Quo vadis #SGE? Kadergedanken Teil 3 und Schluss

von Schnix

Nachdem wir uns im ersten Teil mit Tor und Abwehr beschäftigt haben und der zweite Teil dem Mittelfeld gewidmet war, geht es hier und heute um den Sturm und das unvermeidliche Fazit.

9 Randal Kolo Muani

Wir haben Stürmer, die in einem WM-Finale herausragen. Ums gleich geschrieben zu haben, gelle, sgevolker… Na gut, fangen wir damit an. Durch die Verletzung eines Hochkaräters gerade so noch ins Team der Equipe Tricolore nachnominiert worden, nachdem er sowieso gerade erst in diesem Jahr dort sein Debüt gegeben hatte, avancierte er selbst zu einem Hochkaräter und zu einem der prägenden Spieler eines der hochklassigsten WM-Finales aller Zeiten. In der 41. Minute wurde er für Dembélé (!!) eingewechselt, und, das darf man auch nicht vergessen, Thuram für Giroud. Ein spektakulärer Wechsel so kurz vor der Halbzeit und eine starke Reaktion von Deschamps auf das 0:2 kurz vorher und eine argentinische Mannschaft, die sein Team komplett dominierte. Direkt nach seiner Einwechslung eroberte Kolo Muani sofort einen Ball, den er aber auch wieder verlor. Trotzdem war das ein Zeichen. Es dauerte zwar noch etwas, bis die beiden Wechsel so richtig Wirkung zeigten, aber ab da begannen die Franzosen, die vorher so gar nichts auf die Kette bekommen hatten, nach vorne zu spielen und so richtig am Spiel teilzunehmen. Bis dahin hatten sie ihr Spiel gespielt, so wie sie es das ganze Turnier gespielt hatten und auch 2018 Weltmeister wurden. Otto Rehakles hätte seine helle Freude daran gehabt: Kontrollierte Offensive. Defensiv extrem kompakt, und irgendwann macht Mbappé oder eine der anderen Raketen sowieso ein Tor. Reicht. In diesem Spiel allerdings hätte das nicht gereicht. Argentinien war klar stärker. Frankreich wird oft vorgeworfen, sein Potenzial gar nicht zu nutzen, und kein berauschendes Offensivfeuerwerk abzubrennen. Vielleicht wäre das möglich, und die würden Alles komplett überrennen und jedesmal zweistellig abschießen. Vielleicht aber hat Deschamps auch genau die richtige Balance gefunden zwischen Offensivpower und defensiver Ordnung. Vielleicht würden diese massenhaft Hochbegabten viele Tore schießen, aber vielleicht muss man diese Jungs alle bremsen, damit sie nicht alle nach vorne rennen und dann genauso viele oder, im schlechtesten Fall, noch mehr Gegentore fangen. Der Versuch, jedes Spiel mit 8:6 zu gewinnen, würde mich jedenfalls begeistern…

Randal ist jetzt jedenfalls ein Teil davon, und hat seine Geschichte in diesem Finale geschrieben. Mehr und mehr hat er durch sein Pressing und seine hohen Ballgewinne das Spiel beeinflusst. Den Elfmeter zum 1:2 hat er herausgeholt, und bei vielen Situationen, die gefährlich für das argentinische Tor wurden, hat er seine Füße oder seinen Kopf im Spiel gehabt. Auf jeden Fall hat er der französischen Mannschaft neue Energie gegeben. Ab der zweiten Halbzeit war es eines der rasantesten Fußballspiele, dass ich je gesehen habe. Normalerweise ist die Verlängerung in so einem Finale eher zäh, keiner will mehr in Rückstand geraten, weil dann nur noch wenig Zeit und Kraft da ist, um wieder auszugleichen. Nicht so in diesem Spiel. Die haben beide weiter voll auf dem Gaspedal gestanden. Beide haben voll auf Sieg gespielt. Und beide hatten alle Chancen dazu. Die erneute argentinische Führung wird egalisiert, und dann kommt Randals großer Moment. Klasse freigelaufen bekommt er ein hohes Zuspiel, das er super direkt abschließt mit einem wuchtigen Flachschuss ins Eck. Das wäre die Entscheidung gewesen in der 123. Minute. Doch Martinez reagiert prächtig und pariert den Schuss mit einer grandiosen Fußabwehr. Ja, vielleicht hätte Randal den Ball besser ins andere Eck geschlenzt, aber vielleicht hätte der überragende Martinez auch das antizipiert und abgefangen. Wäre der reingegangen, wäre wohl nicht mehr angepfiffen worden vom klasse Schiedsrichter, und Frankreich hätte, durch das Tor von Kolo Muani seinen Titel verteidigt. Hätte, hätte, Fahrradkette. Ist aber nicht reingegangen, und vielleicht ist ihm damit auch einiges erspart geblieben, er kann ja mal bei Mario nachfragen. Natürlich wird er sein Leben lang an diesen „Fehlschuss“ denken, aber ich denke, der ist positiv genug, dass ihn das nicht blockieren wird. Und zur ganzen Wahrheit gehört ja auch dazu, dass Argentinien tatsächlich im Gegenzug, den es ja noch gab, fast seinerseits das entscheidende Tor erzielt hätte! Das wird allzu leicht vergessen. Und Randal hat seinen Teil weiter erfüllt, im Elfmeterduell hat er Seinen versenkt, und ist damit der einzige Franzose außer Mbappé, der im Finale getroffen hat. Verrückt! Und irgendwie, trotz Mbappé, dem Mann vom anderen Stern, derjenige, der Frankreich erst zurück in dieses epische Spiel gebracht hat. Ohne ihn wäre das vermutlich eher 3:0 für Argentinien ausgegangen. So hat er uns, mit allen Anderen natürlich, ein unvergessliches Fußballfest beschert.

