younes um auf der linken Seite neue Impulse setzen zu können. Denn für mich war in Halbzeit eins ganz klar ersichtlich, dass Kostic lange noch nicht wieder der Alte ist. Eventuell hätte man noch über Kohr für Rode nachdenken können, aber das würde ich eher unter Geschmackssache einsortieren.

  • Warum reagiert man nicht spätestens nach dem Geschenk der Führung durch einen der dämlichsten Elfmeter, die ich in den letzten zehn oder mehr Jahren gesehen habe?

Das muss man sich mal überlegen. Da schenkt uns der eigentlich die gesamte Spielzeit überlegene Gegner das 1:0. Und was passiert? Nichts. Keine Wechsel, weder in die eine Richtung, auf ein zweites Tor zu gehen, die Konterstärke zu erhöhen. Noch in die andere Richtung der Ergebnissicherung? Also um mich verständlich zu machen, für Version eins wäre wieder der Wechsel Barkok und Younes für Ilsanker und Kostic gewesen, für Möglichkeit zwei (mindestens) Kohr für Rode oder Ilsanker. Stattdessen lässt man das Spiel weiterlaufen, wechselt in Minute 85 und – als Krönung – nimmt man für den Gegner noch Zeit von der Uhr, als man in der Nachspielzeit wechselt. Apropos Ilsanker, noch eine Frage:

  • Wieso darf ein Spieler durchspielen, der entweder quer oder zurück spielt und ansonsten auf mich wie ein Fremdkörper gewirkt hat?

Abgesehen von seiner unterirdischen Passquote von 58% (zum Vergleich, sein Gegenüber bei WOB, Maximilian Arnold hatte eine Quote von 90%), und abgesehen von seiner Tendenz, Bälle und damit das Spiel zu verschleppen, also abgesehen von den Basics, ist mir aufgefallen, dass es mindestens zwei Szenen (einmal mit Sow und später einmal mit Barkok) gab, in denen er vollkommen unkoordiniert dazwischen ging und dem besser postierten Kollegen den Ball wegnahm. Warum darf er durchspielen? Und weil wir gerade bei Österreichern sind, eins noch:

  • Wieso gibt es eigentlich derzeit pro Spiel immer mindesten eine unfassbar dämliche Einlage, die für mich den Schluss nahelegt, hier wird mangelndes Glück bzw. Können mit Übermotivation beantwortet?

Konkret: war es gegen den BVB noch Rode, der mit einem Foul auffiel, für das Schiedsrichter auch schon mehr als gelb gegeben haben, hatte diesmal der hochgeschätzte Hinteregger seinen besonderen Auftritt. Mal im Ernst, wer den Torhüter im Fünfer direkt am Pfosten so offensichtlich weg-checkt, der hat die gelbe Karte verdient und die Frage, was der Sch… eigentlich soll. Vielleicht sollte der Trainer da auch nochmal in die Mannschaft reinhorchen?

  • Zum Schluss – gab es auch positives?

Klar. N’Dicka auf links bärenstark. Abgezockt, mit Übersicht, ruhig, so muss ein Abwehrspieler sein. Und man hat am Freitag gesehen, warum Kevin Trapp im Kader der N11 ist. Kein Fehler, nahezu keine Unsicherheiten, stark. Und schließlich Sow. Langsam sieht man, warum er geholt wurde. Starker Verbindungsspieler, manchmal fehlt noch der letzte Funke Selbstvertrauen, aber das wird.

  • Und nun?

Ich denke es ist fünf vor zwölf für die Saison. Wenn man aus den nächsten zwei Spielen nicht mindestens vier, besser sechs Punkte mitnimmt kann man sich die hehren Ziele wie Europapokal gepflegt von der Backe putzen. Dann wird es eine Saison im Niemandsland, hoffentlich ohne Abstiegskampf. Und man müsste auf den Pokal hoffen. Ok, ok, nicht realistisch. Schon klar.

Nach meinem Dafürhalten muss Adi jetzt einen radikalen Schnitt machen. Weg von den zaudernden Aufstellungen die sich immer nach dem Gegner richten, hin zu eigener Stärke. Die Eintracht muss wieder eklig zu bespielen sein, aber sie muss auch eigene Initiative zeigen. Und man muss das Gerüst festlegen, mit dem man durch die Saison will. Ich denke, dass man damit die Kurve noch kriegen könnte. Mit Konsequenz.

6 Kommentare

  1. Sehr gut perfekt geschrieben
    Ich sehe das genauso
    Allerdings mit einem Funken mehr Hoffnung noch die EL Plätze zu erreichen wenn wir jetzt die Kurve bekommen und eine Rückrunde spielen die perfekt ist. Gehen wir davon aus das wir im Pokal nicht mehr vertreten sind ist noch mehr Zeit sich zu konzentrieren.

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