Das ist er, der Heimspielsaisonauftakt, mit dem neuen (alten) Lokomotivführer Adi Hütter. Immer noch fehlt mir persönlich so die komplette Standortbestimmung, war der Beginn im Pokal in der 5. Liga nicht wirklich aussagekräftig und bei Union Berlin von himmelhochjauchzend bis zum recht deutlichen Konzentrationseinbruch doch alles dabei.
Lassen wir doch diese Woche einmal Revue passieren. Da war er, der Deadline-Day am Montag, der wie ich fand zu verhalten lief, an dem gefühlt unsere Diva zu wenig tat. Ich komme nicht umher, Episode 1 (Deadline-Day) mit Episode 2 (Aufsichtsratssitzung und Freitags-Pressekonferenz vor dem Spiel) miteinander zu vermengen.
Gefühlt gab es in Presse und Fanlager exakt zwei Lager: wir werden absteigen, das wird nix und was habt ihr alle, wir sind doch gut aufgestellt. Erwartungsgemäß zählte der Aufsichtsrat natürlich zur letzteren Gruppe. Und Adi Hütter legte auf der Pressekonferenz noch einen obendrauf in dem er sagte, er sei sehr zufrieden mit dem Kader und die wichtigsten Baustellen seien mit Brassier und Atuobolu ja beseitigt.
Ich bin da eher die erste Gruppe, sehr sorgenvoll, ängstlich. Mir ist der Kader zu dünn. Habt ihr einmal nachgezählt? Da stehen in der Abwehr acht Spieler, im Mittelfeld sind es ebenso acht, im Sturm sechs (inklusive Ngankam, der nicht einmal eine Rückennummer hat). Macht 22 Spieler, die 17 Kaderplätze füllen sollen. Wehe, wenn hier eine oder mehrere Verletzungen auftreten und wir genauso im Muskelschwund enden wie in der letzten Saison.
Hütter sagte in der Pressekonferenz auf das Thema Stürmer angesprochen, dass Uzun und Knauff ja auch schon gezeigt hätten, dass sie vorne spielen könnten und das ja so völlig in Ordnung sei. Sein Wort in Gottes Gehörgang, meine zwischenzeitlich größer dreißigjährige Divaerfahrung hat einfach echte Angstfalten.
Und dann kommt auch noch unbedingt dieses Augsburg, direkt nach diesem Union. Zwei Spiele, mit denen wir eigentlich nie so richtig klarkommen. Fußballspiele gegen die Fuggerstädter waren schon immer irgendwie Wunst. (Hatte ich das schon mal? Kunst kommt von können, wenn man etwas will, also wollen, ist es Wunst. Sowas wie gut gemeint.)
Augsburg, die gegen Aufsteiger Schalke souverän in die Saison gestartet sind gegen das gefühlte Abwehrdesaster Eintracht Frankfurt, die sich eine tolle 3:1-Führung noch vom Brot haben nehmen lassen. Glücklicherweise, wie gesagt, auf beiden Seiten noch keine Standortbestimmung. Das lässt mich optimistisch ins Spiel blicken.
Ja puh, wenigstens dürfte Adi Hütter uns wieder Fußball bescheren wollen, den wir in Frankfurt mögen. Überfallartiger, offensiver, nicht bling-bling hin und her. Und da die Kadersituation zwar eng, aber gerade nicht von Verletzungen geplagt ist, dürfte es mit seinen Andeutungen rund um Brassier und den Sturm möglicherweise am Sonntag so aussehen:
Atubolu – Kosugi, Brassier, Koch, Baum – Uzun, Onyedika, Götze, Doan – Burkardt, Ebnoutalib
Und was wäre so ergebnistechnisch? Ich tippe mal auf ein gut gemeintes 2:1 und hoffe, dass wir hinten dichter stehen. Über 90 Minuten. Vorne geht schon was rein, das haben wir gezeigt das es geht.
Und jetzt? Wen sehe ich im Stadion, vor dem Spiel vorm Museum? Wir müssen uns mal über die Lok und den Lokomotivführer unterhalten!
(Titelbild: Maja Hitij/Getty Images)
Wer glaubt, Hütter würde wieder „Hütter-Fußball“, also eben jenen überfallartigen Underdog-Fußball wie damals spielen lassen, spielen lassen können, hat sich aber die letzten Jahre nicht mit Fußball insgesamt, und unserer Eintracht im speziellen beschäftigt. Und hat kein Spiel von Monaco unter Hütter gesehen.
Erstens haben wir gar nicht die Spieler für Büffelherde, zweitens werden wir als Eintracht Frankfurt schon lange anders wahrgenommen, die meisten Mannschaften sind jetzt gegen uns der Underdog und werden eher tief stehen und uns das Spielgerät überlassen, so dass wir gezwungen sind, Ballbesitzfußball zu spielen. Genau das hat Hütter mit Monaco gemacht.
Der Hütter-Fußball ist also schon lange kein Hütter-Fußball mehr und kann es auch gar nicht mehr sein.
Wir werden also variabel spielen müssen, wie auch schon unter Toppmöller. Diesmal ohne die Belastung und den Frust aus der Champions League.
Man wird sehen, wie Adi die Jungs disziplinieren kann und zum Rennen bringt und es schafft, dass sie weniger – verständliche – Angst vor Fehlern wie letzte Saison haben und dadurch etwas schneller und direkter spielen.
Ansätze davon konnte man gegen Union schon sehen.
Ich bin gespannt und freue mich auf die Saison.
Und ich bin sicher, dass wir einen konkurrenzfähigen Kader haben.