#SGEB04 – Scheißhaufen & beleidigte Leberwurst

Gestern am frühen Abend, als ich den Artikel hier so schraub, war das Titelbild eine Leberwurst. Jetzt ist es ein Scheißhaufen. Ein europäischer Scheißhaufen. Am Ende des Artikels dazu noch ein paar (warme) Worte. Und das trotz Freitag, Flutlicht. Wo eben beleidigtes Leberwursthausen kommt, ach nee, verwechselt, das heißt ja Bayer Leverkusen.

Wie ihr seht: der Herr korken meldet sich auf jeden Fall gehorsam aus dem Urlaub zurück. Und wird am heiligen Freitag Abend seinen Dauerkartenplatz fremd vergeben und sich samt Stöpsel in den Familienblock setzen. Spiel 1: 0:0 gegen die Hertha für ihn, Spiel 2 jetzt gegen Leverkusen. Flutlicht. Abend. Das wird eine lange, lange Nacht für den Zwerg, aber ich freu mich drauf. Er sich auch. Auf jeden Fall auf die Stadionpommes, ihr kennt das.

Auf jeden Fall heißt das für mich und uns: frühzeitige Anreise auf den Waldparkplatz, um nach dem Spiel einfach genauso zügig wieder in Richtung Heimat zu kommen, um dem dann müden Krieger einen flotten Weg in die heimische Bettfalle möglich zu machen.

Aber Schluss jetzt mit Persönlichem. Leverkusen, ein nicht gerade kleines Gewicht in der Liga. Mit unserem ehemaligem Goalie, dem wir vielleicht einfach vor dem Spiel noch 2…3 Bier einschenken sollten. Es ist, egal wie man das sehen will, ein 6-Punkte-Spiel zwischen dem 7. und uns, dem 9. der Tabelle. Verloren: 6 Punkte weg von Leverkusen, gewonnen, punktgleich dran. Aber das wisst ihr alle selbst. Aber ihr wisst ja ohnehin alles selbst, also bin ich einfach mal gespannt ob das Thema Möller weiter thematisiert wird im Stadion / in der Kurve. Naja, eigentlich ist es mir total egal, ob das thematisiert wird.

Jetzt kommen wir aber mal zum Scheißhaufen. Ich weiß gerade für mich nicht, was der größere Haufen ist. Die UEFA oder die Deppen, sorry, die mal wieder dafür sorgen, dass eine Menge Fans nicht zu europäischen Auswärtsspielen dürfen.

2 Spiele Auswärtssperre, vorbehaltlich einer Berufungsverhandlung. Leute, ernsthaft. Selbst der, die, das Dümmste müsste es mittlerweile verstanden haben. Werfen von Gegenständen, rausreißen von Sitzbänken, klettern über Zäune, das wird massiv geahndet. Eben mit Kollektivstrafen, Sinn hin oder her. Und es interessiert schlichtweg keinen, ob man provoziert wurde. Ist es auf der Straße anders? Wenn mich einer nötigt, ist er ein Arsch. Wenn ich ihm dann aus Prinzip reinfahre, dann bin ich der Depp und alleine schuld. Kapiert das endlich! Wie war das mit dem Aufräumen, dem Anfangen im Kleinen, was UliStein diese Woche ja hier thematisierte? (Siehe: https://maintracht.blog/2019/10/16/alles-frisch/).

Kaum war das Urteil raus, ging es auf meinem Handy in diversen Kanälen rund. Eigentlich jeder motzte, jeder. Über eben die gerade genannten Deppen, die sowas verursachen. Ich zitiere mit Erlaubnis einmal wörtlich:

Die Nordwestkurve bekommt von mir 0,00000 Euro für ihre Aktionen.

Da kann ich auch jedem Typ (Kurvengänger), der seinen Hund (“Straftäter” in der Kurve) auf meinen Gehweg scheißen lässt, noch 5 Euro geben.

ICH würde meinen Hund erziehen, wenn ich einen hätte. Das klappt nämlich, wenn man rechtzeitig damit anfängt. Notfalls kriegt er eben kein Leckerli oder er lernt es auf ‘ne andere Tour.

Außer Hundeeerziehung kann der Typ (s. o.) übrigens alles: Unternehmensberatung, Mitarbeiterführung, Teilchenphysik, Raumfahrt, Weltmeister in allem, usw. – nur eben nicht die Erziehung von dem Köter, der nicht nur mir vor’s Haus, sondern auch seinem eigenen Herrchen in den Garten kackt.

ein Fan und Maintracht-Leser

Ich habe, das gestehe ich, auch wenn viele damit trotzdem nicht einverstanden sein werden, dem nichts hinzuzufügen. Außer, dass mich – das ist ja nichts Neues für alle, die mich kennen – die Doppelmoral mittlerweile ziemlich ankotzt. Gemeinnützige Aktionen und tolle Choreographien auf der einen Seite, Totalausfälle, Sachbeschädigungen, Schäden an anderen Eintrachtfans mit Verhinderung europäischer Reisen und vielem mehr auf der anderen Seite.