So wie er uns, seit seiner Ankunft aus Nantes, jede Menge unvergessliche Fußballfeste beschert. Topscorer der Bundesliga, in seiner ersten Saison. Rakete! Das war so nicht unbedingt zu erwarten. Ja, in Nantes war er der Topmann, aber wie immer musste man damit rechnen, dass so ein junger Kerl eine Weile braucht, um sich an eine neue Mannschaft in einer neuen Liga in einem neuen Land zu gewöhnen. Völlig normal. Aber nix. Der Typ startet einfach durch. Ja, man sieht die fehlende Feinabstimmung bei den Laufwegen. Das ist aber völlig wurscht! Der rennt einfach alles in Grund und Boden. Kein gegnerischer Defensivspieler kann sich sicher sein, den Ball zu haben, wenn Randal auch noch so weit weg scheint. Mit seiner Schnelligkeit überbrückt er auch Distanzen in kürzester Zeit, die einem Gegner das trügerische Gefühl von Sicherheit geben. Aufgrund seiner Leichtbauweise und seiner engen Ballführung ist es ihm möglich, auch bei Höchstgeschwindigkeit noch Haken zu schlagen wie ein Karnickel. Fast kein Gegner kommt da noch mit. Und nein, Kilchi, Kolo Muani ist nicht „bullig“! Marcus Thuram ist „bullig“. Der bringt bei 1,92m 88 Kilo auf die Waage. Das ist „bullig“. Romelu Lukako ist „bullig“. Randal ist nur 5cm kleiner als Thuram, aber 15 (!!) Kilo leichter. Das beliebte „schmächtig“ würde es jetzt auch nicht ganz treffen, aber vielleicht könnte man es mal mit „feingliedrig“ versuchen. Allerdings entfacht Randal durch seine ungeheure Dynamik eine formidable Wucht nach vorne. Durch sein Leichtgewicht hat er einen exorbitanten Antritt auch auf den ersten Metern, anders als Thuram, der in der Endgeschwindigkeit wohl gleich schnell ist, aber viel länger braucht, um auf diese zu kommen. Der Vorteil eines so antrittsschnellen Spielers ist natürlich, dass er viel tiefer an der Abseitskante lauern kann. Der braucht keinen zeitlichen Tempovorteil um einen Gegner abschütteln zu können. Dadurch ergibt sich noch ein weiterer großer Vorteil: Seine Mitspieler haben nicht nur die Option ihn steil zu schicken, weil er schon gestartet ist, sondern er steht auch noch als Anspielmöglichkeit an der letzten Linie zur Verfügung. Er kann dann situativ entscheiden, ob er sich aufdreht und das Dribbling sucht, ob er sich selbst den Ball vorbeilegt und startet, oder klatschen lässt und geht oder aus so einer hohen Position einen dann gefährlichen Querpass spielt. All das hebt das Angriffsspiel der Eintracht auf ein anderes Niveau, mit so einer Rakete sind wir viel variabler und schwerer auszurechnen, auch wenn der augenscheinlichste Vorteil erstmal Randals Topspeed als Konterspieler scheint. Aber er ist viel mehr. Viele verzweifeln ja, wenn er mal wieder Rebic-like in mehrere Gegenspieler reinrennt und dann per Schienbein-Flipper weiterkommt oder eben nicht. Er müsse viel mehr und viel früher abgeben. Macht er doch. Er ist der Top-Vorbereiter der Liga.

