#SGE – Kopfsache. Ausschließlich.

Eigentlich ist das doch nicht zu fassen. Da gewinnt die Mannschaft der SGE nach gefühlt hundert Anläufen mal wieder beim FCBäh. Da schlägt die Eintracht im Europapokal den etatmäßigen Champions-League-Teilnehmer Olympiakos Piräus im Waldstadion verdient mit 3:1. Und dann verliert man gegen die Truppen aus Bochum und vom Big Shitty Club beinahe chancenlos, um nicht zu sagen peinlich? Das kann doch einfach alles gar nicht wahr sein.

In gewisser Weise ist die Diagnose ja einfach. Eigentlich können sie es ja. Hinteregger kann ein ganzes Spiel lang konzentriert verteidigen und gezielt das Spiel aufbauen. Kamada kann offensive Akzente setzen und defensiv effektiv stören. Kostic kann die Linie rauf und runter sprinten, kluge Pässe schlagen und defensive Akzente setzen. Trapp kann auf der Linie und im Strafraum über sich hinauswachsen. Und so weiter und so fort. Wenn alle Spieler 100% und mehr bringen ist bzw. wäre die Mannschaft der SGE ein Kandidat mindestens für Europa, wenn nicht gar für die Champions-League. Ob mit oder ohne Silva. Das behaupte ich einfach mal.

Aber, und das ist die Diagnose, es stimmt etwas nicht im Kopf der Spieler; irgendetwas führt dazu, dass die Jungs viel zu oft maximal Dienst nach Vorschrift machen. Und damit verlierst Du auch in der ersten deutschen Bundesliga nun mal sogar gegen Bochum oder BSC. Und das, meine lieben Freunde des gepflegten Ballsports, das ist nun der Punkt, an dem der Trainer ins Spiel kommt. Denn wenn wir mal davon ausgehen, dass die körperlichen Voraussetzungen für 90 Minuten stimmen, und wir weiterhin wissen, dass sie es können (siehe oben), dann müssen wir davon ausgehen, dass der Trainer die Mannschaft entweder nicht richtig einstellt, oder er sie, viel schlimmer, nicht erreicht.

An dieser Stelle ein kurzer Rückblick in die Saison 2014/15, im übrigen die Saison, als Thomas Schaaf bei der Eintracht an der Seitenlinie stand. Damals erzählte mir jemand nach der Saison, als der Trainer dann schon nicht mehr der Trainer war, was in dieser Saison so schiefgegangen war. In Kurzform hatte der neue Trainer Schaaf versucht, der Mannschaft ein Spielsystem (viele nannten es damals Harakiri) aufzudrücken, in dem sich die Mannschaft überhaupt nicht wohlgefühlt habe. Da wurden zwar von den ersten zehn Ligaspielen immerhin drei gewonnen (Freiburg, HSV, Köln) aber es wurde eben auch 0:1 gegen Augsburg, 4:5 gegen Stuttgart (beide zu Hause) oder 3:1 in Paderborn und 0:1 in Hannover verloren. Und man stand bei 12 Punkten nach 10 Spielen.

Danach sei es, so berichtete mir mein Kontakt, zu einer Aussprache zwischen Mannschaft(srat) und Trainer gekommen, bei der man sich darauf geeinigt hatte, dass bewährte System zu spielen. Also nahm sich Schaaf etwas zurück und die Mannschaft gewann von den folgenden sieben Ligaspielen (gegen Gladbach, den BVB und Bremen) drei, spielte unentschieden gegen Hertha und Leverkusen und verlor “nur” gegen Bayern und Hoffenheim. Ergab 23 Punkte zur Winterpause.

Und dann kam das Trainingslager vor der Rückrunde, und der Trainer wollte wieder zu seinem System zurück. Und die Mannschaft wollte nicht. Resultat: der Trainer verlor den Zugang zur Mannschaft und eine sehr, sehr anstrengende Rückrunde nahm ihren Lauf. Zwar wurden immerhin 20 Punkte geholt, jedoch wechselten gute Spiele mit krachenden Niederlagen, z.B. 1:4 gegen Freiburg, 1:3 gegen Mainz, 2:4 gegen Köln und 1:3 gegen Stuttgart. Immer, wenn es darauf ankam, zeigte die Mannschaft, dass es geht. Aber man muss im nachhinein schon fragen, was wäre möglich gewesen, wenn Mannschaft und Trainer immer an einem Strang gezogen hätten? Also außer der Torjägerkanone für Alex Meier?

Was das mit heute zu tun hat? Mein Eindruck ist, dass der Trainer vor der Saison über den schon kräftigen Umbruch hinaus willentlich Strukturen in der Mannschaft aufgebrochen hat. Und ich weiß nicht, ob er dabei immer ein glückliches Händchen hatte, Stichwort Kapitänsamt. Stichwort, dass Neuzugänge teilweise etablierten Spielern vorgezogen wurden. Alles schwierig in so einer Situation. Denn, bei allem Umbruch, der Kern dieser Mannschaft hat letztes Jahr die Champions-League nur ganz knapp verpasst. Und jetzt krebsen wir am Tabellenende rum?

Ich bin ganz persönlich der Meinung, dass es so nicht mehr lange weitergehen kann und sich der Trainer in den bis zur nächsten Länderspielpause anstehenden Spielen gegen Leipzig, Piräus und Fürth eigentlich keine Niederlage mehr leisten kann. Für mich sind da eigentlich vier Punkte aus den zwei Ligaspielen das absolute Minimum, um den Europa-Pokal mal außen vor zu lassen.

Titelbild: Lars Baron/Getty Images