Familiensaisoneröffnungsspektakel

Sonntag Mittag, auf geht’s, Familie einpacken und ab in den Stadtwald. Vor gar nicht so langer Zeit, nach einem Spiel mit Saisoneröffnung um den “Frankfurt Main Finance Cup” gegen Madrid, dem ich noch so als “kinderloser Fußballfan” beiwohnte, nach dem ich sagte: das machst du nie wieder, das ist Mumpitz (Anmerkung des Autors: stark selbstzensiert).

Zeiten ändern sich. Jetzt, mit einem dreijährigen Sohn, der zuhause tapfer die Eintrachtfahne schwingt und ständig nach seinem “Alex Meier” fragt, den kennt er, das war quasi sein erstes Eintracht-Tor, was er im Fernsehen gesehen hatte, im Schlepptau – was könnte besser sein als die doch tiefentspannte Saisoneröffnungsfeier? Am letzten Donnerstag erst, mit Blick auf die Offenbacher Wettervorhersagebetriebe, entschied ich: ja, wir gehen. Also ab ins Ticketing. Karten bestellen, will man doch versuchen, einigermaßen sinnvolle und anständige Plätze für die Familie zu ergattern. Kein Problem, aber: kein Versand mehr möglich (okay, egal), aber auch kein Print@Home (bitte was!?). Egal, dann eben reservieren. Abholung am Reservierungsschalter. Wo zum Henker ist denn der? Klick auf den Link – Error 404, Webseite nicht da. Prima, Eintracht. Wird wohl am Haupteingang sein. (Ja, die Information bekommt man dann, wenn die Zahlung bei der Eintracht eingegangen ist. Immerhin. Und: ja, Tageskasse hätte es auch getan. Aber dann halt ohne ordentliche-Plätze-Garantie.) Alles egal, obwohl es noch zusätzlich gepaart wurde mit dem Wissen: City-Triathlon, Straßenbahnbaustelle, das kann ja heiter werden, schon auf der Anreise.

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Am Stadion dann ging alles sehr stressfrei, reservierte Karten innerhalb von wenigen Sekunden in den Händen, ein strahlender Zwerg auf den Schultern und ab ins bunte Treiben.  Schon aus der Ferne war klar zu erkennen: hey, da ist was los. Nämlich viel.

Ein, wie ich empfand, nett eingerichteter Festzeltbankpark mit einer Menge Sonnenschirme, auf dem selbst zur Mittagessensprimetime immer wieder ein Plätzchen zu finden war. Die Preispolitik: durchwachsen, Getränke 0,3 l für 2,50 €, XXL-Pizzastücke für 4,50 € – aber ich war danach satt. Wer mich kennt, weiß, das ist nicht so selbstverständlich, deshalb war’s schon in Ordnung. Dennoch möchte ich das Getränkechaos einfach mal öffentlich ins Internet posaunen: wie kann man 0,3 l-Becher überall im Stadion aus 0,5 l-Einwegflaschen befüllen und sich wundern, warum das ewig dauert? Von einer gefühlt miesen Ökobilanz gepaart mit Einwegbechern mal ganz zu schweigen. Auch witzig: der Schreibfehler an einem Getränkestand, der einen etwa 8jährigen Jungen vor mir dazu brachte, seinem Papa das hier zu erklären: “Du, Bier kostet genausoviel wie Wasser, ist aber 0,5 l – wollen wir lieber Bier trinken?”.

