Besteht noch Hoffnung für den Fußball?

Die Frage, die mich so umtreibt. Eine für mich wichtige Frage. Denn Geld schießt Tore, sagt man. Oder auch: Geld schießt keine Tore. Sagt man auch. Bier auf Wein, das schmeckt fein. Wein auf Bier, das lob ich mir. Bier auf Wein, dass lass sein. Wein auf Bier, bleib weg von mir. Was stimmt also? Ich will einmal versuchen, dem Komplex etwas auf den Grund zu gehen.

Dafür aber legen wir erst einmal die Basis. Tabellenstände an den Spitzen der Ligen, schauen wir einmal nach: Deutschland, Italien, [...]  weiterlesen...

Goldener Scheißhaufen

Freitag, der 13., Nomen est Omen heute?

Ich darf hier ja bloggen, hat man mir gesagt. Ich darf das fakten- und informationsbasiert machen, hat man mir gesagt. Ich darf emotional sein, hat man mir gesagt. Deshalb meine Vorwarnung: heute ist das alles irgendwie informationsbasiert, aber ich bin geladen. Es besteht die Möglichkeit, dass meine Verwirrung heute deutlich lesbar ist, vielleicht ist sie es aber auch nicht.

Eigentlich, so war der Plan, wollten wir diese Woche mal was Neues machen. Nämlich sowas hier:
Wir unterhielten uns darüber, Hradecky zu nehmen. Nicht, weil er so positiv auffällt derzeit, sondern weil er im Saisonendspurt der Mann ist, auf den es ankommt. Dann unterhielten wir uns über Luca Jovic, 4 Tore in 4 Spielen, darüber, dass ich es interessant fand, welches Engagement der junge Kerl hier einbringt und dabei sogar droht, sein Knie zu opfern (dazu wiederum fiel mir dann der ältere Amanatidis ein, der sich ja beim Tor sein Knie… ihr erinnert euch).

Dann kam die Geschichte mit Frederik Rönnow, der schick kurz und knapp verpflichtet wurde, man schaffte aus dem stillen Kämmerlein eine positive Klarheit. Ergo: der Mann der Woche war für mich Bobic stellvertretend für das sportliche Leitungsteam, die in innerer Ruhe mit Plan und Konzept Entscheidungen treffen.

Dann stand es 3:1 für Olympique Marseille, ich freute mich diebisch, und dann flutete Twitter mit #Kovac bzw. #NoKovac. Ich blätterte, BILD, Sport Bild, kicker.

Rumms.

Da war sie hin, die Laune. Das naive Körkchen sah sein Emotionskontrollzentrum abstürzen, das zugehörige Fußball-Europa-Träumchen-Kartenhaus gleichfalls einstürzen. Kovac, der Ehrenmann, der erklärt, dass er es unschön findet, dass das gesprochene Wort nichts mehr zählt? Okay, richtig angelogen hat er uns nicht, denn “…zum jetzigen Zeitpunkt” ist ja prinzipiell immer sehr relativ.

Mir geht es auch nicht um den FC Bayern. Das könnte auch die SG Kleinkleckersdorf oder Viktoria Verliererhausen sein. Der Zeitpunkt ist für mich das Unding. Dieser sensible Zeitpunkt, in dem die Weichen für die Folgesaison gestellt werden. Ich kotze im Strahl, immer noch. Und, dass auch Kovac für mich nicht mehr, und ich prophezeie auch nicht mehr für die Spieler, der Ehrenmann ist, den er vorzugeben und zu zeigen versuchte.

Wisst ihr, das dämliche Abo bei Sky, das ist schon länger gekündigt. Weniger Leistung fürs gleiche Geld, das ist ne deutliche Preiserhöhung, das passt nicht. Ok, selbst schuld, hätte ich mir die neue TV-Rechte-Vergabe zum Zeitpunkt der Vertragsverlängerung bis zum Jahresende vorher angesehen, dann hätte ich das gewusst. Dumm gelaufen. Warum erzähle ich das? Weil ich gestern Nachmittag, als das mit Rönnow öffentlich wurde, ernsthaft drüber nachdachte, trotz familiärer Randbedingungen das ablaufende Sky-Abo wieder durch eine Dauerkarte zu ersetzen, sollte ich denn eine bekommen. Jetzt gerade denke ich eher über eine komplette Kündigung aller Verbindungen zur Eintracht nach. Emotionskontrollzentrum-Shutdown, as I said.

Ich kenn ja meine Eintracht. Wenn da noch was von früher drinsteckt, dann kacken wir jetzt ab, versemmeln Europa, versemmeln die Lorbeeren der Saison. Und nächste Saison sind wir dann am A…h oder zumindest ganz ganz nah dran. Und am Ende sind wir in ein paar Wochen auch noch dran schuld, wenn der HSV wieder in der Relegation rumpeln darf und dafür ein Freiburg oder sowas absteigt. Mir ist übel.

Mit einem Schlag gestern war meine Lust auf Fußball, die Eintracht und Bundesliga zerstört. Ich weiß nicht, wie lange das hält und ob es wieder weg geht. Die Geschichte um Kovac hat auf jeden Fall bei mir wieder ein Steinchen der Fußballliebe kaputtgemacht. Für immer.

