Leipzig ZWEI – Eintracht EINS

Man hat es versucht. Man hat wirklich versucht, mit einer extrem defensiven Einstellung Schadensbegrenzung zu betreiben. Hat bis zur 28. Minute geklappt. Dann standen plötzlich zwei Leipziger im Strafraum frei und Augustin vollendete humorlos nachdem Hradecky vorher noch den ersten Schuss von Werner abwehren konnte.

Doch von Anfang an: die erste Überraschung war die Aufstellung. Kamada, Wolf und Willems drin, Boateng, Rebic und Tawatha raus. Eigentlich spielte die Eintracht von Beginn an mit einer Fünferkette hinten und einer Viererkette davor und dann gab es noch Haller. Sah defensiv ganz manierlich aus, nach vorn war gar nichts. Dann verletzte sich Fernandes in der 25. Minute und Boateng kam. In diese Phase, als die Mannschaft noch nicht ganz neu sortiert war, gab es eine hübsche Fehlerkette: de Guzman verliert den Ball links, Hradecky macht einen halbherzigen Befreiungsschlag, die Kugel kommt schnell wieder über die linke Seite nach vorn, wird scharf aufs Tor geschossen, Hradecky kann nur abklatschen und Augustin vollendet.

Über den Rest der ersten Halbzeit kann man problemlos das Mäntelchen des Schweigens decken. Meine einzige Idee zur Halbzeitpause war, Gacinovic für Kamada und eventuell Tawatha für den echt schwachen Willems zu bringen und auf eine Einzelaktion zu hoffen.

Wie schrieb mir ein guter Freund und Leidensgenosse zur Halbzeit: “Gacinovic nicht zu bringen geht gar nicht. Wolf und Kamada sind beide nicht durchsetzungsfähig – einen davon kann man bringen, aber nicht beide!” Das kann man so stehen lassen, finde ich.

Die zweite Hälfte? Hm na ja, es sah ein bisschen besser aus, vor allem nachdem Rebic für Kamada und kurz darauf Jovic für Haller gewechselt wurden. leider hatte da RB schon auf 2:0 gestellt. Dann fiel aus dem Nichts der Anschlusstreffer durch Rebic nach einer ziemlich guten Hereingabe von Wolf. Und dann hatte man fast das Gefühl, es könnte etwas gehen. Aber eben nur fast. Und warum erst so spät?

Aber wenn man das ganze Spiel Revue passieren lässt muss man sagen, dass ein Punktgewinn vollkommen unverdient gewesen wäre. Man hatte die ersten 70 Minuten nie das Gefühl, dass die Eintracht daran interessiert sei, hier etwas mitzunehmen. Das war eine Aufstellung und eine Einstellung nach dem Motto, lasst uns so viel als möglich verhindern und dann schauen wir, was raus kommt.

Ehrlich gesagt will ich die Eintracht so nicht sehen. Es muss kein Fußballfest werden, aber so ein bisschen der Versuch, mitzuspielen, wäre schon ganz nett.

Ich habe fertig.