Die Angebote für Familien, ja, Familien (!), waren wirklich vielfältig. Von der Hüpfburg bis zum “Hüpfburgvolleyball”, von der Boxabteilung bis zum Tennis und Badminton, wirklich alles, was die Eintracht als Verein zu bieten hat, war da. Das Museum überlaufen, der Fanshop mit riesigen Schlangen, die Premiumpartner und weitere Sponsoren mit kindgerechten Angeboten und Werbegeschenken. Auch gab es ein Sommergeschenk für alle Junior Adler – meiner hat die Fahne (okay, klein, Plastik) den ganzen Tag nicht gehen gelassen und den Rest aus diesem Geschenkepaket (Poster, Schal) dann später zuhause ehrfürchtig betrachtet.

img_8628Irgendwann, so gegen 14.30 Uhr, war es dann einfach mal Zeit, die Plätze einzunehmen. Ungewohnt für mich, so früh, aber fürs Kind – was tut man nicht alles. Mannschaftsvorstellung, familientauglich. Neuer Stadionsprecher? Hä, wer bist du denn? Ich weiß es immer noch nicht, hatte aber so den Eindruck, der bleibt und ersetzt Mirko Förster. Und: der machte das wirklich gut. Wirklich wirklich.

Bisschen Warmmachen schauen, und dann das kleine Frankfurter Duell unter dem Motto “Wir sind alle Frankfurter Jungs”.

Hierzu kann und werde ich nicht wirklich viel sagen, Muster ohne sportlichen Wert mit den ersten Wechseln nach ca. 30 Minuten, gegen einen Viertligisten, mit Chandler als Libero. Hrgota muss immer noch seinen Knoten zum Platzen bringen, innerhalb von 10 Minuten zwei 100%er kläglich zu versemmeln, das war schon oskarverdächtig.

Lust auf mehr machte wenigstens Jetro Willems, schicke Ecken, tolle Freistöße – vielleicht haben wir hier ja eine Chance auf Verbesserung. Auch der neue Japaner Daichi Kamada ließ doch etliche technische Glanzstückchen aufblitzen, schauen wir mal, ob das für die Bundesliga reicht.

2:0 stands dann zur Halbzeit, als wir uns, wie viele andere auch, auf den Heimweg machten. Nicht, weil die Kinder keine Lust mehr gehabt hätten, nein, eher in dem Wissen: es reicht nicht für die komplette zweite Hälfte in Kombination mit den abendlichen Schlafgewohnheiten. Liebe Eintracht, wenn ihr das mitlest: mein Eindruck ist, wäre das Spiel um 14.30 Uhr oder 15 Uhr begonnen worden, wären die Meisten geblieben bis zum Ende.

Schön wars auf der Familiensaisoneröffnung. Selbst bewachte Kinderwagenparkplatzzelte gab es. Es wurde schlichtweg an alles gedacht. Wenn es nach mir geht darf die Saisoneröffnung immer gegen den FSV aus Bornheim stattfinden. Oder gegen Fulda. Oder Rot-Weiß Frankfurt. Oder wen auch immer aus der heimischen Ecke und aus einer (deutlich) kleineren Liga. Ich glaube, das ist nachhaltiger (trotz nur ca. 35000 Besuchern) als ein Kick gegen die C-Elf von Real Madrid vor ausverkaufter Hütte. Warum? Die Kinder sehen Tore, haben Spaß und werden positiv geprägt. Und werden sich immer an das schöne, positive Erlebnis erinnern.

Wenn du dann abends wieder zuhause bist, den Kleinen ins Bett bringst und noch hörst “Heute war es viel schön” und er dann im Bett liegt und der Zwerg sanft “Eintracht vom Main, nur du…” anstimmt, dann weißt du, es ist am heutigen Tag Einiges richtig gelaufen. Ich komme wieder. Mit Familie. Zur Saisoneröffnung. Versprochen.

Also, liebe Leser, bleibt sauber. Man liest sich.

 

3 Gedanken zu „Familiensaisoneröffnungsspektakel

  1. 1

    Danke, lieber Korken. Toller Bericht, speziell aus der Sicht eines Familienvaters 🙂

    Tim

  2. 3

    Sehr schöner Bericht, Danke dafür.
    Very nice: „Du, Bier kostet genausoviel wie Wasser, ist aber 0,5 l – wollen wir lieber Bier trinken?“ :))).

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