Gewöhnt ihm bloß nicht das ungestüme, wilde, ursprüngliche Straßengekicke ab! Das macht ihn so einzigartig, so unberechenbar. Ja klar, er muss noch lernen, noch viel lernen. Aber bitte ganz langsam und vorsichtig, so dass ihm der ihm eigene Spielstil nicht verloren geht. Er ist einer der Spieler, denen nicht in einem Leistungszentrum frühzeitig seine Kreativität wegdiszipliniert wurde. Nein, ich will damit nicht sagen, dass das immer in Leistungszentren passiert, aber das ist eine große Gefahr. Dafür lernen die Jungs andere Sachen, die Randal sich jetzt erst draufschaffen muss. Er wird lernen, mit mehr Erfahrung besser die richtigen Entscheidungen zum Abspiel oder Alleingang zu finden und den optimalen Zeitpunkt dafür. Er wird lernen, sich taktischer zu verhalten, seine Kräfte noch besser einzuteilen und ein Spiel zu lesen. Aber bitte ganz behutsam. Er muss auch lernen, seine Antritte und abrupten Stopps und Drehungen besser zu dosieren. Sehr oft ist zu sehen, dass er wegrutscht. Das hat mit den enormen Kräften zu tun, die auf die wenigen Quadratzentimeter Auftrittsfläche einwirken. Wenn er schwerer wäre, würde er ständig nur auf die Fresse fliegen. Es ist sehr schwierig abzuwägen, ob er es mit anderen Schuhen und längeren Stollen versuchen soll. Ich meine nein. Denn dann hätte er in manchen Situationen mehr Grip, vielleicht bei seinen extremen Drehungen aber zuviel für seine Bänder, dann reißt er sich selbst das Kreuzband. Natürlich gibt es immer auch die Gefahr, sich beim Ausrutschen zu verletzen, aber meistens zumindest sind das dann eher Zerrungen oder Muskelfaserrisse. Auch blöd, aber bei fixiertem Fuß und darüber abscherendem Bein gibt es die übleren und langwierigeren Verletzungen. Also muss man ihm beibringen, das vielleicht etwas besser zu dosieren. Und wenn man Gefahr läuft, dass er darüber seine Stärken einbüßt, dann hört auf damit, ihm was Neues beibringen zu wollen und lasst ihn einfach so weiter kicken. Ungestüm, unorthodox, unbekümmert, rasant, total fröhlich mit irren Wendungen und fulminanten Abschlüssen (Lissabon!), Gegner schwindelig spielen und zu Schnecken degradieren. Vielleicht bleibt er irgendwann mal stehen und wartet auf einen Gegner, den er gerade ausgespielt hat, um ihn nochmal auszuspielen. Einer der spektakulärsten Spieler, die ich je im Waldstadion gesehen habe. Der allein ist das Eintrittsgeld wert. Was für eine Rakete! Bin ich begeistert? Jaaa!!!

11 Faride Alidou

Auch der Junge ist ein Beleg dafür, wie sehr sich die Eintracht in der Wahrnehmung verbessert hat. Ein deutscher U21-Nationalspieler wäre noch vor kurzem unerreichbar gewesen. Jetzt kommt so einer ablösefrei! Weil er hier Perspektiven für sich sieht. Und wir ihm diese bieten können. Nachdem der doofe HSV ihn nach Bekanntgabe seines Wechsels kaum noch eingesetzt hat (gut, man kann sich auch den Inhalt eines ganzen Trommelrevolvers ins eigene Knie schießen, Wiederaufstieg ist ja anscheinend bäh…!), hat Alidou bei uns schon seine Einsatzzeiten bekommen. Und man kann sehen, was sich die Verantwortlichen bei seiner Verpflichtung gedacht haben. Auch ein ungemein schneller Spieler, der mit einer guten Technik sehr variabel einsetzbar ist. Faride ist ebenfalls ein unorthodoxer Dribbler, der damit und mit seiner Geschwindigkeit viele Gegner vor große Probleme stellen wird. Ja, auch der muss noch lernen, seine Stärken zielgerichtet einzusetzen, er ist noch jung. Allerdings hält Glasner ihn für so diszipliniert, dass man ihn auf verschiedenen Positionen bringen kann und er die Vorgaben umsetzt. Wo das hinführen kann, hat man im Rückspiel gegen Tottenham gesehen: Anschlusstor gemacht, ungeheuer viel Druck entfacht, und fast noch den Ausgleich geschossen. Beinahe hätte er alleine noch das Spiel gedreht. Leider ist Lloris auch kein ganz Schlechter. Ich lege mich fest: Der braucht noch ein bisschen, aber auch der wird uns schon sofort viel Freude machen.

19 Rafael Borré

Was wurde der Rafa am Anfang gedisst. Zu klein, hieß es. Zu wenig torgefährlich. Zu „schmächtig“. Pah! Ich habe schon damals in dieses Internet geschrieben, dass ich dem, diplomatisch beschrieben, deutlich untergroßen Kilchi wünsche, er möge mal mit dem „schmächtigen“ Borré zusammenstoßen. Wenn er dann, mehrere Meter abgeprallt, nach Luft schnappend wie ein Käfer auf dem Rücken in der Ecke liegt, denkt er vielleicht nochmal über die Bezeichnung „schmächtig“ nach. Borré hat sich in der argentinischen Liga als Torjäger durchgesetzt, und die sind da keine Kinder von Traurigkeit. Ein extrem robuster Spieler. Gut, wenn man Kun Agüero betrachtet, geht es auch noch krasser. Aber der Rafa versteht es extrem gut, seinen Körper einzusetzen. Ähnlich wie Hase auf der anderen Seite des Spielfeldes, der nun nicht ganz so robust ist, gewinnt er sehr viele Duelle gegen körperlich vermeintlich überlegene Spieler. Aber es ist eben nicht immer nur die schiere Größe. Viel ist abhängig von einer körperlichen Stabilität und perfektem Timing und geschicktem Zweikampfverhalten. Wie viele lange, hohe Bälle der festmacht, ist beachtlich. Als vorderstes Pressingmonster ist der zuallererst für den Eintracht-Style verantwortlich. Unglaublich, wie ausdauernd und unermüdlich er die Gegner anläuft. Und das nicht alibimäßig, nein, der will den Ball und zeigt das dem Gegner auch. Jeder Gegner muss Angst haben wenn Rafa auf ihn zugerast kommt. Druck, Druck, Druck. Eine der prägendsten Eigenschaften, die ich an Rebic so geliebt habe, der büffelt los und zieht nicht zurück. Und jetzt ist da dieser kleine Kerl aus Kolumbien, der das genauso, aber viel ausdauernder macht. Phänomenal! So einen willst du in der Mannschaft haben! Rennen und kämpfen ist das eine, das geht immer mit dem entsprechenden Einsatzwillen, aber er hat auch eine richtig gute Technik und einen guten Blick für die Mitspieler.

