Unrund

Der Ball ist rund und das Spiel dauert 90 Minuten. Diese und ähnliche Plattitüden werden im Gutscheinsender mit drei Euro für das Phrasenschwein bestraft. Und ich möchte auch nicht behaupten, dass die Bälle, die uns die Wolfsburger am Samstag um die Ohren spielten, unrund gewesen wären. Wobei, die haben uns mit 35% Ballbesitz eigentlich gar nichts um die Ohren gespielt. Die waren nur gnadenlos effektiv.

Nein, unrund ist das Spiel der Eintracht. Und das nicht erst seit Samstag, sondern eigentlich schon seit dem grandiosen 5:1 gegen die Bauern aus der bayrischen Landeshauptstadt. Denn seitdem hat man (bzw. habe ich) beim Betrachten des Geschehens auf dem Rasen ein ungutes Gefühl. Es ist eine Mischung aus Überheblichkeit, man kommt nicht mehr vernünftig in die Zweikämpfe, der Spielaufbau funktioniert nicht und die Stürmer, und zwar egal wer da vorne spielt, hängen in der Luft.

Ich bin übrigens nicht der Meinung, dass die Qualität der Spieler zu schlecht sei, um ein Saisonziel, nennen wir es mal erneute Qualifikation für Europa, diesmal gern auf direktem Weg, zu schaffen. Und ich bin auch nicht der Meinung von Korken, dass N’Dicka am Samstag ein Totalausfall gewesen sei.

Aber an N’Dicka lässt sich eins der in meinen Augen drängendsten Probleme der Eintracht Ende November 2019 festmachen: der Mannschaft fehlen Automatismen. Und so ist N’Dicka nach 61 Minuten ausgewechselt worden, nicht weil er der schlechteste auf dem Platz gewesen sei, sondern um die Balance zu verbessern. Denn sein Zusammenspiel mit Kostic hat einfach nicht geklappt, weil keiner wusste, wo der andere hinwollte, wie die Laufwege sind und so weiter. Dann kam halt da Costa für ihn, und Hinteregger konnte wieder nach links. Hat halt am Ende nichts geändert.

Nur für mich ist diese Personalie symptomatisch. Und zeigt, dass uns jetzt der Umweg über die EL-Quali auf die Füße zu fallen scheint. Denn dadurch, dass Hütter nach über 20 Pflichtspielen seit Juli gezwungen ist zu rotieren, ist jetzt zu merken, dass es im Training nicht möglich ist, die Backup-Spieler mit den Stammspielern zusammen einzuspielen. Und dann kommen halt solche Spiele raus wie gegen Freiburg, Lüttich und Wolfsburg. Wobei Lüttich natürlich auch Pech war. Aber egal.

Und dann kommt noch dazu, dass die Spieler, die derzeit nicht so besonders sicher und von ihrem Können überzeugt sind, dazu neigen, eher einen Sicherheitspass zu spielen, als den ambitionierten Vertikalball zu riskieren. Am Samstag exemplarisch zu sehen bei Hinteregger, Hasebe und Sow. Für mich war das Spiel verloren, als Rode zur Pause in der Kabine blieb, denn der hatte sich wenigstens noch etwas getraut. Wie übrigens auch (leider mal wieder vergeblich) Gacinovic.

Überhaupt Hinteregger. Der war für mich am Samstag nahezu ein Totalausfall, denn er spielte nicht nur lauter Quer- und Rückpässe, spielte auf der (für ihn) falschen Seite und brachte Wiedwald vor dem 0:2 mit einem extrem schlechten Pass (war der mit rechts gespielt?) in die Bredouille. Wenn man ihm freundlich gesinnt ist, wie ich es eigentlich bin, muss man leider feststellen, dass ihm auf der rechten Seite jegliche Automatismen und Selbstsicherheit abhanden gekommen sind und hoffen, dass er sich links wieder besser präsentieren wird.

Was bleibt? Wenn ich jetzt Trainer wäre, würde ich versuchen, mit einer Stammelf in die Winterpause zu kommen, die ich nur noch punktuell und bei Bedarf verändere. Ein System, vierzehn, fünfzehn Spieler und dann Augen zu und durch. Denn eigentlich ist das restliche Programm in der Liga bis zum Jahresende dafür gemacht, jetzt nochmal neun bis zwölf Punkte mitzunehmen. Ein guter Anfang dazu wäre ein selbstbewusster Auftritt Donnerstag in London.

2 Kommentare

  1. Der Tenor dieses Beitrags gefällt mir wieder sehr viel besser (dein letzter war mir völlig übertrieben pessimistisch)!
    Und ich glaube auch, dass Hütter die gleiche Idee hat (“zurück zu den Wurzeln”)!
    Also hoffen wir das Beste und vertrauen wir unserer Mannschaft!
    FORZA SGE❗

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