#FCUSGE – Younes und das schmerzhafte Lehrgeld

von UliStein

Einen Punkt bringt die Eintracht mit von ihrem Gastspiel in Berlin. An sich nicht so schlecht, aber in Anbetracht des Spielverlaufs eigentlich zu wenig. Wer 2:1 und 3:1 auswärts führt, darf diese Punkte eigentlich nicht mehr hergeben. Und wenn das dann doch passiert, ist die Frage nach dem Warum und dem notwendigen Lerneffekt am wichtigsten.

Aber der Reihe nach. In Minute drei ging es so los, wie es alle Eintracht-Fans sich in ihren schlimmsten Alpträumen ausgemalt hatten, 0:1 Rückstand nach einer Ecke. Eine Situation, die es letzte Saison gefühlt hundert Mal gab, die eigene Abwehr ungeordnet und der Gegner kann entspannt vollenden. Gestern stand Onyedika direkt neben dem Torschützen, kam aber überhaupt nicht in den Kopfball.

Doch dann spielte erstmal nur die glorreiche Eintracht. Nach eins, zwei ersten Annäherungen traf Younes Ebnoutalib nach einer Ecke und einer schönen Kombination zum 1:1. Und direkt nach Wiederanpfiff stellte er auf 2:1, nachdem er im Mittelkreis den Ball dem Berliner Querfeld abgejagt hatte und alleine auf das gegnerische Tor zulief und den Torwart souverän überwand. Dann wurde das Spiel bis zur Halbzeit etwas ruhiger, aber mit klaren Vorteilen für die SGE, die zur Halbzeit 60% Ballbesitz, 63% gewonnene Zweikämpfe und 5:4 Torschüsse verzeichnete.

In der zweiten Hälfte merkte man von der ersten Sekunde an, dass Union sich etwas vorgenommen hatte, es fehlte jedoch anfänglich die Durchschlagskraft. Das änderte sich jedoch ab Minute 60, als die Eisernen mit einem Dreifachwechsel nochmal neue Impulse setzten. Danach stieg auch die Beschäftigungsrate für den tadellosen Noah Atubolu im Frankfurter Tor deutlich an.

In dieser Phase passierten dann zwei Dinge – zunächst wechselte Adi Hütter zum ersten Mal Jugend für Erfahrung ein, indem er Malik Pimpong für Jonny Burkardt brachte. Und dann traf Younes Ebnoutalib zum dritten Mal mitten in der beginnenden Drangphase der Berliner in der 67. Minute zum vermeintlich vorentscheidenden 3:1 mit einem strammen Schuss aus dem Strafraum.

Danach spielte dann jedoch fast nur noch eine Mannschaft, Union Berlin. Die Eintracht verlor ziemlich ihre Stabilität und wirkte zunehmend hektisch und wirr. Das bestraften die Berliner in der 79. Minute, als man zum zweiten Mal nach einer Ecke traf. Scheint so, als ob es da noch die eine oder andere Übungseinheit in Frankfurt braucht.

und dann setze Hütter zur Überraschung vieler seinen Kurs, dem Nachwuchs Erfahrungen zu geben, fort indem er für Uzun den blutjungen Arrhov brachte. Viele hätten da, wie auch ich, mit Mario Götze gerechnet, der so ein Spiel auch mal beruhigen könnte. Dazu kam Höjlund als defensive Variante und ersetzte Amaimouni.

Und der Druck der Berliner ging weiter und die SGE verteidigte mit Mann und Maus und bekam dennoch keine Entlastung zu Stande. Vielleicht um die Defensive zu stabilisieren wechselte Hütter dann noch Otávio ein und nach den Torschützen Ebnoutalib vom Platz, womit man noch nominell einen Stürmer und zwei offensive Spieler auf dem Platz hatte und die Elf ein Durchschnittsalter von 21,4 Jahren aufwies.

Und dann kam es wie es kommen musste, nach einer Flanke kam der Ball über mehrere Stationen zu Querfeld, der an Skarke weiterleitete, der zum 3:3 vollendete. Eher zwei Punkte verloren als einer gewonnen für die Eintracht. Auch der Blick auf die Daten zeigt die Überlegenheit der Berliner in Hälfte zwei: nach 90 Minuten notierte der Kicker 18:14 Torschüsse für die Berliner, 51% Ballbesitz für die Eintracht und immer noch 55% gewonnene Zweikämpfe. Aber was für ein Unterschied.

Lag es an der Unerfahrenheit? Lag es an den ausschließlich defensiven Wechseln? Das muss man alles analysieren, aber es wurde heftig Lehrgeld bezahlt. Man muss Hütter zu Gute halten, dass seine offensiven Optionen sehr gering waren, da Larsson, Doan und vermutlich auch Bahoya (der zwar im Kader stand) vor dem Absprung sind, ein neuer Stürmer noch fehlt und auch sonst die Bank dünn besetzt war.

Wenn man den Meldungen glauben darf, wird es in den nächsten Stunden und Tagen am Stadtwald ein munteres rein und raus geben. Zetterer ist schon in Leeds, Bahoya (Hull City), Doan (Al-Ittihad), Larsson (Chrystal Palace) und Theate (Bologna) sind vor dem Absprung. Auf der anderen Seite sollen wohl Lilian Brassier (Stade Rennes) und der hochgeschätzte Arnaud Kalimuendo (Nottingham) ihre Zelte (wieder) in Frankfurt aufschlagen. Nach seinem Einsatz gestern gehe ich davon aus, dass Chaibi bleibt. Gefällt mir. Gut wäre es, wenn noch ein erfahrener Spieler käme, der die beiden Außenverteidigerpositionen spielen kann und vielleicht gar noch einer, der hängende Spitze oder offensives Mittelfeld spielen könnte.

Wenn all das passieren würde, kann ich mir vorstellen, dass da noch eine Menge geht bei der Eintracht. Zunächst mal kommenden Sonntag gegen Augsburg.

Bei mir ist eine leichte Euphorie zurück. Das bin aber nur ich.

Titelbild: Maja Hitij/Getty Images

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