Es ist, wie immer, schwierig, sich an eine neue Mannschaft, neue Aufgaben, eine neue Liga, andere Spielweise, neues Land, andere Sprache usw. zu gewöhnen. Rafa hat das schnell geschafft. Und nach und nach ist sein Wert für die Mannschaft auch anerkannt worden. Erinnert Ihr Euch an sein Last-Minute-Tor gegen Fürth? Den musst du erstmal aus diesem Winkel in diese kleine Lücke reinmachen! Bärenstark! Und 8 Tore und 6 Vorlagen in der Liga in der ersten Saison ist so schlecht nicht. Da gab es andere, die länger gebraucht haben. Zu ganz großer Form ist er dann in der EuroLeague aufgelaufen. Als es wichtig wurde, war er da! In allen vier Partien zum Schluss hat er gescort. Angefangen mit diesem Ding in Barcelona, Alle brüllen „Gib ab, gib ab!!“ weil Kamada links von ihm frei startete. Und dann weiß ich noch, wie das ganze Stadion, mich eingeschlossen, einen laaangen, gaaanz laaangen Moment brauchte, um den Mund wieder zuzuklappen und losbrüllen zu können, als diese Fackel hinter TerStegen im Winkel eingeschlagen ist. Ein Moment fürs ganze Leben, ach was, für die Ewigkeit! Und der Verursacher des Ganzen hat die Größe, in diesem Trubel eine Geste für sein kurz zuvor verstorbenes Vorbild, ebenfalls ein Träger der Nummer 19, Freddy Rincón, den großen kolumbianischen Nationalmannschaftskapitän in die Welt zu schicken. Deswegen hat er auch nicht gejubelt, sondern abgewunken und so traurig in die Kameras geguckt. Ist etwas untergegangen in dieser Euphorie. Zeigt aber, was für ein feiner Kerl der Rafa ist. Und, im Nachhinein betrachtet, wie schwer dieses Spiel für ihn in Barcelona gewesen sein muss. In London dann flankt er in der 2. Minute den Ball so fein auf Ansgars Schädel, dass selbst der ihn nicht mehr versammeln kann. Im Rückspiel erledigt er dann die Hammers höchstselbst, das feine Zuspiel von eben jenem Ansgar veredelt er perfekt. Im epochalen Finale dann bringt er uns mit seinem sensationellen Reinspringen in Kostics Flanke zwischen zwei verblüfften schottischen Abwehrhünen wieder zurück ins Spiel. Der abschließende Elfmeter samt Küsschen von Trapp und konzentriertem Anlauf wird sich ins kollektive Gedächtnis all jener eingebrannt haben, die hingucken konnten. Sein ungläubiger Blick, als er ohne Trikot hochgehoben wird und mit weit aufgerissenen Augen staunend über das Erreichte jubelt, ebenfalls. Rafael Borré, Europapokalheld für immer!

In der aktuellen Saison hat der Held es schwer, weil Randal so eingeschlagen ist. Eigentlich hatte man gedacht, dass er sich mit einem so schnellen Sturmpartner an seiner Seite leichter tut und noch gefährlicher wird. Ich vermute, dass das auch der ursprüngliche Plan war. Nun hat sich aber herauskristallisiert, dass das System mit Randal ganz vorne und Lindström und Kamada und Götze dahinter bestens funktioniert. Pech für Borré! Aber so ist es manchmal, die Meriten von gestern zählen nicht, wenn ein noch besserer oder gerade besser ins veränderte System Passender kommt. Und das hat überhaupt nichts mit Rafas Standing bei Glasner und in der Mannschaft zu tun. Der ist als absoluter Teamplayer hochgeschätzt! Ich kann absolut verstehen, dass er nun Schwierigkeiten mit der aktuellen Situation hat, gerade noch unverzichtbarer Immerspieler, selbst nach strapaziösen Länderspielreisen, und Pokalheld, auf einmal Ergänzungsspieler. Immer noch wichtig, aber jetzt in einer gänzlich anderen Rolle. Extrem schwierig, sich da entsprechend zu motivieren und die Selbstverständlichkeit wiederzufinden. Fantastisch war sein uneigennütziges Abspiel auf Alario, weil er wusste, wie wichtig dem das Tor gegen seinen Ex-Club ist, und obwohl er ein Tor selbst gerade gut gebrauchen hätte können. So ist er! Der will, der will immer, aber er kann momentan nicht so, wie er will. Ich hoffe, die bekommen das hin, ihn wieder in die Spur zu bekommen. Ein großartiger Kicker, der ganz besonders exemplarisch für den Eintracht-Style steht! Ich hoffe, er bleibt, und glaube auch, dass wir ihn gut gebrauchen können. Andernfalls würde ich ihm einige heiße Tränen hinterherweinen.