Ja, Fußball ist über die Jahre mehr und mehr Kommerz geworden. Man geht dahin, wo die Verlockung der Euronen am Größten ist. So tut es auch Kovac jetzt. Und der schwarz-weiß-korken flucht gerade über die Beibehaltung von 50+1. Es soll Kommerz sein, um Geld gehen? Dann bitte für alle. Drückt den Resetknopf. Das Ergebnis muss dann ja nicht zwingend mit mir im Einklang stehen, ich kann mir auch eine neue Leidenschaft suchen. Und wenn es Rasenzüchten ist.

Sportlich? Ja, kurz halt. Morgen nach Leverkusen. Wozu ich gestern noch dachte, da geht was. Und mir jetzt denke: bei der mutmaßlichen Verunsicherung kriegen wir derartig einen auf die Mütze, das will und muss ich nicht erleben.

Gronf.

Mutmaßungen und Zukunftsblicke

Gestern erschien in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung ein Interview mit Wolfgang Steubing, dem Aufsichtsratsvorsitzenden der Eintracht Frankfurt Fußball AG. Zum Nachlesen: hier entlang!

Zu Allererst: ich empfinde das Interview als höchst nebulös, es gibt Einblicke in die Zukunft, die aber bewusst hinter der Tür gehalten werden.

Kapitalrücklagen

Die Eintracht arbeitet mit dem zuständigen Finanzamt in Fulda, um hier zu klären, ob Geldgeber ohne Schenkungs- oder Erbschaftssteuer der Eintracht Geld zur Verfügung stellen können, um die Kapitalrücklagen zu erhöhen – Steubing spricht von 10 bis 15 Millionen Euro.

Ist es tatsächlich so, dass sich Eintrachtfans bzw. Eintrachtfanfirmen gefunden haben, die Geld verschenken wollen? Wäre ich Milliardär, so würde ich mich sicher auch engagieren – ohne Sponsoring, ohne Gegenleistung. Aber das bin ja nur ich. Will also jemand etwas “schenken”, macht das Thema der steuerlichen Betrachtung in meinem laienhaften Finanzwesenwissen Sinn, und zwar nur dann.

Die Rücklagen sollen, wenn es nötig wird, natürlich ausgegeben werden können. Für Spieler, für die Infrastruktur. Steubing spricht das Thema der neuen Geschäftsstelle an, das ist wiederum kein neues Wissen. Auch Verstärkungen sind ein Thema, man scheint hier aufgrund der letzten Rückrunde durchaus gebrandmarkt zu sein. Man verließ sich auf eine ganz positive Hinrunde und am Ende… ihr wisst es alle.

Auch das bruchhagensche Supertheorem wurde natürlich wieder in den Mund genommen: man müsse sich strecken um konkurrenzfähig zu bleiben. Heribert wäre dafür sicher geteert worden. Warum passiert das jetzt nicht? Ich für mich kenne die Antwort: man hat den Eindruck, dass man arbeitet, dass man etwas ändern will – und das wird honoriert.

Man kann es ja an den Sponsoringverträgen und der Logenauslastung diese Saison sehen. Es tut sich was.

Der Spielermarkt und die Jugendarbeit

Der Markt hat sich geändert. Von Riesensummen in England für durchschnittliche Kicker bis hin zu astronomischen Summen irgendwo zwischen Spanien und Frankreich.

“Wenn ein deutscher Spieler heute geradeaus kicken kann, kostet er schon zehn Millionen Euro.” (Wolfgang Steubing, im oben verlinkten Artikel der FAZ)

Von der Hand zu weisen ist diese These nicht. Und genau deshalb ist es doch klar, warum sich das Mittelmaß des deutschen Fußballs im Ausland umsehen muss.

Die Jugendförderung wird zwischen den Profis und dem eV-Bereich wieder groß geschrieben, man arbeitet zusammen, man fördert sich. Steubing sagt:

“Vielleicht ist der Sprung vom Riederwald zu den Profis dann doch ein zu mächtiger Sprung für den einen oder anderen.”

Für mich ist das ein Indiz, dass man auch intern deutlich der U23 hinterhertrauert. Man könnte so doch, auch bei eventuell zu niederklassigem Niveau, immerhin eine Plattform anbieten, in der sich ein Spieler stabilisieren kann.

Die Stimmung

Gegrantelt wird, rund um die Eintracht, stets und immer. Was war zuerst? Henne oder Ei? Das Granteln oder die Diva? Niemand weiß es. Oder ist zufällig noch jemand da, der 1899 alt genug war, das einschätzen zu können? Schön ist, dass man heute – im Vergleich zu HB – erkennt, dass man mit dem Granteln einfach leben muss. Es hilft nicht, lehrerhaft dagegen zu gehen.

Die Eintracht steht gut da in der Tabelle. Es gibt vieles zu Verbessern, aber selbst Horst Ehrmanntraut sagte schon auf seinem legendären Plastikstuhl: Stillstand ist Rückschritt. Und so lange wir uns sportlich und organisatorisch bewegen hat die verantwortliche Führungsriege der Eintracht einen ordentlichen Kredit bei mir.

Und jetzt? Jetzt schickt uns halt den s…… BVB!

So long, bleibt sauber. Man liest sich.