Da war es also, das Heimspiel gegen den SC Freiburg. Ein Unentschieden der zufriedeneren Art. Oder?
Die Aufstellung
Adi Hütter stellte um. Es gab wieder die Doppelspitze mit Burkardt und Ebnoutalib, im Mittelfeld liefen Aseko, Doan, Uzun und Onyedika auf, im Tor stand natürlich Atubolu und in der Viererkette (!) spielten Baum, Brassier, Koch und Kosugi. Soweit so gut, ich gebe jedoch zu, dass die in Mainz bessere Stabilität mit der Dreier- bzw. Fünferkette mir besser gefiel. Entsprechend sorgenvoll betrachtete ich das Bild in der mainaqila-App. Und hatte tatsächlich etwas Sorgen.
Diese Sorgen wurden mir argumentativ kleingeredet im Stadion vor dem Eintracht-Museum, ich müsse ja gesehen haben, in der ersten Hälfte gegen Augsburg, dass wir das ja schon können täten, wenn wir uns denn konzentrierten. (Ich hasse Konjunktiv!). Ja, gut, das ist schon ein valides und souveränes Argument, ich ließ es mal sacken.
Der Spielverlauf
Ja, nun dieses valide Argument, das hatte sehr wohl eine deutliche Gültigkeit. Zwar hatte Freiburg gefühlt mehr Spielkontrolle, aber das aktive Pressing, das gute Verschieben unserer Diva, das war sichtbar. Und so kam es in Minute 10 zu einem langen, Uwe-Bein-artigen Pass von Brassier auf Burkardt, der den Ball zu Doan weitergab, der sich wiederum wundervoll freispielte und zum absolut freistehenden Ebnoutalib querpasste. Dingdong, Führung, 1:0. Wow, war das schön anzusehen.
Das Spiel lief gefühlt recht unsauber weiter, so richtige Chancen gab es nicht, aber ich fand es jetzt auch kein schlechtes Spiel. Freiburg erarbeitete sich die eine oder andere Chance, aber es war eben nicht zwingend. Und dennoch kam, was irgendwie erwartbar war: der Ausgleich, Scherhant, frühzeitig eingeleitet ausgerechnet durch Matanovic. Der, der noch nie im Waldstadion traf, gut so. Aber wie ausgeglichen so zurückgelegen: kurz darauf, keine zwei Minuten später, eine Ecke (hört, hört!), Koch verlängerte irgendwie, Burkardt holt sich den Ball von der eigenen Brust und BÄMM, ab in die Maschen. Schick, schick!
Aber irgendwie endete die erste Halbzeit wie die Blaupause aus dem Spiel gegen Augsburg. Und die zweite Halbzeit begann als Blaupause. In beiden Fällen hatte ich das Gefühl, die Konzentration kurz vor Abpfiff lässt nach. Und so kam es auch gegen Freiburg zu einem massiv gefährlichen Freistoß Sekunden vor dem Halbzeitpfiff, der an den Pfosten krachte.
Über die Schläfrigkeit nach Beginn von Halbzeit zwei möchte ich lieber gar nichts sagen, dass es schnell 2:2 stand weil man wieder kollektiv schlief, geschenkt.
Fakten auf den Tisch – in Hälfte zwei ging meines Erachtens nicht mehr viel für die Eintracht. Man hätte auch gerne noch ein drittes Tor fangen können, eigene Chancen gab es nur noch im Bereich der 65. Minute, diese nutzte man nicht, weil man – meine Wahrnehmung – schon zu sehr am Limit kratzte. Ab der 70. Minute war es für mich nur noch Eintracht-Standfußball, für mehr fehlte offenbar die Energie. Einwechslungen von u. A. Knauff kamen noch, er setzte für mich noch einige Ausrufezeichen, aber so kann er am Ende auch keinen Sieg heraufbeschwören.
Mit Blick auf den Spielverlauf war ich am Punkt: ein Unentschieden der unzufriedereneren Sorte.
Der Schiedsrichter
…hat mitnichten das Spiel entschieden. Ich möchte aber dennoch eine Bemerkung loslassen: mir hat seine grundsätzliche Linie überhaupt nicht gefallen. Nach sechs bis sieben Minuten hätte ich gewettet, dass das Spiel nicht mit 10 gegen 10 endet. Er pfiff sehr kleinlich, zwischenzeitlich merkwürdig, es gab eine schnelle gelbe Karte (es erwischte Onyedika). So richtig flüssiger Fußball war schwierig. Oft stand er auf dem Platz auch schlicht im Weg, seine Laufewege waren nicht gut. Positiv: es war keine Bevor- oder Benachteiligung. Aber ich denke, da kann man etwas verbessern und sich auch irgendwo konstruktive Kritik-Rückmeldungen holen.
Der Koch, der Robin
Im Spiel, als Koch wieder einen seiner derzeit ja leider typischen Katastrophenrückpassmomente hatte, da habe ich geflucht, in dieses WhatsApp. Ich sage es offen: „ich kann den Kerl so nicht mehr ertragen“, so waren meine Worte. Mit etwas Abstand relativiere ich mich etwas: ihm fehlte einfach der eine Abwehrspieler mehr. Ich weiß nicht, wie man das lösen könnte, außer mit Dreier- oder Fünferkette. Aber das Risiko ist zu groß. Das rächt sich gegen Freiburg vielleicht nicht, aber gegen andere Teams schon.
Nach-dem-Spiel-Tom
Nach dem Spiel ist vor dem Spiel. Debatte am Museum, Wer hat es wie gesehen? Und ich gebe zu: noch nie kam es mir so zwiegespalten vor wie dieses Mal. Die eine Hälfte war sauer, die andere zufrieden mit dem Punkt mit Blick auf die Kader- und Umbruchsituation.
Und dann kam der gute Tom (Grüße, mein Lieber!). Und dessen Meinung möchte ich versuchen, einmal wiederzugeben. Denn das hat mich nachdenklich gemacht. Er meinte:
„Erinnere dich mal an den Langweiler-Fußball unter Toppmöller, Ball hin, Ball her, immer schieben. Nach vorne kam nichts. Das war ja fast Energiesparmodus.
Jetzt geht es: Pressing, schieben, zack zack zack. Das raubt Energie. Deshalb pfeifen die Jungs irgendwann aus dem letzten Loch.
Ich finde, es wurde schon besser, man sieht das. Sie müssen den Spagat lernen zwischen Pressing und schieben und zack zack zack und auch mal fünf Minuten Energiesparmodus, halten und verwalten. Damit würde es auch für 90 Minuten reichen. Und dann wird das schon.“
Womit er irgendwie recht haben könnte, der gute Tom.
Und was ist nun?
Ist das jetzt ein Unentschieden der unzufriedeneren Art? Oder doch eher der zufriedeneren Art? Ich lege mich jetzt fest. Es ist eins der zufriedeneren Art. Danke Tom.
Und jetzt geben wir ab in die Länderspielpause.
(Titelbild: Alex Grimm/Getty Images)
Da hat unser alter Trainingskiebitz natürlich Recht. Tom, Grüße gehen raus!
UliStein[Zitat] [Antwort]