Über Identifikationsfiguren

Geht Oczipka oder bleibt er? Heute, am 12. Juli ist der kolportierte Stand, dass der Spieler will, Schalke will und die Eintracht mehr Geld will. Entscheidung offen. Wenn man die ganze Geschichte emotionslos betrachtet, muss man den Spieler verkaufen wenn man auch nur annähernd die genannte Ablöse bekäme. Denn einerseits will der Spieler diese (mit gerüchteten 3,5 Millionen versüßte) neue Herausforderung annehmen und zum Anderen wäre er in einem Jahr ablösefrei.

Ergänzung: Jetzt um 07:00 Uhr am 13. Juli ist es (fast) amtlich. Oczipka verlässt die Eintracht und schließt sich denen aus Schlacke an. Kolportierte Ablöse ca. 4,5 Millionen. Klingt ganz ok für einen Spieler mit noch einem Jahr Vertrag, der noch dazu wohl weg wollte.

Für Oczipka stehen 146 Bundesligaspiele zu Buche, seit er zur Saison 12/13 aus Leverkusen kam. Durchschnittlich 29 Spiele in der ersten Liga, in denen er insgesamt 2 Tore schoss und 22 weitere vorbereitete. Daneben gab es noch 11 Pokalspiele und 8 Europapokal Begegnungen, in denen er das Trikot der Eintracht trug. Eigentlich der klassische Stammspieler und Leistungsträger. Und damit eine Identifikationsfigur für die Fans.

Wenn man sich jedoch durch die einschlägigen Foren und Blogs liest, wird eins schnell klar: Bastian Oczipka spaltet die Fangemeinde. Da gibt es die einen, die seinen (zu erwartenden) Abgang sehr bedauern und ihm alles Gute wünschen; dann gibt es eine zugegebenermaßen kleine Gruppe, die ihn jetzt schon beschimpfen, frei nach dem Motto, sobald er unsere Farben nicht mehr trägt kann er uns mal; und dann gibt es eine – wie ich finde bei seinen Leistungsdaten sehr große Gruppe, die sagen ‘er kann eh nix, weg damit’.

Und dann liest man zwischendrin immer wieder diesen Begriff. Den Begriff der Identifikationsfigur. Ist Oczipka eine solche? Wer kann überhaupt eine sein? Viele sprechen auch davon, dass es heute gar keine richtigen Identifikationsfiguren mehr gäbe, da die Spieler ja so schnell wechseln. Aber warum wird dann Hradecky als Identifikationsfigur beschworen, obwohl er ja erst seit zwei Jahren bei der Eintracht spielt? Schwierig, schwierig.

Ich würde gern auch hier zu etwas mehr Gelassenheit raten. Ich fand den Ansatz, den der Ergänzungsspieler vor ein paar Tagen im Blog-G beschrieb, eigentlich sehr treffend und will ihn hier aus dem Gedächtnis wiedergeben: Identifikationsfiguren müssen erfolgreich sein. Denn keiner identifiziert sich mit dem Verlierer. Ich würde vielleicht noch ergänzen, dass auch ein besonderes Schicksal die Identifikation erhöhen oder verstärken kann. Stichwort Marco Russ.

Und, als letzter Gedanke: der Status einer Identifikationsfigur ist nicht unendlich. Er erlischt (natürlich), falls sich der Spieler erdreisten sollte, den Verein zu wechseln, oder wenn der Erfolg bzw. auch die Präsenz nachlässt. Gerade zu studieren bei Alex Meier. Leider. Denn auch wenn diejenigen Journalisten, die dem Meier Alex zugeneigt sind, dieses beinahe gebetsmühlenartig wiederholen, Meier ist kein Spieler (mehr), der von der Mehrheit der Fans verehrt wird. Denn die starke Akzeptanz und Verehrung kamen erst mit steigendem Erfolg, ich denke verstärkt seit der Saison in Liga 2 unter Veh, und – so leid es mir tut – sie gehen jetzt auch wieder und die kritischen Stimmen nehmen zu.

So ist das (leider?) mit den Identifikationsfiguren.

Ein Gedanke zu „Über Identifikationsfiguren

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    Hmmm, Identifikationsfiguren sind natürlich Spieler, die leistungsmässig den Unterschied machen. Aber es gibt auch die “besonderen Typen”, die in diesen Status aufsteigen.

    Ohne Anspruch auf Vollständigkeit fallen mir da spontan die “Verrückten” wie Ansgar Brinkmann, Jan-Aage Fjörthof oder Thomas Zampach ein.
    Und auf der anderen Seite die treuen Seelen wie Oka Nikolov, Uwe Bindewald und Alex Schur. Spieler, die zwar spielerisch kaum hohe Qualitäten hatten, aber durch unbändigen Einsatz und Stallgeruch punkten konnten.

    Eine relativ unauffällige Figur wie Oczipka, der zwar im Rahmen seiner Möglichkeiten durchaus erfolgreich gespielt hat, aber darüber hinaus nie durch irgendwelche lustigen Sprüche und Eskapaden aufgefallen ist, werden eher keine Identifikationsfiguren.

    Jetzt ist natürlich die Frage, ob die Eintracht überhaupt weiterhin solche Spieler braucht bzw. ob es zukünftig überhaupt solche Spieler noch in den erstklassigen Profifußball schaffen.
    Die heutige Generation ist überaus professionell, durchgestylt, medial geschult und sehr ehrgeizig. Alles Eigenschaften, die erforderlich sind, um erfolgreich zu sein.
    Aber keine einzige dieser Eigenschaften sind geeignet, um Begeistung zu entfachen. Zielstrebige, erfolgsorientierte Personen werden bestenfalls respektiert, aber nicht geliebt.

    Bedeutet also, dass Identifikation vor allem zukünftig nur noch über Leistung erfolgen muss. Und da kann man gespannt sein, ob Eintracht Frankfurt zukünftig die Mittel hat, genügend Spieler zu verpflichten, die über herausragende Leistung Identifikation und Begeisterung entfachen. Und die vielleicht länger als eine Saison bleiben.

    Falls nicht, dann wird der Fußball zukünftig halt noch mehr entemotionalisiert. Die Ultras, die Hools und die Businessleute haben es ja schon länger vorgemacht. Man zieht einfach sein eigenes Ding durch, völlig wumpe, was auf dem Rasen passiert und wer die Beteiligten sind.

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