21 Lucas Alario

Bei seiner Verpflichtung war ich total begeistert. Vakanz als Abschlussspieler in der Mitte erkannt, Lücke geschlossen. Ein erfahrener, kompletter Strafraumstürmer, der mit allen möglichen Körperteilen bucht. Beidfüßig, Kopfballstark. Damals noch im Kader der argentinischen Nationalmannschaft, ein Stürmer aus einem Regal, das vor kurzem noch unerreichbar für die Eintracht war. Auch bei ihm hatte ich erwartet, dass er im Wechsel mal mit Kolo Muani, mal mit Borré im Sturm spielt. Wie wir jetzt wissen, kam es anders. Auch für ihn natürlich eine äußerst unbefriedigende Situation. Er ist zu uns gewechselt, um mehr Spielzeit zu bekommen als vergangene Saison in Leverkusen, wo Patrik Schick halt blöderweise alles in Grund und Boden geschossen hat. Jetzt schießt halt hier, blöderweise für Lucas, Randal alles in Grund und Boden. Tja. Der kann alles, über den braucht man eigentlich nicht viele Worte zu verlieren. Ein Pressingmonster ist er sicher nicht, da muss er sich dann ganz klar hinter Rafa anstellen, aber Abschlüsse und Vorlagen kann er, aus jeder Lage, vor dem hatte ich gegen Leverkusen immer Angst. Einer, der jetzt nicht sonderlich viel rackert und rennt, eher der Typ Spieler, der die ganze Zeit scheinbar irgendwo dumm rumsteht, dir dann aber zweimal die Pille reinstolpert oder -ballert. Da denkste dann, naja, hatter Glück gehabt, dasser zufällig da stand, aber nix da, der weiß schon ganz genau, wo er wann sein muss, damit es gefährlich wird. Nun ist er im Moment etwas außen vor. Ein Stürmer braucht aber Erfolgserlebnisse, im Volksmund auch Tore genannt. Und spielen will er natürlich auch, mehr als die grob 600 Minuten letzte Saison in Leverkusen, deshalb ist er extra zu uns gewechselt. Ich denke, das war auch realistisch, niemand konnte ja ahnen, dass Randal so Randale macht. Dass der gut ist, war klar, dass er sooo einschlägt und eben auch noch so prägend für unser Spiel ist, konnte man nicht wissen. In Leverkusen hatte Alario im Schnitt pro Saison in 25 Spielen ca. 1.200 Minuten gespielt und dabei zuverlässig zweistellig gescort. Jetzt noch weniger als in der letzten Saison zu spielen, ist für ihn sicher extrem frustrierend. Und es bekommen nur die aller wenigsten hin, dann in den wenigen Einsatzminuten total zu explodieren und sich dadurch mehr in die Mannschaft zu spielen. Sehr schwierig, gehört doch auch ein großes Quäntchen Glück dazu. Intrinsische Motivation ist für alles was man macht sehr wichtig, aber im Leistungssport ist sie noch viel wichtiger, eben auch eine Zeit belohnungsunabhängig (keine Einsätze/keine Tore) auf höchstem Niveau weiter arbeiten zu können. Ich glaube nach wie vor an die Qualitäten von Alario, die Frage wird sein, ob er genug Gelegenheiten bekommt, sie zu zeigen, oder sie eben auch bei ganz wenigen Gelegenheiten zeigen kann. Hoffentlich schaffen es die Trainer und Kollegen ihn bei Laune zu halten und etwas zu pushen, der könnte im Saisonverlauf noch ganz wichtig werden, man stelle sich nur mal vor, Gott behüte, Randal würde sich verletzen. Aber auch so gibt es bestimmt Gelegenheiten, ich hoffe, Lucas ist dann da.

29 Jesper Lindström

Am 15.4. letzten Jahres saß ich mit Freunden in einem netten Restaurant in Barcelona (da gibt’s einige davon…) zum Abendessen und es war nicht zu übersehen, warum wir dort waren, und unser Gesprächsthema war auch eindeutig. Also kamen wir zwangsläufig mit einem netten Dänen aus Taastrup am Nebentisch ins Gespräch. Er erzählte, dass er aus dem Geburtsort von Lindström sei, Bröndby-Fan und extra zum Spiel Barça gegen unsere glorreiche SGE hergekommen, um Jesper zu sehen. Der habe einen großen Anteil daran gehabt, dass Bröndby Meister geworden sei, und wir hätten ihn viel, viel, viel zu billig bekommen. Aber er beglückwünschte uns und sagte, er hätte ja jetzt gesehen, dass Lindström in einer tollen Mannschaft gelandet und bei uns gut aufgehoben sei. Und sagte, wir würden noch viel Spaß mit ihm haben.

Nun, bei Jobbe hatte ich mich ja auch schon sehr früh weit aus dem Fenster gelehnt. Ich finde, das war schon sehr früh zu sehen, was der Junge alles draufhat. Jaja, noch jede Menge Feinschliff nötig, aber echt eine Rakete. Man könnte darüber streiten, ob er in der Kategorie Sturm richtig aufgehoben ist, weil er bei Bröndby Mittelfeld gespielt hat und bei uns in der Liga zumindest nominell auch in 9 von 14 spielen diese Saison. Allerdings hat er diese so offensiv interpretiert, natürlich vom Trainer gewollt, dass er tatsächlich eher als Stürmer aufzuführen ist. Welchen Stellenwert er mittlerweile bei uns hat, kann man daran ermessen, dass doch sehr viele, die ihn noch recht lange als zu leicht (oder eben „schmächtig“…) gewogen haben, doch sehr in Sorge waren, ob er rechtzeitig zum Finale in Sevilla wieder fit wird.

