Keine Eintracht

Lange war er still, aber er ist (mal) wieder da: der Ergänzungsspieler! Und er hat da mal etwas melancholisches Dagelassen. Frohes Lesen!


31.000 Zuschauer gegen den Red_Bull_Marketinggag@Filiale_Leipzig. 31.000 statt 51.500 ist selbst gegen Leipzig sehr enttäuschend. An einem Sonntagabend. Bei Scheißwetter. Ohne Ultras.

Wäre das Wetter etwas besser gewesen und der Gegner meinetwegen Stuttgart oder Köln, wäre ich wohl hingegangen. Oder gegen Leipzig samstags 15:30 Uhr bei goldener Oktobersonne. Auch möglich. Deren Parameter sind es viele und wir können jetzt Dutzende Szenarien entwerfen, bei denen ich eher hingegangen oder weggeblieben wäre. Interessantereise völlig unabhängig vom derzeitigen Leistungsstand unserer Mannschaft. Der ist tatsächlich recht unerheblich – bin ich doch Eintracht- und kein Fußballfan.

Dann braucht es aber auch Eintracht. Die beginnt allerdings schon weit vor dem Spiel an diversen Erzeugermärkten, Kiosken, Bierständen, Hundeclubs. Setzt sich vor dem Stadion und vor dem Block fort und hört auch am angestammten Platz nicht auf. Und da ist noch immer kein einziger Fehlpass gespielt. Ich war gegen Köln und Hertha nach langer Zeit wieder in der Deutschen Parkbank, hatte mir zur Sicherheit vorab das Zelt der Ultras am Parkplatz angesehen und mir das Ding als Ausweichort vorgemerkt, falls mir das Stadion zu doof … fad … irgendwie unangenehm werden sollte. Doof / fad / unangenehm. Ich kann meine Skepsis noch nicht mal näher definieren, sie ist allerdings deutlich spürbar.
Ich habe mir beide Spiele komplett im Stadion angesehen. Es war OK. Trotz der sportlich mehr als sperrigen Leistung auf dem Rasen. Immerhin hatte ich jeweils ein Ticket in unmittelbarer Nähe meines Stammplatzes, wie einige meiner dortigen Kollegen auch. Ja, war schön sie mal wieder zu sehen. OK halt. Die meisten allerdings haben mir und dem Stadion gefehlt.

Alternativ gab es mal die Möglichkeit, die Eintracht in diversen Gaststätten zu sehen. Das hatte sich teilweise durch die Preispolitik gegenüber Gewerbetreibenden seitens Sky schon vor Corona erledigt, durch die Seuche ist das jedoch jetzt im Grunde genommen auch vorbei. 

Ich habe Sky, DAZN und sogar dieses TV-Now abonniert. Letzteres kostet ja nur nen 5er. Morgen ist UEFA Pokal gegen Panathinaikos Athen. Ich musste jetzt echt auf kicker.denachsehen um zu realisieren, dass es Olympiakos Piräus ist. Athen oder Piräus, ich werde es mir eher halbherzig ansehen. Alleine oder eventuell mit dem einen oder anderen auch maximal unterdurchschnittlich motivierten Kumpel. Es wird so oder so kein Abend für die Geschichtsbücher. Wahrscheinlich wird’s OK.

Wir können die aberwitzige Durchkommerzialisierung im Profifußball beklagen – Red Bull Leipzig bietet ja einen willkommenen Anlass dazu. Über die miese Witterung und die mindestens angreifbare Idee, bei diesem Dreckswetter Freiluftveranstaltungen durchzuführen beklagen ich mich seit Jahrzehnten. Schad‘ nix, nutzt nix. Ob ein Spiel unbedingt Sonntag 18:30 Uhr stattfinden muss mag einen bierseligen Stammtisch einige Minuten den Atem rauben – mehr allerdings nicht.

All diese Punkte mögen unangenehmen sein, manche von uns ab und zu vom Stadionbesuch abhalten aber sie sind bis heuer auch in Summe kein Grund gewesen, die Begeisterung für die Eintracht ernsthaft zu gefährden. Trotzdem ist sie weg.

Wir haben uns die Eintracht genommen. Distancing. Und niemand, kein Hellmann, kein Prince, kein Stein – noch nicht mal ein Peter Fischer wird in der Frühlingssonne vor die Menge treten und verkünden: Es ist vorbei. Die Eintracht ist wieder da.

(Titelbild: Getty Images)

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