#VFBSGE – Statistisches Phänomen

Der erste Dreier 2022 ist geschafft. Nach einem durchaus interessanten Spiel beim VfB Stuttgart stehen drei weitere Punkte auf der Habenseite und der Europapokal ist überraschender Weise immer noch in Sichtweite. Bemerkenswert ist dieses Spiel daneben wegen mehrere Punkte:

Wenn man auf die Statistik bei bundesliga.com schaut, sieht es bei oberflächlicher Betrachtung so aus, als habe die glücklichere Mannschaft das Spiel knapp für sich entschieden. Sowohl bei den xGoals (2,29 : 1,87), dem Ballbesitz (55% zu 45%), Pässen (459 zu 391) und Passquote (81% zu 72%) und den erfolgreich bestrittenen Zweikämpfen (56%) liegen die Gastgeber vorn. Nur bei der Laufleistung (119,3 zu 111,8), den Sprints (255 zu 224) und den Ecken (14 zu 3) liegt die glorreiche SGE vorn. Die Schussstatistik ist vollkommen ausgeglichen (beide 15 Torschüsse, davon 6 aufs Tor).

Wenn man jedoch das ganze Spiel gesehen hat, oder es sich, wie der Autor dieser Zeilen, noch ein zweites Mal in der Nachbetrachtung komplett reingezogen hat, dann kann man das ehrlich gesagt kaum glauben, was die Zahlen da so sprechen. Die Eintracht war – abgesehen von einer kurzen Periode in der zweiten Hälfte der ersten Halbzeit – eigentlich komplett überlegen. Nur ein Beispiel von vielen: bevor N’Dicka in Minute 7 zum 1:0 traf gab es bereits drei Ecken, die allesamt durchaus ansehnlich waren. Nummer vier brachte dann das zählbare Resultat.

Wie gesagt, so ab Minute 25, 30 wurde dann der Faden verloren, was dann in einem vollkommen überflüssigen und schlecht verteidigten Freistoß endete, den Anton vollenden konnte. Das Unentschieden war schon glücklich für den VfB, zumal Lindström wenige Minuten zuvor mal wieder bewiesen hatte, was ihm noch an Vollstrecker-Qualitäten abgeht und (leider mal wieder) eine hundertprozentige liegen gelassen hatte.

Hälfte zwei begann dann (für mich überraschend) mit Hrustic für den angeschlagenen Rode, der sich aber gleich sensationell einführte, als er eine Chance aus spitzem Winkel zur Ecke abschloss. Diese wurde dann mit Variante Nummer sechs oder sieben durch eben jenen Hrustic erfolgreich verwandelt. Überhaupt wirkte die Mannschaft bei den Ecken und Freistößen deutlich zielstrebiger, daran scheint man durchaus intensiver gearbeitet zu haben.

Danach sah es für mich eigentlich größtenteils so aus, als ob man das Spiel ereignisarm über die Runden bringen könnte, wenn da nicht diese Schlafwagenverteidigung in Minute 70 gewesen wäre, bei der man einen sträflich allein gelassenen Kalajdzic wirklich zum Tor eingeladen hat. Na ja, zum Glück gab es ja noch Ajdin Hrustic, der mit einem Billiard-Tor auf 3:2 stellte. Dieses Mal schaffte man es dann, den Vorsprung über die Zeit zu bekommen, auch wegen eines fehlerfreien Kevin Trapp.

Eben jener Kevin Trapp spielte dann leider in der letzten und schmerzhaftesten Szene des Tages eine wichtige Rolle, als er mit seinem Knie mit dem Oberkörper von Hasebe kollidierte, unter freundlicher und nicht geahndeter Mithilfe des Stuttgarter Torschützen Kalajdzic. Stand jetzt vermutet man eine Rippenverletzung beim Hasen, der mit dem Notarzt in ein Stuttgarter Krankenhaus transportiert wurde. Gute Besserung von hier aus!

Diese Wünsche gehen auch zu den anderen angeschlagenen des Tages, denn sowohl Hrustic, der für Rode, der wieder Probleme mit dem Knie hatte, kam, als auch Hauge (für Sow nach Zusammenprall), Hinteregger (für Tuta wegen Oberschenkelproblemen) und Ilsanker eben für Hasebe kamen wegen Verletzungen ins Spiel. Nur der Wechsel Knauff für Lindström war taktischer Natur. Schon happig.

Jetzt gilt es, kommende Woche diesen Erfolg zu vergolden und die Jungs aus der Autostadt ohne Punkte auf die Heimreise zu schicken. Mal sehen, mit welchem Personal…

Wobei, ein en hab ich noch. Wie schrieb der Blogger „De_Schebbe“ gestern in Blog G:

Die Stadionatmosphäre in Stuttgart war schon sehr speziell. Obwohl das Stadion eigentlich leer war, wurden Abstände (zumindest unter den „Gästefans“) nich beachtet. In den beiden Gästeblocks wurde der komplette untere Teil abgesperrt und für die 300 mitgereisten Eintrachtfans standen knapp 450 Sitzplätze zu Verfügung. Klar, da spart man Reinigungskosten etc. aber ob das mit Hygienekonzepten und Abstandsregeln konform geht, aber was soll’s, vergossene (Hafel-) Milch.

De_Schebbe hier

Mir scheint, ihr lieben Schwaben, ihr habt nicht nur mit Hochdeutsch Schwierigkeiten.

Titelbild: Christian Kaspar-Bartke/Getty Images

2 Kommentare

  1. Wie so oft lässt sich feststellen: wer mehr läuft, der gewinnt sehr oft. Und der Rest ist tatsächlich überraschend oft Nebensache in der Statistik.

    Im https://rasenfunk.de/ war Max-Jacob Osts Fazit sehr eindeutig: Stuttgart hinten schlecht, vorne trotz zweier Tore sehr einfallslos, das wird schwer diese Saison.

    Nichtsdestotrotz: wir müssen stabil sein am Samstag gegen Wolfsburg! Die haben sich ja auch gerade ihr Erfolgserlebnis abgeholt.

  2. korken,

    ich fand den Unterschied in der Laufleistung überraschend deutlich, vor allem in Relation zum Ballbesitz. Da scheint die Stuttgarter Mannschaft durchaus in der Lage zu sein, den Ball laufen zu lassen anstatt selber zu laufen. Aber ob ihnen diese Ballfertigkeit im Abstiegskampf hilft?

Kommentare sind geschlossen.