Ein Spieler, der, wenn er klar im Kopf bleibt, woran ich bei ihm keine Zweifel habe, und er von größeren Verletzungen verschont bleibt, früher oder später auch bei einem großen, reichen Club landen wird. Leider für uns wohl auch eher früher. Mit seiner grandiosen Technik, seiner Übersicht schon in jungen Jahren, seiner Spielfreude und seinen Ideen, und vor allem natürlich mit seiner überragenden Schnelligkeit und Dynamik ist er für jede Mannschaft eine echte Waffe und stellt jede Defensive vor Probleme. Genauso wie Kolo Muani muss er nicht wie langsamere Stürmer vorher loslaufen um die letzte Reihe zu überlaufen. Er kann genauso erst mal in Ruhe abwarten und als Anspielstation zur Verfügung stehen und dann losrennen. Er ist im Antritt so viel schneller als fast alle Abwehrspieler, dass er dann nicht mehr einzuholen ist. Er nutzt seinen Raketenantritt auch sehr geschickt, um sich aus engen Situationen zu befreien, er legt den Ball einfach ein ganzes Stück aus der umkämpften Zone, und befreit sich dadurch vom Gegnerdruck. Wieder am Ball hat er Zeit und Raum für neue Aktionen. Genauso nutzt er seinen Antritt beim Pressing, oft denkt der Gegenspieler, er habe genügend Abstand zu Jesper, doch der ist blitzartig da und holt sich den Ball. Dadurch gibt es viele hohe Ballgewinne, die dann für den Gegner sehr gefährlich werden, doch ist er auch in der Defensive mittlerweile sehr effektiv. Er läuft viele Räume zu und kann dank seiner Schnelligkeit noch viele Löcher für seine Kollegen stopfen und tut das auch. Offensiv gibt es kaum einen Spieler, dem ich so gerne zusehe. Rasend schnell in der Endgeschwindigkeit, nutzt er den vollen Umfang seiner Dynamik, Stopps, Antritte und wieder Stopps und hasenartige Haken, gepaart mit einer überragenden Technik. Ein Spieler, der sich nicht den Ball vorlegen muss und dann hofft, dass die zwei Kontrollkontakte im Sprint gelingen, nein, er hat eine tolle Ballkontrolle und enge Ballführung und eine ungeheure Spielfreude und Spielwitz. Ein toller Dribbler, der auch scheinbar mühelos durch drei Leute durch wuselt. Der will wirklich Fußball spielen, nicht arbeiten. Ja, der rackert und ackert auch für die Mannschaft, aber zuallererst ist er ein Künstler. Dem ist es auch völlig egal, ob er dann das Tor schießt oder es nur vorbereitet, Hauptsache schön. Er weiß, dass er effektiver werden muss im Abschluss und sich diese im passenden Moment auch selbst nehmen muss, und er ist ja auf einem guten Weg dahin. Einige seiner Tore sind jetzt schon großartig, und spätestens dann, wenn er viele von denen, die er hätte machen müssen, dann auch noch versenkt, wird er für uns nicht mehr zu halten sein. Sein Schlenzer aus dem Vollsprint über Hradecky war jetzt schon Weltklasse, die Vorbereitung per Hacke für Ebimbes Fehlschuss gegen Hoffenheim begeisternd und dann die Ballmitnahme per Sohlenstreichler vor seinem Tor zum 4:2 zum Zungeschnalzen. Zudem ein Spieler, der äußerst sympathisch rüberkommt und der sich über seine Tore und die seiner Mitspieler ausgelassen freut. Pure Freude, keine Aggression, andersrum als bei Kimmich. Und natürlich kann der heute nicht sagen, wo er in einem Jahr spielt, aber ich würde mich riesig freuen, den noch eine Weile für uns spielen zu sehen. Eine Rakete!