Mir reicht es. Und, sorry Leute, das fängt schon bei dem an, was eben der UliStein diese Woche berichtete. Und das hat nichts mit Ventil zum Ablassen von Frust, Emotionen oder solchen Dingen aus dem Alltag zu tun. Jemand, der eine Sitzschale rausreißt und sie wem an den Kopf werfen will, der hat sich schlichtweg nicht im Griff und sollte sich mal schleunigst mit sich selbst und seinem möglichen inneren Frieden beschäftigen.

Es spricht nichts dagegen, während dem Spiel 90 Minuten voll auf Kontra zu gehen, wörtlich. Danach, ja, da kann man auch zusammen mit dem Gegner ein Bier trinken. Und vielleicht einfach zugeben: okay, ihr habt besser gespielt, Schwamm drüber.

Schluß mit meiner Tirade. Ich mag jetzt nicht mehr.

Und was tippe ich jetzt für den Freitag Abend? Wegen des Stöpsels natürlich einen 2:1-Heimsieg. Trotz Wettquoten 1: 2,9 X: 3,75 2: 2,2, trotz der Anekdote aus der Statistik: die letzten 10 Heimspiele gegen Leverkusen gingen wechselweise verloren und gewonnen. Letzte Saison gewonnen. Heißt also für heute Abend trotz Tipp… auweia.

Ich hab nix gesagt, Sportsfreunde. Und ich will nicht als und mit einer beleidigten Leberwurst nach Hause fahren. Und wegen der europäischen Scheiße, die mir und uns eingebrockt wurde, auch nicht. Jetzt gerade bin ich nämlich eine beleidigte Leberwurst.

7 Kommentare

  1. Voll einverstanden, nur dass ich der Fanvertretung schon längst empfehlen hätte, mit Mitgliedern aller Grüppchen einen eigenen Ordnungsdienst einzurichten (weiße Armbinde mit Adler), der dann in brenzligen Situationen die jeweils eigenen Mitglieder zu Ruhe und Besonnenheit aufriefe. Für dieses Mal zu spät, für die Zukunft……., die Fanvertretung könnte dann ja auch selbst professionelle Hilfe zu Rate ziehen, so dass es bei Offenlegung und Erfolg auch wieder gude Frankforder Worscht gäbe.

  2. Ich versteh das nicht …

    Es ging doch letzte Saison! Umso weiter wir gekommen sind: auf einmal war Ruhe! Da hatten sie (die Fans) die Chaoten selbst im Griff! Das geht und das KANN die TOLLE FANSCENE in den Griff bekommen … wenn sie WILL! Anscheinend ist es Ihnen derzeit noch nicht wichtig genug … ⁉
    Und das Schlimmste ist: die Fans fehlen grade auswärts der Mannschaft❗😈

  3. Für den gemeinen Verhaltensauffälligen ist es nunmal stets einfacher, durch etwas Destruktives Wirkung zu erzielen. Das ist schon im Krabbler-Alter so und im Kiga, wenn Klötzchenwerfen und Sandschmeißen schnelle Aufmerksamkeit garantieren. Das verlangt nicht, erst mühsam Sozialkompetenz erlernen zu müssen, korrekten Umgang und durch eigene Energieleistung positive Resonanz. Das ist anstrengend.
    Und selbstredend lauert im schlecht versteckten Selbstwertgefühl nur Düsternis und erfahrene Abwertung, hilflose Wut.
    Negativ, asozial, destruktiv, einfach scheiße zu sein, ist eben einfach einfacher.

  4. Sascha,

    und natürlich bräuchte es für den positiven Energieaufwand und dieses mühsame Korrektverhalten auch entsprechende Motivation und Sinnhaftigkeit über die pure Strafvermeidung hinaus.
    Hat es denn die UEFA, die DLF, der modern kapitalistische Geldmarktfußball VERDIENT, sich korrekt und soziaverträglich zu verhalten?
    (mal soziapädagogisch aus “Täterperspektive” jener betrachtet, die sonst stets nur zum Reaktiven verdammt sind)

  5. aus dem Internet:

    Eine erfolgreiche Erziehung baut auf der Anwendung einiger Regeln auf. Hunde lernen am schnellsten und sichersten durch positive Verstärkung, also Belohnung durch Leckerbissen, Loben, Spielen oder Streicheln sofort nach Ausführen einer vom Besitzer gewünschten Handlung. So ist zum Beispiel eine sogenannte Beißwurst ein stimulierendes Motivationsobjekt und wird bei der Ausbildung gerne eingesetzt. Sehr wichtig ist, dass Belohnung (und auch Strafe) unmittelbar nach der „Tat“ geschehen, schon zwei Sekunden Verzögerung sind für den Hund zu lang, um Tat und Wirkung zuordnen zu können und einen Zusammenhang mit seiner Handlung zu erkennen. Gelobt wird mit hoher, freundlicher Stimme, Spielen oder Leckerli. Auch Bestrafung erfolgt mit der Stimme – in einem Tonfall, an dem der Hund unseren Unmut erkennt, aber nicht durch Anschreien des Tieres. Eine geeignete „Strafe“, besser Zurechtweisung, ist ein energisches scharfes Ansprechen und beispielsweise die Worte „Pfui“, „Aus“ oder „Nein“.

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