36 Ansgar Knauff

Auch ein Spieler, der ganz exemplarisch für die neue Eintracht steht. Ebenfalls mit enormer Schnelligkeit und Dynamik ausgestattet, feiner Technik und sprühender Spielfreude, Lust am Dribbling und am Kombinieren. Klar könnte man auch ihn als Abwehrspieler wegen seiner Rolle in der Fünferkette aufführen, genauso gut als Mittelfeldspieler, und natürlich erledigt der seine Defensivaufgaben fleißig und engagiert, aber zuallererst ist der junge unbekümmert frisch drauflos spielende Kerl mit Haut und Haaren Stürmer. Ein echter Coup, den für 400000 (in Worten: Vierhunderttausend) von Dortmund auszuleihen; Traumtor gegen Barça, frühes Schocktor gegen Westham, und Turbovorlage für Borré im Rückspiel. Und Zack, gerade noch Regionalliga West, schon EuroLeague-Sieger, und jetzt CL-Spieler. Ich glaube, der Knauff kneift sich immer noch jeden Morgen nach dem Aufwachen. Ein extrem goldiger Kerl, wenn man sich den in der Doku „Mein Weg nach Sevilla“ ansieht, der ist die ganze Zeit nur am Strahlen. Und so spielt er auch, mutig, als druff, mit Überzeugung. Zwischendrin hatte er die mal etwas verloren, und das hat man ihm angemerkt. Aber auch das ist völlig normal. So junge Spieler müssen lernen, damit umzugehen, ihre Stärken ganz bewusst einzusetzen, und das ist ein schwieriger und langwieriger Prozess. Es ist kompliziert, wenn man auf einmal über etwas nachdenken soll, was man bis dahin, bei aller schon erfolgten taktischen Schulung, doch eher intuitiv gemacht hat. Das kostet einen dann schon mal die dann fehlenden Sekundenbruchteile oder die sonst vorhandene Selbstverständlichkeit. Bis man gelernt hat, aus bis dahin mehr instinktiv genutzten Bewegungsmustern ein Repertoire zu machen, das dann in allen Situationen zur Verfügung steht und selektiv genutzt werden kann, das dauert. Und bis dahin braucht man für manche Entscheidung einfach den Tick zu lange, oder trifft dann die falsche. Links statt rechts, Dribbling statt Pass, kurz statt lang, Schuss statt Abspiel, abstoppen statt Gas geben, es gibt so viel was man falsch machen kann. Ansgar macht jetzt schon ganz viel richtig. Für ihn ist die Situation momentan eigentlich prima. Er fühlt sich pudelwohl hier und würde wohl gerne bleiben, allerdings ist eine Rückkehr nach Dortmund bestimmt auch kein absolutes Schreckensszenario für ihn, schließlich ist er da aufgewachsen und fühlt sich auch da sehr wohl. Es wird wohl darauf ankommen, wo er die besseren Perspektiven geboten bekommt, zum Weiterlernen muss er spielen. Und ich würde ihm sehr gerne weiter dabei zusehen.

Fazit

Wie sehr ich mich darauf freue, dieser Mannschaft in dieser Saison weiter zuzusehen. Momentan sicher die spektakulärste Truppe in der Liga, heißer Scheiß in der Champions-League und im Pokal. Ganz bestimmt die beste Truppe seit 92, die hier im Waldstadion gespielt hat. Ja, die Büffelherde hat auch enormen Spaß gemacht, aber diese Mannschaft ist noch einen Tick besser. Sie ist viel variabler und, obwohl sehr viele junge Spieler mitmischen, viel besser in der Lage, ein Spiel zu beschleunigen oder zu beruhigen. Weil so viele polyvalente Spieler im Kader sind, die vielseitig auf mehreren Positionen einsetzbar sind (ich bin sicher, dahinter steckt Methode bei der Zusammenstellung des Kaders), ist die Mannschaft viel schwieriger auszurechnen.

Eigentlich kannst du mit diesem Kader viele Systeme spielen, und Glasner hat natürlich Recht, wenn er sie mit Fünferkette auflaufen lässt, weil sie sich in dieser Grundordnung am wohlsten fühlen. Letztlich komme es ja doch darauf an, wie man sich in einem System verhält. Und manchmal wird es situativ dann zu einem 4-2-3-1 oder 4-4-2, je nachdem wie hoch die Außen verschieben und wer wohin nachrückt. Entscheidend ist die Einstellung und die Überzeugung mit der die Aufgaben erledigt werden. Und die Mannschaft ist in der Lage, viele Arten von Aufgabenstellungen zu erledigen. Es gab ein Spiel, da hat die Einstellung und Überzeugung nicht gestimmt, das war Bochum (Immer noch Hals…!). Trotzdem hätte man das fast im Schnarchmodus gewonnen, wenn Borré den Ball nicht an den Pfosten setzt und Alario nicht alleine vorm Torwart versemmelt. Bei 2:0 wäre Bochum im Leben nicht mehr zurückgekommen, und alle hätten gesagt „Naja, Pflichtsieg, gutes Pferd… Mund abbuzze un weider. Aber, wer weiß, vielleicht war dieser Dämpfer auch gut für den Lernprozess dieser Mannschaft.

Sie hat eine steile Lernkurve, manchmal innerhalb einer Halbzeitpause, siehe Marseille und Lissabon. Nicht auszudenken, wir hätten die Punkte, um die wir betrogen wurden, Hertha, Köln und vor allem der Skandal gegen Dortmund. Ansonsten sind es alles normale Schwankungen auf hohem Niveau. Und auf was für einem Niveau mittlerweile! Wir haben eine Mannschaft, die sich zu einer rasanten Tempomannschaft verändert hat und die trotzdem eine enorme Spielkultur hat. Hat man lange neidisch auf Mannschaften wie die Bayern, Dortmund, Leipzig und Leverkusen geschaut, die viele enorm schnelle und dabei technisch starke Spieler in ihren Kadern haben, haben wir diese inzwischen selbst. Kolo Muani, Lindström, Knauff, Alidou, Ebimbe, Jakic, Buta sind Spieler, die enormen Speed und Dynamik mitbringen und sich nicht zu verstecken brauchen. Mit Abstrichen sicher auch noch Touré, Tuta, Sow, Borré, Lenz, Kamada, Pellegrini und N’Dicka. Es ist ganz augenscheinlich, die Eintracht ist enorm schnell geworden, dazu gibt es viele Spieler mit guter Technik. Auch finde ich, die Zusammenstellung mit robusten Kämpfern und kämpfenden Künstlern ist gut gelungen. Dazu Spieler, die mit ihrem Überblick und ihrer spielerischen Klasse das gesamte Niveau anheben, wie zuvorderst Götze, Kamada und Rode. Ich finde auch, wir haben genug Leader in der Mannschaft. Hase, Trapp, Rode, Jakic und, etwas leiser, Götze auf dem Platz, nur manchmal auf dem Platz Lenz und Borré, und meist in der Kabine Grahl und Timmy. Der gesamte Charakter der Mannschaft ist extrem teamorientiert, willensstark und leistungsbereit.

Ich finde auch, dass es ein großer Vorteil ist, dass es einem extrem schwer fällt oder gar unmöglich ist, eine Lieblingsstartelf zu benennen. Immer müsste man jemanden außen vor lassen, der eigentlich auf den Platz gehört. Für den Gegner unheimlich schwer auszurechnen, taktisch variabel selbst mit der identischen Formation. Und gewechselt wird nicht mehr mit „Naja, den kannste noch bringen, aber ohje, wenn der jetzt spielen muss, des werd nix!“, sondern mit „Aujaauja, jetzt wird’s nochmal lustig, jetzt machen wir sie fertig!“. Von der Bank kommt jetzt immer frischer Schwung fast immer ohne Qualitätsverlust. So in der Form hatten wir das noch nie. Und es ist auch gut für die Mannschaft, dass man so variabel spielen kann und das auch tut, denn in den drei noch vorhandenen Wettbewerben kommen alle, oder doch zumindest die meisten mal zum Einsatz.

Wohin das führt? Keine Ahnung. Aber ich glaube nicht, dass sie groß einbrechen; mal sehen, wie lange wir noch in der CL dabei sind, Neapel ist eine harte Nuss. Vor einem Jahr hätte ich noch gesagt, eine zu harte Nuss, nicht möglich, die zu knacken, aber jetzt halte ich auch das nicht für ausgeschlossen. Darmstadt im Pokal ist sicher härter als man erstmal denkt, aber auch die sollte man aus dem Weg räumen können. Und in der Liga? Platz zwei bis acht als konkrete Vorhersage unserer Endplatzierung ist mir ja schon von Die Beine von Jessica als nicht akzeptabel untersagt worden, also spreche ich es mal aus: Die Meisterschaft war sicherlich schon sehr lange nicht mehr so möglich wie diese Saison mit diesem Kader! So, jetzt isses raus und steht für immer in diesem Internetz. Aber natürlich heißt „sehr möglich“ nicht, dass ich tatsächlich damit rechne. Da müssten dann doch schon einige vor uns etwas schwächeln und wir nicht mehr so beschissen werden. Aber auch das halte ich nicht für völlig unmöglich. Ich glaube, dass diese Mannschaft etwas ganz großes leisten kann. Und dass es sogar bis nach ganz oben gehen könnte, war noch vor kurzem völlig ausgeschlossen. Normalerweise ist die Mannschaft dafür noch nicht eingespielt, stabil und konstant genug. Aber wer weiß, vielleicht überraschen sie uns wieder… Mit einem Platz unter den ersten Vier zu liebäugeln traue ich mich schon. Und auch das wäre eine Sensation, über die Liga in die CL! Im Grunde ist es sowieso ganz unglaublich, was wir da so die letzten Jahren erlebt haben. Das Ganze ist in den heutigen Zeiten jedoch ein äußerst fragiles Konstrukt, bei diesen Summen, die da kursieren. Es gibt extrem viele Möglichkeiten Fehler zu machen. Und manchmal macht man gar nicht mal so viel falsch, aber die Rahmenbedingungen ändern sich und jemand anderes kommt besser damit zurecht. Darüber soll sich jedoch gerne jemand Anderes auslassen. Ich beschränke mich jetzt darauf, den Rest dieser Saison, oder wie lange auch man das kann, zu genießen, und mir viele fantastische Eintrachtler anzusehen. Spektakel!

Ich hoffe, diese Kadergedanken, die ja eine launige Zusammenfassung bekannter Dinge sind, haben Euch Spaß gemacht. Ich bin gespannt auf Eure Resonanz.

Euer Schnix

Titelbild: Alex Grimm/Getty Images

3 Gedanken zu „Quo vadis #SGE? Kadergedanken Teil 3 und Schluss“

  1. WUNDERBAR!
    MONUMENTAL!
    lieber SCHNIX.
    Wirklich ein Genuss, deine Gedanken wirken zu lassen.

    „Untersagt“ hatte ich nur „von – bis“ – Aussagen, d.h. „Dritter“ hättest du schreiben können, aber „Erster“ lese ich jetzt mal sehr gerne bis zum Schalke-Spiel, wo nach unserem glücklichen 1:1 in der Nachspielzeit auch der Untergang des Abendlandes wieder Thema sein wird 😉

  2. Was ne Lobeshymne.
    Was sind wir doch alles für verliebte Narren.

    Anderswo hieße es,
    Net geschimpft
    Ist gelobt genug!

  3. Natürlich sind wir verliebte Narren.

    Aber was man doch wohl (objektiv) anerkennen muss, ist, dass das eine der wenn nicht gar die beste Mannschaft ist, die je für die SGE angetreten ist. Und damit ist ein großes Kompliment an die sportliche Leitung und das Trainerteam verbunden.

    Jetzt muss die Truppe nur noch das Momentum nutzen.

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